Über das Mehrdeutige

Etwas Uneindeutiges, das wir intuitiv als wertvoll ansehen, nennen wir „mehrdeutig“, während dasselbe, wenn wir es für wertlos erachten, „beliebig“ genannt wird.

Das Mehrdeutige hat eine wichtige Position im menschlichen Leben, neben den klaren, eindeutigen Dingen. Alle großen Themen sind mehrdeutig. Ich erkenne seinen Wert an einem gewissen Gefühl der Tiefe. Träume sind mehrdeutig, Kunstwerke sind mehrdeutig, Narrative sind mehrdeutig.

Im Traumerleben werden Geistesinhalte anscheinend absichtslos und ohne Beachtung des Realitätswissens in Beziehung miteinander gesetzt, ähnlich wie sich Atome und Moleküle ohne übergreifenden Sinn miteinander verbinden. Dennoch lassen sich die Traumbilder als Metaphern für Lebensthemen interpretieren, die teils satirisch übertreiben, teils innere Wahrheiten über den Umweg von Sprachbildern enthalten können.

In etwas Uneindeutiges Sinn hineinzusehen ist ein Selbstorganisationsprozess des Geistes. Sinn heißt in dem Falle immer: Sinn für uns, in unserer gegenwärtigen Situation. Das produktive Mehrdeutige schafft größere Klarheit auf einer tieferen, schwer verbal zu beschreibenden Ebene. Beim bloß Beliebigen fehlt das. Die Klarheit auf der tieferen Ebene ist letztlich Handlungsleitung, Orientierung und damit Weltwissen.

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