Russland im nationalistischen Rausch

“Der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem das kroch.” – diese Gedichtzeile wurde seinerzeit von Brecht auf etwas anderes gemünzt, das wir alle kennen, aber nun sehen wir es wieder: den triumphalen Genuss der eigenen Stärke und  – in Putins Fall – auch Männlichkeitsinszenierung. Die Russen auf den Aufnahmen der Annektionsunterzeichnung waren sichtlich glücklich. So wie die Idioten aller Zeiten mit stolzgeschwellter Brust glücklich über einen starken und – noch – erfolgreichen Führer waren, der den eigenen Ruhm mehrte.

In der Ukraine – und im Westen – die Mimik und Gestik von Geschlagenen, die sich auf den dünnen Steg völkerrechtlicher Erwägungen und hilfloser Sanktionen zurückgezogen haben, die bei den Russen den nationalistischen Rausch doch nur verstärken. Niemand, der ihn beim Namen nennt, obwohl gerade dieser Ebenenwechsel dringend nötig wäre.

Wer die Spielregeln zuerst bricht und dadurch gewinnt, demütigt den Mitspieler, der ihm das nie verzeihen wird. Er setzt ihn vor die Alternative, das Tor zur Hölle noch weiter aufzustoßen, oder unbefriedigt zu bleiben.

Das ist das eigentliche Verbrechen – nicht, eine Rechtsregelung umzustoßen, sondern den Andern das Gesicht verlieren zu lassen, und dadurch Hass zu säen. Das Problem ist nicht ein rechtliches, es ist ein zwischenmenschliches.

Die Lösung ist, den nationalistischen Rausch beim Namen zu nennen und zu verlachen, als Rückfall in vorzivilisatorische Zeiten.

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