Der Traum des Orchester-Wesens

Ich nun wirklich kein Musikkenner. Hörte mir ein Stück von Gustav Mahler an. Mit einem Mal kam es mir vor, als würde ich das Orchester als ein einziges fremdes Wesen ansehen, das träumt, oder einem anderen Wesen etwas erzählt – berührend, dramatisch, von seinen Hoffnungen, seinem Schrecken, seiner Trauer, seinen Triumphen, seiner Liebe. Das war eine neue und schöne Erfahrungsweise.

Dann sah ich die Musik wie die Schaumkrone einer Welle, die durch einen hindurchgeht und dabei Gedächtnis- und Empfindungsspuren hinterlässt. Spätere Musik trifft auf das, was die Frühere als Wirkung ausgelöst hat und noch in uns schwebt.

Dann sah ich fern. Beim Fernsehen sieht man Leuten zu, die einen selbst nicht sehen können. Schnitt folgt auf Schnitt, untermalt von Musik. Wieder dachte ich, ich wohnte dem Traum des Fernsehers bei, einer verrückten Verarbeitung vergangener Eindrücke.

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