Klimalektüre: 4 Grad und was ist mit dem Wasser?

Es gibt ja dieses 2-Grad–Ziel, d.h. die Begrenzung der Erhöhung der globalen Mitteltemperatur auf 2 Grad Celsius. Ihm ist unter tatkräftiger Mithilfe von unserer Frau Merkel der Rang eines Weltziels zugefallen. Wer die Dinge ein wenig verfolgt, dem ist seit einiger Zeit klar, dass es nur ein frommer Wunsch ist, eine kleine Motivationshilfe, nicht mehr. (Der Klimaverhandlungsführer der USA, Todd Stern, sagt das auch, mit anderen Worten, hier.) Wahrscheinlich war es das schon von Anfang an. Die Folgen der Erwärmung liegen einfach zu weit in der Zukunft und sind zu ungreifbar und die Kosten für ihre Vermeidung sind sofort da und sehr greifbar – das ist eine sehr ungünstige Konstellation für menschliche Motivation.

Also wir steuern mehr in Richtung 4 Grad Erhöhung, die unsere Enkel, so wir welche haben, genießen können. Das wird sicher recht spannend für sie. Aber sie werden es gewohnt sein. (Siehe z.B. hier.)

Was ich mich daran am meisten interessiert, ist die Nahrungsmittelsituation und als deren wichtigste Voraussetzung die Wassersituation. Deren Hauptkenngröße ist die jährliche Niederschlagsmenge. Und dafür gibt es mittlerweile Ergebnisse aus Simulationsrechnungen, die Aussagen über deren raumzeitliche Verteilung erlauben. (Dies sind natürlich, wie alle wissenschaftlichen Aussagen, Wahrscheinlichkeitsaussagen.)

water runoff and stress index 4 deg Die Grafik bezieht sich auf 4 °C Erwärmung gegenüber dem vorindustriellen Niveau und zeigt die Differenzen.

Durch die Erwärmung nimmt die Menge des Wassers im Wasserkreislauf zu. Es gibt also in der Summe mehr Niederschläge. Dennoch kommt es Gebietsweise zu einer Verringerung der Niederschläge, zu einer Erhöhung in anderen.

Gut ist die Erwartung im Norden Kanadas und in Sibirien und interessanterweise auch in der östlichen Sahara, Ostafrika, der arabischen Pakistan, West-Indien und Argentinien. Neutral bleiben Ostindien und China. Damit ist zumindest für einige große Bevölkerungsballungen der Welt die Befürchtung von Hungersnöten durch Wassermangel verringert. Mitteleuropa und die USA haben leichte Verschlechterungen hinzunehmen, Brasilien deutliche, aber von einem hohen Niveau aus, das wird man hinkriegen. Südeuropa könnte Probleme kriegen, ebenso wie Westafrika.

Wasserknappheit ist aber nicht nur durch die Niederschlagsmenge bestimmt, sondern auch durch die Bevölkerungsdichte. Dies wird im water stress index abgebildet, und hier fließt natürlich das erwartete Bevölkerungswachstum mit ein. Hier sind die Brennpunkte Brasilien, das zentrale Afrika und Südeuropa.

Ebenso wichtig wie das langjährige Mittel ist vielleicht die Wahrscheinlichkeit von ein- oder mehrjährigen Dürreperioden, und hier sieht das Bild etwas anders aus. (Quelle, die gleiche Grafik hatte ich bereits hier gepostet.)

drought probability 2060-2069 Der Unterschied zum vorigen Bild liegt vor allen Dingen in Zentralamerika und den USA, die beide sehr dürregefährdet werden, und China, das mit einer mittleren Häufigkeit von Dürren umgehen muss. Auffallend hier die Gefährdung des gesamten Mittelmeerraums bis hinauf nach Frankreich!

Facit: Die Ernährungssituation für unsere Nachkkommen wird kritischer, aber nicht unbewältigbar. Einschränkungen und die Notwendigkeit internationalen Ausgleichs sind sehr wahrscheinlich. Immerhin etwas. Billig wird das nicht. In der Größenordnung von 1 Billiarde € (Quelle), das sind um die 100.000 € pro Erdenbürger. Aber das ist eine andere Geschichte und soll in einem anderen Post erzählt werden.

Im übrigen meine ich, dass wir die Zertifikatpflicht auf die gesamten Treibhausgas-Emissionen in der EU ausdehnen müssen.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s