„Atlantifizierung“ des Polarmeeres – ein weiteres positives Feedback des Klimawandels?

MOSAICS „Ocean City“ in der Polarnacht. Foto: Daisy Dunne for Carbon Brief

Dieser PIQ ist ein Einblick in die Forschungsarbeit, die momentan auf dem Deutschen Forschungsschiff „Polarstern“ stattfindet, das sich im Rahmen des multinationalen Projekts MOSAIC in der polaren Eisdecke hat einfrieren lassen. 

Das Polarmeer unterscheidet sich vom Atlantik (bis jetzt) durch ein spezielles Tiefenprofil der Wassertemperatur und des Salzgehalts. Während in Letzterem das Wasser nach unten hin stetig kälter wird, ist im Polarmeer das Oberflächenwasser sehr kalt; es sinkt nicht nach unten, weil es wegen des geringeren Salzgehalts trotzdem leichter ist als das darunterliegende wärmere Wasser. 

Die Erklärung für diese Eigentümlichkeit liegt in der Eisdecke. Nachdem im Winter Meerwasser gefroren ist, verliert es nach und nach sein Salz. Dieses strömt als konzentrierte Sole unten heraus und sinkt in tiefere Wasserschichten. Das im Sommer schmelzende Eis verdünnt dann das Oberflächenwasser.

Auf diese Weise wird die polare Eisschicht gegen die (relative) Wärme der tieferen Wasserschichten geschützt. Wenn nun das polare Meereis weniger wird, wird auch die weniger konzentrierte kühle Wasserschicht an der Oberfläche dünner und empfindlicher gegen Vermischung mit dem wärmeren Tiefenwasser, was wiederum zu weniger Eis führen könnte. 

Dass eine länger eisfreie Wasserfläche mehr Vermischung durch Windeinfluss bedeutet und dass das hereinströmende atlantische Wasser langsam wärmer wird, ist dabei auch nicht hilfreich.

Dieser Prozess wird nach einem von dem russischen Forscher Igor Poljakow geprägten Term „Atlantifizierung“ genannt, der ihn in der Barentssee, also südöstlich von Spitzbergen, entdeckte.

(Bezieht sich auf diesen Artikel auf carbonbrief.org.)

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