Die blaue Linie

Die blaue Linie ist die Spur des Füllers, die sich über Seite und Seite windet, und in dem Tagebuch getreulich Wort auf Wort, Gedanke auf Gedanke codiert, Ausdruck des Gescheh’nen, Ausdruck dessen, was mich bewegte, Kondensat und Echo des Lebens.

Obwohl ich weiß, wie vergeblich das Bemühen um sie ist, und wieviel dumme Eitelkeit in ihr steckt, kann ich doch nicht von ihr lassen. Wenn ich sie weiterführe, weiterzeichne, weitermale beruhige ich mich. Die diffusen Eindrücke des  Erlebten schärfen sich – manchmal auch zu sehr – und ich führe den Tag über das Gehäuse der Ideen mit mir wie ein unsichtbares Schneckenhaus, das mir Rast verspricht, aber auch eine Art Reichtum.

Fast nie bin ich mit meiner Schrift zufrieden, fast immer ist sie mir zu krakelig, oder zu schülerhaft, oder, oder… Jedoch freut es mich und schmeichelt mir, wenn es mir gelang, eine Unterscheidung treffend und poetisch zu fassen – fast ist es, als ob ich Dinge damit abschließe, vervollständige.

Ich weiß nicht, wie lange ich diese Gewohnheit noch durchhhalte, die ich öfter als eine Schlechte ansehe. Aber so lange ich dabei bleibe, wird sie mir ein stiller, sehr privater Genuss bleiben, der zu mir gehört und mein Leben vertieft.

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