Sind Menschen, die für wenig Geld arbeiten, wirklich Helden?

In der veröffentlichten Meinung wird immer wieder über Menschen berichtet, die für sehr wenig Geld arbeiten, kaum über Hartz-4-Satz hinauskommen. Sie tun dies aus dem Bedürfnis, nützlich zu sein, aus Ehrgefühl heraus, oder weil ihnen sonst die Decke auf den Kopf fällt. Das ist alles o.k. im Unterton spürt man eine Mischung aus Mitleid und Achtung, auch, froh zu sein, nicht in diesem Dilemma zu stecken.

Für die meisten der in den Medien auftauchenden Wirtschaftswissenschaftler, gewöhnlicherweise mit fetten Salären versehen, sind sie die idealen Arbeiter, willig und aktiv, dafür sorgend dass der Laden effizient läuft.

Es gibt aber noch eine weitere Sichtweise: sie ruinieren ihresgleichen die Preise. Sie geben den Arbeitsplatzgebern das falsche Signal, nämlich, dass Löhne beliebig niedrig werden können. Das Gleiche gilt für die Kunden, die diese Arbeit abnehmen, z.B. eine Frisur oder eine Raumreinigung für einen Spottpreis bekommen – sie gewöhnen sich daran und denken, das sei ihr gutes Recht. Sie haben eine ähnliche Funktion wie Streikbrecher.

Recht ist etwas, das ausgehandelt wird, und sie schwächen ihre eigene Verhandlungsposition und die Ihresgleichen.

Die Neoliberalen tun so, als seien die Marktpreise und die Lohnhöhen gottgegeben. Aber das sind sie nicht. Lohnhöhen sind nicht entstanden aus Angebot und Nachfrage! Jedenfalls nicht ausschließlich und nicht einmal vorwiegend. Es gibt eine gesellschaftliche Preisliste für Arbeit, in der steht, was ein Arbeitender pro Stunde ungefähr verdienen sollte, und die ganz klar durch Hierarchievorstellungen geprägt ist. Und diese Preisliste ist weitgehend unbewusst, und wird durch Gewohnheit und Sprechweisen transportiert. Und sie ist veränderbar!

Deshalb ist der staatsverordnete flächendeckende Mindestlohn eine gute Sache, obwohl es besser wäre, wenn die gering-Verdienenden ihn selbst durch ihre Halsstarrigkeit durchsetzen würden.

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