Feedbacks, Feedbacks, schrecklich, schrecklich

Es gibt ja das bekannte Eisalbedo-Feedback. Albedo ist ein anderer Name für den Anteil des Sonnenlichts, der ins All hinaus reflektiert wird. Das Albedo von Eis ist deutlich größer als das der Meeresoberfläche. Wenn die Sommereisfläche verschwindet, was in vollem Gange ist, absorbiert die Polarregion mehr von der Sonnenstrahlung, die auf sie fällt. Ergebnis: die Erderwärmung wird beschleunigt und die Erwärmung der Polarregionen fällt überproportional aus.

In letzter Zeit ist jedoch ein weiterer, ebenso großer Feedbackmechanismus ins Blickfeld geraten: die Schneebedeckung im Sommerhalbjahr auf dem Land. Diese ist mit der Erwärmung der Polarregion (natürlich) ebenfalls zurückgegangen (siehe Grafik, Quelle hier)

june snow cover

Es ist interessant, die betroffenen Flächen zu vergleichen:

 

1980 ca.

2012 ca.

Eisfläche (Mio. km²)

5,5

2,5

Schneefläche (Mio. km²)

10

5

Man sieht, dass der Flächenverlust des Sommerschnees das 1,7fache dessen des Sommereises ausmacht.

Wie so oft sind die Verhältnisse jedoch komplexer als es zuerst scheint.

  • Die Schneedaten sind “Extent”-Daten, d.h. sie enthalten 10 – 15 % unbeschneite Flächenanteile.
  • Das Albedo von Landfläche ist größer als das von Wasserfläche (0,2 bzw. 0,1, siehe hier). 
  • Anders als intuitiv erwartet ist im Hochsommer die Sonneneinstrahlung um den 60. Breitengrad, wo die Schneeschmelze stattfindet, geringer als auf dem Nordpolarmeer. (Siehe hier.)
  • Die Daten für andere Monate als Juni sind nicht hier nicht veröffentlicht worden und könnten weniger krass aussehen.

Andererseits ist die Wärmeaufnahmefähigkeit der Landfläche geringer als die des Meeres. Die zusätzliche Wärme wird schneller an die Atmosphäre abgegeben, anstatt im Wasser zu verschwinden.

Facit aus all dem: Der Rückgang der Schnee- und der Eisfläche haben vergleichbare Klimafeedbackeffekte.

Ist das etwas Neues?

Für die Wissenschaft nicht, wenn man vom Ausmaß absieht. Der Umfang des sommerlichen Schneerückgangs kam AFAIK ebenso unerwartet ist wie der des Eisflächenrückgangs. Für die interessierte Öffentlichkeit schon, denn dieser Aspekt ist bisher kaum irgendwo aufgetaucht.

Gibt es Wirkungen zusätzlich zur allgemeinen Erwärmung der Erdoberfläche?

Ja, ebenso wie beim Meereisrückgang wird wahrscheinlich das Wettersystem beeinflusst, d.h. die Stärke, Lage und Veränderungsweise der Tief- und Hochdrucksysteme. Aber das Wissen dazu ist noch nicht gefestigt.

Welche Bedeutung hat diese Information für unser tägliches Leben?

So gut wie keine, außer dass sie das Gefühl der Dringlichkeit erhöht, den Klimawandel zu bremsen.

Was wäre gut? Ein umfassendes Emissionszertifikatesystem installieren…

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