Eine Miniatur aus dem 6. Stock

Sah über I.’s Schulter den Ersten der beiden Brechtfilme auf Arte auf dem iPad. Die jungen Schauspieler von heute treffen den Ernst der realen Menschen von damals nicht, soviel Mühe sie sich auch geben. Man ist viel zu verbindlich dafür, zu zart. Ich verstand eine Menge durch diesen Film: die Stücke in ihrem Kontext der Zeit, wie die Beggar‘s Opera („Die bürgerliche Lebensform der Verbrecher – und die verbrecherische Lebensform der Bürger.“) Und im Kontext der kommunistischen Weltsicht Brechts („ Die Aneignung des Mehrwerts durch den Kapitalisten ist das erste Verbrechen, aus dem alle Anderen folgen.“) Die schöne junge Sekretärin Elizabeth „Bess“ (Hauptmann) setzt sich eifrig zum Diktat. Der ebenfalls junge Meister spielt Klavier, ebenso wie sie. Man engagiert Weill, der schwungvoll und gerade schräg genug komponiert. Junge Menschen bauen ihr Leben auf, so gut sie können. Mit Helenen und 2 ½ Kindern in Haus am Ammersee, man hat inzwischen Geld. Er weiß genau was er tut. Ein Ausnahmemensch und als solcher für mich lebensgefährlich – auf der Stelle zu erschießen. Dann die Menschen („in sinnloser Begeisterung“) auf den nächtlichen Straßen Berlins, es ist der 30. Januar 1933.

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