Die Geschichte der Entdeckung des Klimawandels

Auf http://www.aip.org/history/climate/co2.htm ist ein Abriss der Entwicklung des Wissens zu lesen, die zu unserem momentanen Verständnis des Klimawandels geführt hat. Es beginnt mit Arrhenius am Ende des 19. Jahrhunderts, der bekanntlich die atmosphärische Infrarotabsorption als verantwortlich für die Bewohnbarkeit der Erde erkannt hatte, und führt dann durch alle Aspekte der Temperaturberechnungen und auch des Kohlenstoffkreislaufs, schließlich der numerischen Modellierung, die zu dem Erkenntnisstand führen, der heute als schlüssig gilt.

Was mich faszinierte ist die Tatsache, dass die ersten Warnungen vor dem Klimawandel bereits in den 50er Jahren publiziert wurden, noch basierend auf Überschlagsrechnungen, und dass die Mechanismen in ihrer Komplexität bereits damals ein tieferes Verständnis sogar durch Fachleute behinderte, zu schweigen von normalen Menschen.

Zwei Beispiele, an denen diese Komplexität aufschien:

Das Absorptionsverhalten der beiden wichtigsten Spurengase Wasserdampf und Kohlendioxid ist nicht etwa in jeder Höhenschicht gleich. Nicht nur ändert sich die Wasserdampfkonzentration, auch die Breite der Absorptionslinien ändert sich mit dem Druck stark. Dies hat zur Folge, dass in der unteren Atmosphäre die Infrarotabsorption praktisch vollständig durch den Wasserdampf dominiert ist, in höheren Schichten aber, dadurch, dass dessen Absorptionslinien immer schmaler werden, das Kohlendioxid mehr und mehr Anteile übernimmt. Als Effekt davon musste man die Gesamtabsorption für jede Höhenschicht extra berechnen, was erst mit den ersten Computern überhaupt mit vertretbarem Aufwand realisierbar wurde.

Das zweite Beispiel ist die Aufnahmerate von Kohlendioxid im Meerwasser, die schlicht unbekannt war. Erste Berechnungen, die Meerwasser einfach als Salzwasser modellierten, lieferten Ergebnisse, die um den Faktor 10 zu günstig waren. Es dauerte Jahre, bis sich die Erkenntnis in der wissenschaftlichen Gemeinschaft durchsetzte, dass die übrigen Bestandteile des Meerwassers – obwohl in der Konzentration niedrig – die Kohlendioxid-Absorptionsrate im Meerwasser durch einen Puffereffekt massiv herabsetzen – und so bewirken, dass die Emissionen des Menschen überhaupt zu einem nennenswerten Anstieg der CO2-Konzentration in der Atmosphäre führten.

Eine Besonderheit der Klimadebatte ist, dass jeder Hinz und Kunz meint, dort mitreden zu können. Wenn man sich die entsprechenden Kommentare, die oft von selbstgefälliger Boshaftigkeit strotzen, durchliest, fällt auf, dass diese Leute immer wieder einzelne Teilaspekte des Gesamtbildes, die in einzelnen von tausenden von Veröffentlichungen problematisiert werden, herausgreifen und damit das ganze Gebäude der Erkenntnisse zum Einsturz zu bringen glauben. Was ihnen nicht auffällt ist, dass sie damit nichts weiter als elende Stümperei betreiben.

Der Impuls, der dahinter steht, ist durchaus menschlich und verständlich: man will sich von niemandem, auch nicht von den Eierköpfen (wie der Ami sagt) , seine Lebensweise diktieren lassen. Es ist schon eine verdrießliche Sache, das. Verantwortung und Verzicht drücken halt auf die Stimmung.

Noch etwas interessantes: Bereits die ersten Abschätzungen für die zu erwartende Temperaturerhöhung liefern Zahlenwerte, die nicht so sehr verschieden sind von den heutigen, die durch unvorstellbar komplexe Modelle errechnet wurden. Das finde ich bemerkenswert. Anscheinend gleichen sich alle in der Zwischenzeit hinzugenommenen Informationen sich in ihrer Wirkung etwa aus.

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