Nachtzug


München Hauptbahnhof, das freie Gefühl des Reisenden stellt sich ein als ich über den Bahnsteig ging. Männer in Lederhosen und Frauen in Dirndkleidern wollen zum Oktoberfest. Die ganzen Chinesen desgleichen. Mein Zug steht noch nicht am Gleis 11. Bereits etliche Italiener zu erkennen. Am Bahnhof gibt’s 30 minuten WLAN. Ich will mal sehen, ob ich die ÖBB App runterladen kann. Damit kann ich vielleicht ein Ticket kaufen, ohne dass ich einen Drucker bemühen muss. Ja es geht, aber es ist recht undurchsichtig.

21:07 Im Zug. Im Abteil hat sich eine kleine Gemeinschaft gebildet: eine Italienerin, zwei junge, etwas dickliche Amerikanerinnen und ich. Die Italienerin ist aus einem Dorf bei Bologna und schimpft über die schwarzen Gestalten am Münchener Bahnhof,die nicht arbeiten et c. Die Amerikanerinnen sind auf einer zweimonatigen Tour d’Europe und fahren nach Florenz, dann Budapest. Der Rest des Zuges ist voll mit Jugendlichen,die alles toll finden. Ich hatte mich geirrt mit dem Ticket: ich habe keinen Liegewagen sondern normales Abteil – aber eins von der alten Sorte, wo man die Sitzflächen ausziehen kann; wir sind eben nicht bei der Deutschen Bahn, sondern bei der ÖBB, wo man das Bewährte noch nicht für das Schicke geopfert hat. Nach dem zum besseren Schlaf notwendigen Bier stellt sich das altbekannte Nacht-Bahnfahrgefühl ein: der ruckelnde Wagen, der lange Gang, vorbeihuschende Lichter, warten bis man müde ist, das Quietschen irgendwelcher Türen, ein höllischer Lärm, wenn sich die Schiebetür zu dem kleinen Raum zwischen den Waggons öffnet, zur Seite gedrückt zu werden in den Kurven – kurz: sich im Zug geborgen fühlen.

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Wirtschaftswachstum und Ressourcenverbrauch

Hier ein Zusammenfassung verschiedener Studien über den Ressourcenverbrauch der Menschen im Jahr 2050 unter der Bedingung maximaler Anstrengung zu dessen Verminderung.

Ergebnis: Wir würden statt das 3,5-fache des nachhaltig Möglichen nur noch das 2- bis 2,5-fache verbrauchen.

Was bedeutet, dass eine Ressourcenerschöpfungskatastrophe ein paar Jahre später einträte.

Größer als jede Rolle

Ich merke, dass ich etwas brauche, das größer ist als jedes Rollenbild, jede Identität.

Das habe ich nicht.

Aber ich habe etwas das kleiner ist, immerhin: den Geist und die Wünsche. Der Geist ist weder männlich noch weiblich, weder jung noch alt, und das trifft auch auf die Wünsche zu. Mann und Frau, jung und alt, sind Resonanzen, die sich in der andauernden Interaktion mit den anderen Menschen bilden, und die so viel tragen wie behindern können.

Dieses sehend, kann man Vergnügen daran finden.

Der vergessene Holocaust

Irgendwie irritierte es mich immer, dass ich mir die hohe Zahl der nichtmilitärischen Weltkriegstoten der damaligen Sowjetunion nicht erklären konnte, und ich las im englischen Wikipedia dazu nach.

Der Artikel gibt viele verschiedene Quellen an, und was als erstes auffällt, ist dass es so wenig Konsens über die Zahl der Toten gibt. Die Unsicherheit  der Angaben ist sehr groß, im Bereich von 40 %. Aber sie liegen alle im Millionenbereich. Ich nehme hier eine Aufstellung heraus:

Direkt und absichtlich Getötete 7,4 Mio
In Arbeitslagern umgekommene 2,1 Mio
Tote durch Hunger und Seuchen 4,1 Mio
Umgekommene Kriegsgefangene 2,6 Mio
Summe der nichtmilitärischen Toten in der Sowjetunion 16,2 Mio

(Ich wage es nicht, eine Fehlergrenze dafür auch nur anzugeben.)

Das gehört auch zur Fratze des sogenannten National-„sozialismus“, nicht nur die Todesfabriken in den KZs. Das ganze System war eine Todesfabrik. Wirklich.

Was hat das mit uns, jetzt, zu tun? Klarheit, einfach Klarheit.

For Greta

Mit der Entschiedenheit der Jugend beschämt sie uns.
Ist ihre Kraft nicht schön?
Fragen wir uns nicht nur: Was kann unser Beitrag sein? Tragen wir bei!

Open Mind

I want to feel safe.

When I walk home late at night.

When I sit on the subway.

When I sleep at night.

But I don’t feel safe.

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Endlich, endlich, endlich – CO2-Emissionspreise ziehen an

18 08 24 carbon priceFür die Menschen, die das EU-Emissionspreissystem beobachten, war die Lage jahrelang zum Verzweifeln, Resignieren, Wahnsinnigwerden und Haareausraufen: Eine Tonne CO2 zu emittieren kostete nicht mehr als 5 € und es war kein Fortschritt abzusehen. Damit war das System wirkungslos. Es gab viel zu viele Emissionsrechte. Und es gibt immer noch viel zu viele überschüssige, d.h. wirksame, aber nicht gebrauchte Zertifikate, ungefähr 1,5 Mrd.

Aber der Preis pro Tonne begann Ende 2017 zu steigen, und hat kürzlich die 20-€-Marke passiert (Quelle, Grafiken, Direktlink zum Zertifikatpreis).

Wie das?, fragt sich der verwunderte Beobachter. Die Antwort ist: die Marktteilnehmer wollen sich mit Emissionsrechten eindecken, weil sie befürchten, dass diese bald ein knappes (und damit teures) Gut werden. Warum sollte dies passieren? Die EU hat drei Maßnahmen beschlossen (Quelle):

  1. 2019 die Einführung der „Marktstabilitätsreserve“ (MSR). Dadurch werden in jedem Jahr  24 % der Zertifikate dem Markt entzogen, bis nur noch 833 Mrd. Überschüsse übrig sind; das ist etwa die Hälfte.
  2. 2021 sinkt das Cap um 2,2 % per annum statt 1,74.
  3. 2023 wird die Größe der MSR begrenzt auf die Zahl der im Vorjahr versteigerten Zertifikate. Damit werden erstmals Zertifikate vernichtet werden.

Auf absehbare Zeit wird es immer noch reichlich überschüssige Zertifikate geben, und ich gebe zu, dass ich so den Preisanstieg nicht ganz verstehe. Wenn die Firmen sich genügend mit Zertifikaten versehen haben werden, könnte der Preis wieder sinken.

Jedenfalls aber sind die Stromgestehungskosten damit etwa so hoch geworden wie die von Solar und Wind. Und das ist doch mal eine gute Nachricht:

180824_power_generation_costs
Es gibt bereits Solar- und Windprojekte (Dreiecke), die Strom billiger als Kohle- und Gaskraftwerke liefern werden.

 

Wie wir die Erde verloren

New York Times: Loosing Earth

Eine amerikanische Geschichte: Wie der Klimawandel, ein Thema, das nur einigen wenigen Wissenschaftlern überhaupt bekannt war, durch das Engagement und die Aktivität von ein paar Dutzend Protagonisten zu einem internationalen Projekt wurde. Aufgehängt am Kampf Rafe Pomerances, einem Aktivisten von Friends of the Earth, dessen jahrzehntelanger Kampf den roten Faden bildet, der die Erzählung  zusammenhält. Es ist eine Geschichte von Menschen wie James Hansen, dem Klimaforscher, der sein Wissen über die Physik der CO2-Venusatmosphäre auf die Erdatmosphäre übersetzte und zu einem Medienstar wurde. Oder von Präsidenten wie G. W. Bush, der anfangs noch den Treibhauseffekt (greenhouse effect) mit dem White-House-Effekt in den Griff bekommen wollte – und dies schnell vergaß; er hatte ihn nicht wirklich verstanden, sondern nur als wahlkampfrelevant oder eben nicht wahlkampfrelevant angesehen.

Es ist auch eine Geschichte von Fehleinschätzungen, wie die von Bushs Stabschef John Sununu, einem promovierten Ingenieur, der Hansens Ergebnisse hätte verstehen können, es aber nicht tat, und zu einer der treibenden Kräfte bei der Torpedierung internationaler Vereinbarungen wurde.

Es ist eine Geschichte am Beginn eines neuen Zeitalters, in dem der Einfluss der Menschen auf die Erde so groß geworden ist, dass sie nicht länger als „außen“ angesehen werden kann und eine Geschichte von Menschen, die dies noch nicht begreifen wollen.

Und es ist eine Geschichte von intellektuellem Verstehen und darauffolgendem Ignorieren, und das ist die wichtigste Geschichte, denn sie betrifft uns alle.