Eine nächtliche Runde

Die Runde war vielleicht typisch für das Berlin unserer Tage. Man saß um zwei Uhr nachts beim Imbiss eines Türken, der mit einer Griechin verheiratet ist – einem Geheimtipp -  und sprach englisch, wegen der jungen amerikanischen Künstlerin, die dabei war. Einer war Franzose, der nach Berlin gekommen war, um sein Leben umzukrempeln.

Man sah an seiner Mimik, die quasi durchscheinend war, von einer humanitären und unmittelbaren reichen Anteilnahme, von einer weichen und lebendigen Selbstsicherheit, dass er nicht in Deutschland aufgewachsen war.

Das Thema war tief, eines der tiefsten, die man wohl wählen kann: wie trifft man die Entscheidung für seinen weiteren Lebensweg. Einer hatte in einem langen Prozess einen vielversprechenden, wenn auch nicht ganz einfachen Weg begonnen und wurde von den anderen darüber ausgefragt, die ganz offensichtlich von seiner Entschlossenheit profitieren wollten.

Einer scheute, sagte er, vor den zwei Jahren Referendariat, aber ich glaube, dass er eher die dreißig Jahre Lehrersein meinte, die dahinter warteten.

Ich dozierte über Entscheidungen, dass das Wichtigste sei, die andere Möglichkeit aktiv nicht zu wollen, dass der Vergleich von Vorteilen keine Bedeutung habe, da die Vorteile sich aus der Wahl des Standpunktes ergäben und dass es für die Wahl des Standpunktes letztlich (Herrgottnochmal, was heißt “letztlich” auf Englisch?) keine Begründung gäbe, wohl aber die Verantwortung.

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