Ex Oriente Lux revisited

So, das wird hier gerade ein richtiger Klimablog. Zunächst einmal was zum Hoffnung schöpfen:

350px-Carbon_Dioxine_Emissions_from_Consumption_in_China

Na ja, kleiner Scherz. Was wir hier sehen ist das volle Einsetzen der Industrialisierung in den weniger entwickelten Ländern, allen voran China. Immerhin will Chinas Führung die Pro-Kopf-Emission nicht auf amerikanischen Standard kommen lassen. Den europäischen hat man mit knapp 7 t/Kopf und Jahr schon bald. (Quelle)

Mit dem Öl ist es auch nicht mehr so weit her

Wer sich für die Welt da draußen interessiert, ich meine für die große Ökonomik, die Grenzen des Wachstums etc. etc. , interessiert sich vielleicht für die Mechanik des Ölpreises am Anfang vom Ende des Ölzeitalters.

Jemand 1 hat den Ölpreis gegen die Produktionsmenge aufgetragen. Wo ist da der Sinn? Da die Ölquellen verschiedene Produktionskosten haben, bedeutet eine Erhöhung des Ölpreises bei einem Nachfrageschub, dass mehr Quellen ihr Öl absetzen können, d.h. die Produktionsmenge steigt um ein gewisses Maß an und befriedigt den Nachfrageschub. Der Quotient aus Preis- und Produktionssteigerung ist ein Wert dafür, wie teuer es ist, an neues Öl ranzukommen. Auftritt Grafik, gefunden auf Blog Cassandras Legacy.

naturepeakoil

Seit 2005 sind die Kosten für neues Öl von ca. 3,5 auf ca. 60 mikroUS$Tage angewachsen. (Man störe sich nicht an der seltsamen Einheit.) Das ist ein Faktor von knapp 20. Anders ausgedrückt: das Produktionsvolumen kann steigen, aber die Kosten für weitere Steigerungen sind exorbitant hoch.

Angesichts der Nachfrageschübe aus Indien und China haben wir uns auf einiges einzustellen.

 1 James Murray and David King published on Nature, 26 Jan 2012, vol 481, p. 435 (nach “Cassandra’s Legacy”)

Treibhausgase: Europa und die USA

“Die Amerikaner sind die Übeltäter, China ist ganz schlimm, die Europäer verhalten sich vorbildlich.” So könnte man vielleicht den Eindruck des normalinformierten Medienkonsumenten zusammenfassen, der sich für diese Fragen interessiert – was auf kaum einen zutrifft, aber na gut, das ist eine andere Sache.

In Kürze:

In Europa sinken die Gesamtemissionen tatsächlich seit etwa 2007 verstärkt ab, was ja gut zu sein scheint (leider für die letzten 2 jahre keine Daten auf Server):

eu emissions from eea.europa.eu

URL: http://www.eea.europa.eu/data-and-maps/data/data-viewers/greenhouse-gases-viewer

Mit den Pro-Kopf-Emissionen der Europäer verhält es sich ähnlich. Ein langsamer Abfall bis ca. 2007, dann eine deutliche “Verbesserungs”-Tendenz :

eu per capita emissions from eea.europa.eu

Aber nicht zu früh freuen. Leider hat das vor allen Dingen den Grund, dass es in dieser Zeit eine Konjunktudelle gab. D.h. die Leute sind sparsamer geworden, weil sie ärmer wurden…:

eu gdp 2002-2013 cropped from epp.eurostat.ec.europa.eu

URL: http://epp.eurostat.ec.europa.eu/tgm/graph.do?tab=graph&plugin=1&language=en&pcode=tec00001&toolbox=type

Diese Vermutung bestätigt sich, wenn wir die Emissionen auf das EU-Bruttonationalprodukt beziehen:

eu emissions per gdp

Dieses weist ein langsames Absinken auf, was gut ist. Die Produktion von Werten erzeugt immer weniger THG je Euro. Aber im im fraglichen Zeitraum ist der Wert nicht besser geworden – es war wirklich nur die Krise.

In den Vereinigten Staaten beobachten wir den Krisendipp  ebenfalls, haben aber davor einen deutlich erkennbaren Anstieg:

us emissions by gas from navigatin the numbers

URL: http://epa.gov/climatechange/emissions/downloads11/US-GHG-Inventory-2011-Chapter-2-Trends.pdf

Für die V.S. verbessert sich der Pro-Kopf-Verbrauch – wenn auch auf einem höheren Niveau – ähnlich wie bei uns (dritte Kurve von oben), aber dieses ist bis 2007 mehr als ausgeglichen worden durch ein kräftiges Bevölkerungswachstum (zweite Kurve von oben), hauptsächlich durch Immigration (Quelle):

us per capita emissions from us ghg inventory 2011

Bekanntermaßen ist das Emissionsniveau dort drüben erheblich höher: In der EU schießen wir um die 9 t CO2-Äquivalent pro Jahr in die Atmosphäre (Deutschland 11-12), in den USA sind es um die 22 t, Indien: 2 t, China: 4 t. (Quelle)

Das zeigt, dass nicht nur in den wenig-entwickelten, sondern auch in der industrialisierten Welt die schiere Zunahme der Zahl der Menschen ein Hauptfaktor für die Treibhausgasemission ist. Es zeigt aber auch, dass Krisen gut für das Klima sind!

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