Über die Ursachenstruktur der Migration aus Afrika

Der Text ist ein Kommentar zu einem Piq, in dem auf ein Interview mit dem Innsbrucker Politologen Belachew Gebrewold verwiesen wird.


Es ist gut die Migrationsfrage differenziert zu diskutieren!
Ich finde Gbrewolds Thesen erfrischend, wenn ich auch manches anders empfinde. Zum Beispiel die Abschottungstendenz. Ihm zufolge spielt sie im Zuschreibungsfeld „Zivilisiertheit“ und „Minderwertigkeit“ und hat auch mit der Erhöhung des Selbstbildes durch die Abgrenzung zu tun. Dies sind wahrscheinlich Aspekte, die eine Rolle spielen, ich glaube aber dass es eine angeborene Reaktion im menschlichen Verhaltensrepertoire gibt, massenhafter Zuwanderung reserviert gegenüberzustehen, weil dies in den letzten 500.000 Jahren fast immer einen Konflikt um Ressourcen bedeutete. Man kann und muss mit dieser Reserviertheit arbeiten – sie sich bewusst machen, sie in Beziehung zur Realität setzen, dass die Zuwanderung auch Seiten kultureller und ganz ökonomischer Bereicherung mit sich bringt, aber sie nicht anzunehmen bringt einen in Erklärungsnöte. Ich gebe zu, dass dies ein wenig Evolutions-Küchenpsychologie ist. Interessant hier ein Nachdenken von Dieter E. Zimmer von 1989: https://www.zeit.de/19…
Sehr treffend finde ich, dass Gbrewold Investitionen mit dem vorrangigen Ziel, Migration zu vermindern, für verfehlt hält.
Dass die Afrikanischen Eliten oft genug das Schlechte beider Welten vereinen ist, glaube ich, so offensichtlich, dass es kaum extra erwähnt zu werden braucht. Vielleicht bessert sich das langsam mit dem Aufkommen besser ausgebildeter, idealistischer junger Staatsangestellter.
Ich möchte aber noch einen weiteren Aspekt einbringen, den auch Gbrewold angesprochen hat, indem er darauf verwies, dass die meisten Migranten nicht aus den Krisenzentren des Kontinents kommen: den sogenannten „migration hump“, d.h. die Beobachtungstatsache, dass Migration aus einem Land mit zunehmendem Reichtum, mit zunehmender Entwicklung zunimmt und erst dann wieder abnimmt, wenn die Entwicklung einen gewissen Schwellenwert überschritten hat. Dies bedeutet, dass wir uns in EU noch auf lange Zeit auf erhebliche Migration einstellen müssen, ganz ohne Klimaerwärmung.
Siehe etwa
https://www.die-gdi.de…
Hier werden zusätzlich zum reinen BSP pro Kopf noch andere Aspekte genannt:
– Bevölkerungswachstum und Jugendarbeitslosigkeit, „youth bulge“
– De-Agrarisierung – erzeugt Arbeitslosigkeit
– Grad der Ungleichheit – erzeugt eine Spannung, die Migration motivieren könnte
– Existenz einer bereits arrivierten Diaspora – erleichtert das Übersetzen ins andere Land
– Kapitalknappheit – Migration bedeutet oft einen enormen Kapitalfluss ins Land hinein.

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