Europa und das tägliche Leben

diem25-websiteEuropa bedeutet für mich  – auf der Ebene meines täglichen Lebens – kaum etwas. Jedenfalls scheint es so. Aber dann sehe ich meine spanische Mitbewohnerin, und mir wird klar, wie deutlich der Prozess des Zusammenfügens voranschreitet, und wie positiv die politische Institution Europa sich hier ausgewirkt hat.

Aber Europa bedeutet für mich auf der Ebene des Politischen etwas Begeisterndes. Eine Familie mit sehr verschiedenen Mitgliedern, die dennoch eine Familie sind. Und ich wünsche uns, dass es ein europäisches Handeln gebe, das über den kleinsten gemeinsamen Nenner der Meinungen der 28 Staatschefs hinausgehe, die ihrerseits mehreren Dutzend nationaler politischer Parteien verantwortlich sind.

Der Guardian hat jetzt eine Artikelserie über Europa gestartet, die einen Überblick über viele verschiedene Aspekte des Annäherungsprozesses ermöglichen soll. In einem der ersten Artikel darin geht es um die Ungleichheit der Einkommen: Europa ist die Weltgegend mit den geringsten Einkommensunterschieden. 1)

Die Existenz multinationaler Konzerne erzwingt supranationale politische Organe. Das ist ja wohl trivial.

Das europäische politische System ist nicht undemokratisch, aber es beruht auf den Nationen und ihren Interessen, die ausgehandelt werden müssen – und nicht auf dem europäischen Bürger, der zufällig in dieser oder jener Nation lebt. Dieses andere Denken entwickelt sich langsam und das finde ich gut.

Eine neue, linke, europäische Partei hat sich vor kurzem gegründet, das DiEM25 (Democracy in Europe – Movement 2025). Das berührt mich. Sie haben ein „Manifesto“ geschrieben, das wohl nicht zufällig an jenes andere Manifest erinnern soll, das 1848 erschienen ist. Sie hatte ihre Gründungsversammlung in der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz in Berlin!! Lustig, nicht. Und Workshops in Räumen der TU, meiner Alma Mater.

Ich bin noch unschlüssig, ob ich mich dort engagieren werde, aber ich werde die Sache auf jeden Fall auf dem Schirm behalten.

1) Skandinavien ist führend, Frankreich und Deutschland fast gleich und Spanien, Griechenland in Europa am ungleichsten. Mexico, USA, Türkei, Chile weltweit unter den OECD-Ländern (Quelle).