Das Wunder der Musik sehen

Eine Spielerei. Eine von Beethovens Klaviersonaten laufen lassen und das Spektrogramm anschauen. Von rechts schieben sich weißliche Linien in das Bildschirmfenster, in denen man wundersamerweise die Akkorde und Läufe wiedererkennt, die man gerade gehört hat, und formen eine Textur, grazil, voller Regelmäßigkeit und Veränderung. Natürlich sieht man zu jedem Ton auch das Obertonspektrum, was es schwer macht, noch irgendetwas zu erkennen, wenn Akkorde angeschlagen werden. Deshalb ist es nicht zu empfehlen, so etwas mit Orchestermusik zu versuchen. Auch ist das sichtbare Obertonspektrum der tiefen Töne viel reichhaltiger, so dass diese die höheren Töne verwirren. Aber das feine Ton-Zeit-Gewebe der Komposition ist doch oft vor einem und man staunt, wie das so scheinbar selbstverständlich und mühelos sich entwickelt. Die senkrechten Linien sind vom Rhythmus gegeben, vom Komponisten und auch vom Interpreten geprägt. Dadurch, dass die Zeit in Fläche umgewandelt wird, hat man die Vergangenheit noch einige Sekunden sichtbar vor sich und kann die Figur als Ganze betrachten und schnell noch ein paar mal nachvollziehen, wenn man möchte. Eine komplexe Skipiste, die man gerade heruntergefahren ist.

spektrogramm beethoven klaviersonate 23 3 ausschnitt

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