Klimawandel: zu Masse und Führung

Auf piqd.de erschien ein Beitrag, der letztlich auf Eric Holthaus: „The Future Earth“ hinweist. Das Buch handelt Perspektiven des Umgehens mit der Herausforderung des Klimawandels ab. Eine Überlegung zur Diskussion:

Ich finde

„Every single nonviolent movement to create political change that received active participation from at least 3.5 percent of the population succeeded. Every single one.“

das beste Zitat – auch wenn es nicht von Holthaus selbst ist, sondern von Erica Chenoweth.

Evolutionsgeschichtlich gesehen leben wir in einer Umbruchzeit, und zwar schon seit etwa 1945/50, als die Möglichkeit der Weltauslöschung durch mutually asserted nuclear destruction erstmals ein Denken für die ganze Welt erforderlich machte. Eine Vorläufererscheinung war der Völkerbund, das erste Welt-Forum. Dann kam das Ozonloch und das Welt-Verbot der FCKWe.

Die zugrundeliegende Entwicklung ist, dass die Menschheit so zahlreich und so erfolgreich geworden ist, dass es keinen Außenraum mehr gibt, der diesen Namen verdient: die gesamte Erde ist spürbar zum Bestandteil unseres gemeinsamen Haushalts geworden. Alle externe Kosten verschwinden, sie werden zu Internen. Das ist ein grundlegender Wandel der Weltsicht, der sich nie wieder umkehren wird (- es sei denn wir fallen durch eine Reihe von Katastrophen auf eine frühere Stufe der Entwicklung zurück).

Die Anforderung liegt noch höher: unsere Zeitperspektive muss Jahrzehnte und Jahrhunderte umfassen. Das ist vereinzelt geschichtlich schon vorgekommen, etwa bei langfristig angelegter Besiedlungspolitik oder in der Landwirtschaft bei der nachhaltigen Bewirtschaftung von Wäldern. Aber noch nie bezogen auf die ganze Erde.

Dieser Wandel ist noch nicht eingesickert. Unser Entscheidungsapparat ist noch nicht ganz mit der Entwicklung mitgekommen.

Wir sind Teil eines Systems, das durch viele kleine Motivationen und Konversationen von Individuen entsteht, also eines komplexen Schwarms. Unsere kollektiven Entscheidungen – die ja existieren – sind individuelle Entscheidungen auf der Führungsebene. D.h. Letztere sind conditio sine qua non des Wandels. Und sie sind in Demokratien glücklicherweise beeinflussbar durch Massenbewegungen.

Es gibt eine Wechselwirkung von Masse und Führung. Information verbreitet sich quer in der Masse (zum Teil durch Journalismus), steigt auf in die Führung, löst dort Maßnahmen aus, die wieder die Masse beeinflussen und so fort. Manche Menschen nehmen das auf und repräsentieren Strömungen beispielhaft, wie Martin Luther King oder Greta Thunberg, bringen sie durch ihre Persönlichkeitskraft voran, konzentrieren sie in die Führungsebene hinein.

An diesem Prozess müssen wir mitwirken.

Im Übrigen sollten in Deutschland alle Kraft- und Brennstoffe schon 2021/22 ins Cap&Trade-System und möglichst rasch auch auf EU-Ebene ins ETS. Machbar, wirksam und logisch. ich schreibe dies obwohl wohl niemand der hier Lesenden einen Einfluss hat. Nur um die Information ins System zu bringen.

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