Hararis Geschichte: Der Mensch als Dummkopf und Schlächter

Yuval Noah Hararis „Kurze Geschichte der Menschheit“ liest sich gut. Temporeich und konzise entwirft er ein Bild unserer Art, dabei die wesentlichen Züge und Antriebskräfte geschichtlicher Prozesse herausarbeitend, wie sie sich ihm darstellen. Er verwendet dafür eine Vogelperspektive: wie würde eine außerirdische Kultur unsere Entwicklung wohl skizzieren?

Beispiel Agrarifizierung. Er sieht den Menschen als Döspaddel, der sich vom Weizen hat domestizieren lassen. Durch die landwirtschaftliche Revolution nahm nämlich die Lebensqualität des einzelnen Menschen ab: er musste mehr schuften, die Nahrung wurde eintöniger und ungesünder, die Abhängigkeit von einer Hauptnahrungsquelle und die Gefährdung durch Hungersnöte größer. Die allgemeine Ernährungslage besserte sich wegen des Malthusschen Prinzips nicht. Im Gegenzug nahm allerdings die Besiedlungsdichte erheblich zu, weshalb die Jäger und Sammler schließlich verdrängt wurden. 

Immer wieder taucht die manifeste Brutalität der frühen Menschen auf: wahrscheinlich starben 10 bis 20 % der männlichen Bevölkerung gewaltsam durch andere Männer, so wie es heute noch in vielen primitiven Kulturen der Fall ist. Durch die Zivilisation leben wir in einem Paradies, in dem das genetisch bedingte Gewaltpotential der Männer extrem eingedämmt ist. 

Ein anderes Faktum: sobald die Menschheit ein Gebiet neu besiedelt hatte, setzte ein unvergleichliches Artensterben ein: 50 – 70 % der größeren Tierarten starben aus. Der Mensch ist sozusagen eine aggressive invasive Art, die die Ökologie jedes neuen Lebensraums komplett ruiniert hat. Artenschutz ist eine sehr sehr junge Erscheinung – auch eine jüngere Folge der Zivilisation, die durch Wissenssammlung und -Kondensation erstmals einen geschichtlichen und übergreifenden Blick auf uns und unsere Umgebung entwickelt hat, der vorherigen Zeitaltern unmöglich war. 

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