Handeln im Kausalitätsgewebe der Welt

Auf dem nächtlichen, frösteligen Heimweg versuchte ich wahrzunehmen, wie jeder Schritt sich aus den fast unendlich in der Welt, zu der auch wir selbst gehören, verdünnten Ursachen, die bereits vorhanden sind, herauskondensiert und ins Bewusstsein tritt. Auch das Schreiben dieses Textes war schon im Hintergrund vorhanden und ist nur eben gerade vor das Auge gekommen.

Wir gehen nicht einfach vor in einer unbekannten Welt, sondern unser zukünftiges Selbst ist bereits jetzt in der Welt enthalten, in tausend und tausend Dingen und Zusammenhängen, deren Kausalgewebe schließlich zu den Handlungen und den Entschlüssen führt, auf die wir stolz oder nicht so stolz sind.

Lob und Tadel sind in diesem Kontext Interventionen, die nachträglich Verhalten verstärken oder schwächen sollen. Verantwortung ist eine Intervention, die den Geist auf die Wahrnehmung der Folgen – oft nur bestimmter Folgen – unseres Handelns hinlenken soll. Und diese Interventionen sind selbst ebenfalls im Gewebe der Welt enthalten und entfalten sich im Zusammenhang mit unseren Handlungen.

Hilft solches Denken reale Probleme zu lösen? Ist doch das im Gewebe der Welt Eingewebte uns prinzipiell nicht zugänglich – wir wissen nur, dass es da ist. Ich weiß es nicht. Ich weiß nur, dass es bei mir eine eigentümliche Belustigung und gewisse temporäre Ruhe des Geistes bewirkt. Man kann auch eine Technik daraus machen: die Entscheidungen sich aus dem Gewebe der Welt, genauer: was davon in unserem Geist repräsentiert wird, entwickeln sehen, entwickeln lassen – und erst danach dazu stehen.

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