Mit W. G. Sebald von Limone sul Garda nach Mailand

Las W.G. Sebald, „Schwindelgefühle“.

Vergnüglich, wie er mit naiv wirkender Unverfrorenheit von seinen Erlebnissen auf Reisen berichtet, so als sei alles, auch das kleinste Detail, unbedingt berichtenswert. Er ist dabei nicht von dieser Welt, überall Gast, Beobachter, Reisender eben, ohne Zorn, ohne ein drängenderes Ziel, als die Zeit um 1913 durch die Lektüre Veroneser Zeitungen dieses Jahres zu verstehen. Beneidenswert.

Er verbreitet einen geschwätzigen Nebel, aber dabei nicht unsympathisch. Immer wieder sieht er Skurriles, oder die Phantasie geht mit ihm durch und bricht heraus in Satire. Man steht sozusagen davor und weiß nicht, ob man mehr belustigt sein soll oder mehr mit fallengelassener Kinnlade staunen soll, was für Sorgen der Mann hat.

Er genießt es dabei, altertümliche oder abseitige Wörter zu benutzen, so wie zum Beispiel „Weichbild“, das „Weichbild Mailands“ erscheint im Zugfenster. Ich konnte es nicht lassen, das nachzuschlagen (hier): „Weich“ heißt Dorf, Ansiedlung (vicus, Weiher u.s.w.) und „Bild“ Recht (engl. bill, Bulle, billig). Also „Rechtsgebiet“ im Sinne von „Gebiet mit Stadtrecht“, dann nur noch gebraucht als „Stadtgebiet“. Wer hätte das gedacht?

Immer wieder das genau dokumentierte Detail, dessen Nutzlosigkeit durch die Genauigkeit seiner Dokumentation aufgewogen wird, nicht zu fassen.

Das geht quer zu jeder Erwartungshaltung.

Und dann nennt er den Espresso „Express“. Das werde ich übernehmen. Das ist gut.

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