Städtische Erinnerungen

48 Stunden Neukölln, das sind 48 Stunden Kunst, die bewacht sein will.

Damit kann man auch sein Geld verdienen, zumindest etwas. Die langen Stunden regten mich zur Reflexion an:

Kunst heute, das sind Träume, die mit viel Schweiß erarbeitet wurden. Nicht die Art von Träumen wie die von “Star Wars”, von der “Herr der Ringe”-Verfilmung oder “Avatar”, auch nicht die, die von Reiseprospekten oder Autowerbung angeregt werden, mehr die Art, wie sie jedem von uns nachts kommen, nur dass sie nicht flüchtig sind und nicht mehr nur individuell. Sie ist ein öffentliches Träumen, ein gesellschaftliches Träumen, in dem unbewusste und bewusste Verarbeitungsprozesse angeregt werden.

Kunst heute ist Verfremdung von Bekanntem, oder doch Banalem, Zusammenfassung von Ähnlichem und Unähnlichem wie die von Objekten und damit assoziierten Geschichten. Die Bearbeitung eines Themas wie “Erinnerungen”, mit dem jeder zu tun hat durch traumähnliches Assoziieren. Träume sind eine besondere Form von Erinnerungen.

Moderne reproduktive Vermittlungstechnik (“Medium”) wird viel verwendet: computermodifizierte Drucke, CDs, Videos, MP3-Abspieler, die an sich höchst unromantisch, höchst schematisch ist und das Vermittelte mit einem Eishauch überzieht.

Diese Kunst ist Kontemplation, nicht Aktion. Im Träumen ist sie für den Betrachter – nicht für den Erschaffer, für den sie harte Arbeit ist – Befreiung von der Arbeit. Sie ist ein Traum, der nicht aus einem kommt, wohl aber sich verbindet mit Dingen, die aus einem kommen, quasi einen Kristallisationskern für sie bietet. Wie der Traum ist auch diese Kunst mehrdeutig, spielhafte Verknüpfung von Formen; wie beim Traum gewinnt man Erkenntnis erst durch die Reflexion über sie.

Kunst, das ist hier auch Begegnungsraum. Staunen, sich wundern, beurteilen, aber nicht ganz allein, sondern in Gegenwart von Anderen, mit denen zusammen man im Gegenüber des Seltsamen, des Hervorgehobenen, für einen Moment zur Gruppe wird, zu einer Gemeinschaft nicht der sich- gegenseitig-Anschauenden, sondern der etwas-Außenstehendes- Betrachtenden. Aber auch im Hof sitzen, trinken und plaudern in der milden Abendluft.

Die Bewacher sind in der Nacht unter sich, allein mit der Kunst, die für sie zu Einrichtungsgegenständen ihres Nachtquartiers wird. Sie füllen die Zeit mit Gesprächen und Spielen, eine Zufallsgemeinschaft auf Zeit, wie in einem psychologischen Experiment zusammengewürfelt, die unterschiedlichsten Charaktere, freundlich sich abtastend, mehr oder weniger sympathisierend, mehr oder weniger relative Nähe erlaubend. Jedoch keiner ein etablierter Erfolgsmensch.

 

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Vitrine mit Bildern aus der “Trommel”, eines alten Neuköllner Schwulenlokals

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geliehene Mäntel mit deren Erinnerungen auf CD-Abspieler zu hören

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Tanzperformance aus statischen Bildern

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Die Bewachung im Zwielicht des frühen Morgens

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