Coronavirus: Aerosolübertragung oder nicht?

Schlierenoptische Aufnahme eines Gesprächs (Julian Tang et al.)

Es heißt überall: halte Abstand von deinem Nächsten, mal reicht ein Meter, dann sollen es besser zwei sein. Aber auch, wenn man nur mit einer infizierten Person im gleichen Raum war, ist man schon Kontaktperson Kategorie II – geringeres Infektionsrisiko

Die zentrale Frage, die in diesem Artikel auf wired.com behandelt wird, ist, ob SARS-CoV-2 durch Tröpfcheninfektion oder auch durch Aerosolinfektion (englischer Fachausdruck „airborne“) übertragen wird. Der Unterschied ist erheblich: „Tröpfchen“ sind definiert als Tröpfchen, die größer als 5 μm sind und innerhalb einiger Minuten zu Boden sinken, während Aerosoltröpfchen unbegrenzt schwebend bleiben und nahezu beliebig weit vom Luftstrom fortgeführt werden. 

Das Aerosol entsteht immer, wenn Luft schnell über eine flüssige Oberfläche streicht. Dies wird hier erklärt. Es passiert bei jedem Atemzug, so dass wir keineswegs Husten oder Niesen müssen, um Erreger um uns herum zu verbreiten.

Zunächst einmal wird in dem Artikel die scharfe Unterscheidung auseinandergenommen; auch Tröpfchen, die größer als 5 μm sind können bei entsprechender Luftbewegung Strecken zurücklegen, die wesentlich über den empfohlenen Meter hinausgehen. 

Auf einem wunderschönen Video sieht man die Luftbewegung zwischen zwei sich unterhaltenden Menschen, die nach der Schlierenmethode sichtbar gemacht wurde. Man erkennt den an den Körpern durch deren Wärme aufsteigenden Luftstrom. Dieser nimmt natürlich Tröpfchen mit, die dann irgendwo anders absinken. Dann sieht man die Luftschwälle, die beim Sprechen von jeder/jedem von uns ausgestoßen werden und gelegentlich unsere Gegenüber mit mikroskopischen Tröpfchen eindecken. 

Die Studien sind widersprüchlich. In der Luft von Krankenhauszimmern von SARS-CoV-2-Patienten wurde Viren-RNA mal nachgewiesen, mal nicht. 

Es gibt aber Hinweise, die den Verdacht einer Aerosolübertragung erhärten. 

In einer jungen, noch nicht peer-geprüften Studie wurde die Halbwertszeit der Zahl infektionsfähiger Viren in einem Aerosol zu 3 Stunden bestimmt. Aufgrund dieser Ergebnisse erwägt die WHO (Weltgesundheitsorganisation) die Schutzanforderungen für Pflegepersonal zu erhöhen. 

In einem Übersichtsartikel von 2019 wurde auf mehrere sorgfältig gemachte Studien verwiesen, die über Analyse der Luftströmung das Auftreten von Infektionsfällen erklären konnten. Das bezieht sich zwar auf SARS-CoV-1, aber deren Lebensdauer in der Luft entspricht gemäß der Studie weiter oben der von SARS-CoV-2; das Ergebnis ist also wahrscheinlich übertragbar.

Wenn wir einmal annehmen, dass es hier Aerosolübertragung gibt – was bedeutet das praktisch? 

Die Abstandsregel bleibt sicherlich bestehen, denn in der unmittelbaren Umgebung eines infizierten Menschen ist erhöhtem Virenaufkommen zu rechnen. 

In geschlossenen Räumen wird das Aerosol verteilt und verdünnt. Die Infektionswahrscheinlichkeit geht mit dem Produkt aus Konzentration und Zeit. Je länger eine virenverbreitende Person im Raum ist, desto höher steigt die Konzentration und zwar umso mehr, je kleiner der Raum ist. Also wären kleine Räume für das Zusammensein möglichst zu meiden.

Durch Lüften wird die Virenlast sofort gesenkt, aber nur merklich, wenn die gesamte Luft ausgetauscht wird (Zuglüftung). 

Aus der gleichen Überlegung heraus sollte ein Kontakt im Freien generell weniger kritisch sein als in geschlossenen Räumen.

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