Mauersegler

Im Park die Mauersegler: sie fetzen in haarsträubendem Tempo drei Handbreit über dem Rasen dahin, mit schnellem, doch grazilem Flügelschlag, alle paar Meter unerwartet die Richtung wechselnd. Mich sehen sie nur als Hindernis, dem sie im letzten Moment ausweichen. Sie grasen die Luft ab nach Insekten, die sie mit geöffnetem Schnabel wegsaugen. Die Insekten sind für uns Menschen unsichtbar, zu klein und zu weit weg, doch durch irgendeine Magie können die Mauersegler sie sehen.

Wenn ich sie beobachte, werde ich zu einem von ihnen, so wie ich zu einem Fußballspieler werde, wenn ich ein Spiel anschaue. Der Traum vom Fliegen. Ich spüre das leise Pfeifen der Luft an ihrem Gefieder. Ihr Geist muss sehr schnell sein, sie dürfen sich keine Fehler erlauben, wenn sie im kräftigen Wind dicht an den Giebeln und Traufen vorbeisausen.

Mauersegler sind für mich mit Berlin verbunden. Schon als Kind habe ich sie des Sommers über uns mit den Augen verfolgt. Sie schlafen kaum, verbringen alle Tage und die meisten Nächte in der Luft. In der Morgen- und Abenddämmerung sollen sie bis zu dreitausend Meter aufsteigen und wieder zur Erde zurücksegeln, den Grund kennt niemand.

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