Kohlekraft in Deutschland: wird sie’s überhaupt bis 2038 schaffen?

Diese Analyse auf bloomberg.com sagt im Wesentlichen, dass die Profitabilität der Kohle prekär ist. So prekär, dass nicht zu erwarten ist, dass sie wirklich bis 2038 durchhält. Im Übrigen sei es nicht wichtig, wie lange Kohle-Kraftwerkskapazität existiere, sondern wieviel Kohle darin tatsächlich verbrannt werde – und das werde immer weniger werden. Man werde vielleicht einige Kraftwerke für windarme Winterszeiten als Notreserve herumstehen haben, die würden aber übers Jahr gerechnet vergleichsweise wenig CO2 emittieren.

Interessant darin ist, dass zu aktuellen Zertifikat- und Strompreisen die Kohlekraftwerke bereits seit 2018 fast nur noch in der Verlustzone laufen. Der „Dark Spread“ , die Gewinnmarge pro Kilowattstunde, sei negativ. Dies habe aber, schreibt Fickling, einen geringen Effekt auf die wirkliche Profitabilität, weil sich die Energieversorger mit massenhaft billigen Zertifikaten und mittelfristigen Festpreis-Lieferverträgen eingedeckt hätten. So könnten sie noch einige Jahre Gewinne machen – und den Rest der Zeit zumindest keine Verluste.

Hier rächt sich bitter die viel zu großzügige Zertifikatevergabe besonders in der Anfangszeit des EU-ETS.

Nun gibt es im Gesetz eine Belohnung, wenn Gesellschaften Kraftwerke früher schließen. Irgendwann wird diese höher werden als der Gewinn, der mit dem Weiterbetrieb überhaupt noch zu erzielen ist.

Zwei Größen in dieser Rechnung sind hier wichtig:

Der Strompreis könnte ansteigen, wenn das letzte Atomkraftwerk abgeschaltet sein wird und die Stromnachfrage für all die neuen Elektroautos, Elektrowärmepumpen und die Industriedekarbonisierung anzieht. Hier hängt alles vom Ausbau von Solar und Wind ab – und da sieht es noch nicht so gut aus.

Der Preis für Emissionszertifikate könnte noch lange auf dem momentanen Niveau verharren, denn wir haben einen enormen Zertifikatüberschuss von 1,6 Mrd. Das ist eine komplette Jahresemission. Die nächstes Jahr anstehende Reform des EU-ETS will erfolgreich gestaltet werden – und das erfordert breite Informiertheit Diskussion darüber.

Dieser Text erschien auch auf piqd.de.

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