Die spanische Krise – eine Überproduktionskrise

Ich sah hier eine BBC-Dokumentation über die spanische Wirtschaftskrise, die sich für den Interessierten wirklich lohnt anzusehen.

Deren Kernaussage ist, dass sie unabhängig vom US – Credit Crunch und den Griechenland-, Portugal- und Irlandkrisen war. Sie wurde verursacht von spanischen Investoren, in trauter Eintracht mit Banken und Lokalpolitikern durch ununterbrochenen Bau von Häusern, die dann keine Kunden fanden.

Ihre beiden Kernbegriffe lauten Information und Motivation.

Information

Für einen außenstehenden Beobachter hätte es deutlich werden können, dass die Menge an neugebautem Wohnraum – gegen Ende das Dreifache des Durchschnittswerts – keine Abnehmer zu den veranschlagten Preisen finden konnte. Aber die lokalen Entscheider hatten – oder nutzten – diese Information nicht. Sie drang nicht durch.

So vorbildlich wie sich die spanische Zentralregierung bei ihrer eigenen Schuldenaufnahme auch verhalten hat, sie hat die gefährliche Marktentwicklung nicht begriffen. Dies wird dadurch belegt, dass sie sie noch vertiefte: Als die Immobilienpreise bereits stark gestiegen waren, wurde die Ausweisung von Bauland durch die Kommunen erleichtert und so der Fluss von Ressourcen in ein Feld gefördert, wo sie verloren gehen mussten.

Motivation

Warum versteiften sich die Investoren – viele auch Privatleute – auf den massenhaften Bau und Kauf von Immobilien? Weil alle es taten. Herdentrieb und lineare Extrapolation des bisherigen Geschehens in die Zukunft. Es schien ein einfacher und bekannter Weg zu sein – bekannt deshalb, weil wegen des Tourismus die Bauindustrie seit den 50er Jahren zu einem Hauptbestandteil der Wirtschaft geworden war. Der Blick war sozusagen auf Immobilien eingeengt. Anfangs waren die Preise niedrig im Verhältnis zum Zins und in die Immobilie zu gehen war wirtschaftlich. Dieses Verhalten entwickelte aber eine seltsame Eigenstabilität; es hielt noch an, als die wirtschaftliche Motivation durch den stark gestiegenen Immobilienpreis bereits verschwunden war.

Was aber war die Motivation der Banken, den Investoren all das Geld zu geben? Diese Banken waren oft kleine lokale Sparkassen ohne jede Überwachung von höhergeordneter Stelle. Sie gaben die Kredite zu günstigen Konditionen und ohne den Blick auf die Gesamtsituation der Branche. In ihren Aufsichtsräten saßen Unternehmer und Politiker, die persönliche Interessen hatten: billige Kredite und Aufträge zu bekommen bzw. durch Ankurbelung der lokalen Wirtschaft die Wähler kurzfristig zufrieden zu stellen.

Blasen

Für viele ist Spanien das Beispiel einer geplatzten Immobilienblase. Was ist eine Blase? Die Nachfrage nach einem langlebigen Gut wie Immobilien besteht aus zwei Motivationskomponenten: der Nachfrage nach dem Gut (Haus, Wohnung) und der Spekulation auf die Preisentwicklung dieses Gutes. Ein Blase ist ein Preisniveau, bei der die zweite Komponente die Überwiegende ist. In Spanien war das nicht der Fall. Deshalb ist, was dort passierte, auch weniger eine geplatzte Blase, als eine altmodische Überproduktionskrise im Marxschen Sinne.

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