Hinter dem Alpenhauptkamm

Brixen

In den grün bewaldeten Bergflanken hängen Nebelfetzen. Der Himmel weiß, grau meliert. Der Zug gleitet dahin – ein Rauschen, ein Summen, gelegentlich ein Grollen. Elegante Kurven. Leicht und souverän. Die blauen Kopfpolster an der Abteilwand sind angeordnet wie Noten – ein dreitöniges Thema. Tunnel, Galerien durchfahren wir.

Berlin verschwindet langsam hinter dem Alpenhauptkamm. Ich werde zum autonomen Raumschiff. Mein Treibstoff ist das Geld, das aufgelaufen ist.

Bozen

Das Tal weitet sich, jedoch bleibt sein Rand steil. Trient noch, dann kommt schon der Alpenrand. Noch weiter wird das Tal, es ist ganz eben. Wein, Gewächshäuser, Solarfarmen. Sonne kommt jetzt durch; die Wolken hängen an der Nordseite. Es geht bald auf den Abend, die Sonne scheint tief ins Abteil. Verstreut Häuser. Die hellen großen Quader der Werksgebäude. Etwas türkises Blau nun, oben. Rechts öffnet sich die Felsenwand für ein Tal, das sich nach hinten wegzieht, vielleicht sogar den Blick auf einen Gipfel leitet – das ist so köstlich! Weiße Wolkenebenen umschweben einen fernen spitzen Berg. Hier wandern- wandern! Augenzucker.

Trient

Das Tal reißt gänzlich auf, die Randberge jedoch weiterhin steil, was durch den Verkürzungseffekt der Ferne noch extremer wirkt.

Das Italiengefühl kommt langsam.

Rückenwind biegt alle Zweige in meine Fahrtrichtung.

Po-Ebene

Graue Wolken dräuen darüber, teils wild. Felder und Wiesen, durch kleine Gruppen oder Reihen von Bäumen getrennt, einzelne Gehöfte, kleine Orte mit flachwinkligen Dächern, gelb-weiße Bahnhofsgebäude, gelegentlich kleine Strommasten. Es dunkelt; langsam wird jedes Ding grauer. Schließlich werden die Büsche schwarz.

Der Po

Die vorbeirasenden Brückenstreben lassen das Bild flirren. Der Fluss ist nicht sehr breit hier, ein grau glänzendes Band, umsäumt von Büschen. Regen tickert auf’s Waggondach. Ich ziehe wegen der nun spürbaren südlichen Wärme den Pulli aus.

Fünf Minuten vor Bologna setzen drei lange Blitze ihre orangenen, erratischen Ausrufezeichen vor die Wolken.

Die Lichter der Straßenlampen, der Autos, der Häuser beginnen, Geborgenheit zu versprechen.

Bologna

Den Bahnhof kenne ich ja nun schon. Diesmal muss ich jedoch nach Norden hinaus zum Hostel. Ein freundlicher Bologneser Bürger weist mir den Weg.

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