Corona / Covid19: ein integriertes Konzept anstreben

Die Verdopplungszeit von Omikron im VK ist 40 h. (Quelle)

(Überarbeitet Mi., 22.12.2021)

Diese Liste von Maßnahmen zusätzlich zur Impfung strebt ein integriertes Konzept an.

Impfung hier nicht enthalten.

Konstruktive Kommentare sowie Wiederverwendung und Diebstahl erwünscht.

  1. Komplexes, integriertes, kurz-, mittel- und langfristiges Konzept, das regelmäßig an die aktuellen Informationen zur Lage angepasst wird. Erstellt von Vertretern verschiedener Fachrichtungen und Ressorts beinhalten. Das Konzept sollte über eine Web-Schnittstelle in der öffentlichen Diskussion stehen, so dass wesentliche Argumente und Informationen den Weg hineinfinden können. Die EU hat solche Verfahren für ihre Gesetzesvorhaben.
    Sicherstellen, dass das Konzept auch umgesetzt wird. Die Bundesländer sollten sich verpflichten, es regelhaft umzusetzen, Abweichungen zu begründen und öffentlich zu machen.
  2. Die Reproduktionszahl R immer zusammen mit dem gemittelten Inzidenzwert selbst berichten. R ist der für die Dynamik der Epidemie wesentliche Wert und seine Verringerung Ziel aller Maßnahmen. Bei niedriger Inzidenz und großem R muss genauso stark und schnell reagiert werden wie bei hoher Inzidenz! Sie jeden Tag nach den Nachrichten bringen. R auch für Variants of Concern berichten.
  3. Test and Trace schneller und effizienter machen:
    1. Schnell testen. Bei Benachrichtigung über Risikokontakt – sei es über die App oder Telefon/SMS/Whatsapp/younameit – Test innerhalb von einer Stunde ohne große Diskussion ob das jetzt ein echtes Risiko war oder vielleicht doch nicht. Geschwindigkeit ist wesentlich.
    2. Mehr Antigen-testen. In allen Firmen, Institutionen und Schulen 2 – 3 Mal pro Woche alle Menschen verpflichtend per Antigentest testen durch eine benannte und eingewiesene Person.
    3. Mehr PCR-testen. Heute (13.12.2021) liegt DE mit ca. an 79. Stelle im internationalen Vergleich, was Testfrequenz angeht.
    4. Testwochen, in denen sich alle Menschen 2 – 3 mal pro Woche freiwillig antigentesten oder testen lassen. In identifizierten Gebieten mit sehr hoher Inzidenz verpflichtend durch ein Team. Siehe die Anregungen in der ZEIT von Wissenschaftler:innen, die das #nocovid-Konzept vertreten.
    5. PCR Tests immer als Doppeltest zusammen mit Antigen, weil letzterer sofort Ergebnisse liefert und es so ermöglicht, Risikokontakte sofort zu benachrichtigen, die dann ebenfalls innerhalb einer Stunde getestet werden. Geschwindigkeit ist entscheidend.
    6. Erweiterung der Testkapazität, um dieses zu ermöglichen. Wir haben noch einige Monate vor uns. Mangel an Tests darf es nicht geben. DE liegt an 76. Stelle bei den Tests pro 1 Mio. Einwohnern.
    7. Massive, persistente Werbekampagne für die Corona-Warn-App (CWA), um ihren Verbreitungsgrad zu erhöhen. Die Wirksamkeit der App leidet an einem Henne-Ei-Problem: wenn zu wenige sie ernsthaft nutzen, nützt sie nicht viel, was wieder bewirkt, dass Leute sie nicht nutzen. Eine Möglichkeit dazu ist ein finanzieller Anreiz, wie in diesem SPIEGEL-Artikel angeregt. Sie ist nicht perfekt, aber auch hier gilt: jeder Beitrag hilft. Wie der Bundesbeauftragte für Datenschutz hier darlegt, ist der Datenschutz kein Grund dafür, dass die deutsche App keinen Erfolg habe. In dieser Studie wurde gezeigt, dass eine App mehr Risikokontakte findet als dies im Interview durchs Gesundheitsamt möglich ist, aber wiederum nicht so viele, dass das System überlastet wird.
    8. Die CWA zügig verbessern. Wenn ich z.B. Zeiträume eingeben kann, in denen ich mit anderen Menschen in einem Raum war, kann die App allen Kontakten in dieser Zeit ein höheres Risiko zuordnen, auch wenn die Signalstärke des Kontakts gering war. So würde das Aerosol-Risiko abgedeckt. Sie an die Varianten anpassen (veränderte Inkubationszeiten).
    9. Auch der Symptombeginn muss eingegeben werden können, damit die kritischen drei Tage vor Symptombeginn besonders gewertet werden können.
    10. backward tracing. Dieser Artikel zeigt, dass das Finden der Person, die mich infiziert hat, z.B. durch die App, R doppelt so stark absenkt wie das Finden lediglich der Personen, die ich selbst angesteckt haben könnte („forward tracing“). Dafür muss ich auch die Kontakte ab meinem eigenen Ansteckungszeitpunkt benachrichtigen und nicht erst ab dem Beginn meiner eigenen Infektiosität, d.h. der Benachrichtigungszeitraum muss weiter in die Vergangenheit reichen.
    11. Schärfere Qualitätssicherung der Antigentests. Im Moment unterscheiden sie sich in der Empfindlichkeit zu stark, was zu verwirrenden und Inkonsistenten Ergebnissen führt.
    12. Entwicklung empfindlicherer Antigen-Schnelltests, die das Problem der falsch-negativen Ergebnisse vermindern, ohne zu viele falsch-positive zu liefern.
  4. Eine tägliche kurze Informationssendung auf allen Kanälen und ständige Kampagne auf Plakatwänden, die wichtige Hinweise in Erinnerung ruft, wie etwa:
    1. R-Wert für DE und die Region.
    2. Sich impfen lassen. Die niedrige Nebenwirkungsrate der Impfungen betonen.
    3. Treffen draußen, wenn es irgend geht.
    4. In Innenräumen dicht aufgesetzte FFP2-Masken tragen außer mit der Familie. Hier wird berichtet, dass dadurch das 20-Minuten-Ansteckungsrisiko auf 0,1% begrenzt werde, während es ohne Maske um 90 % liege. FFP2- ist 75 mal besser als OP-Maske.
    5. Tipps für das dichte Tragen der Masken.
    6. Klarmachen, dass sich das Virus im ganzen Innenraum verteilt, weshalb auf häufiges, gründliches Lüften zu achten ist. Siehe diesen sehr guten Twitter-Thread.
    7. Im Außenbereich auf großen Abstand achten und darauf, dass der Wind quer weht. Ohne Abstand Masken tragen.
    8. Wie man Schnelltests selbst richtig macht.
    9. Alle vorher testen, wenn Menschen von außerhalb der Kerngruppe.
    10. Die je aktuellen Einschränkungen.
    11. In die Armbeuge husten oder niesen.
    12. Rad fahren statt öffentliche Verkehrsmittel.
    13. Was mache ich wenn ich einen positives Testergebnis habe? Wenn ein Mensch, den ich kenne, eines hat?
  5. Besseres Lagebild verschaffen:
    1. Maximale Dauer des Meldeprozesses von 1 Tag festlegen und erreichen.
    2. Entschiedene Digitalisierung und Normierung des Informationsflusses zwischen Gesundheitsämtern, Ärzten, Corona-App-Servern, Testzentren und Bürgern. Erschaffung und Durchsetzung eines Standards, der von allen Bundesländern akzeptiert ist.
    3. Regelmäßige Überwachung der Dunkelziffer und der Antikörper-Prävalenz durch Test großer Gruppen zufällig ausgewählter Personen. Idee: anonyme Online-Erfassung aller privat durchgeführten Antigentests.
    4. Einführung von Varianten-erkennenden PCR-Tests und deutlich mehr Sequenzierungen.
    5. Testen des kommunalen Abwassers, um die Anwesenheit von Corona dort festzustellen. Nach dieser Meldung erlaubt das eine wesentlich frühere Vorhersage des Infektionsverlaufs und ist das bis Oktober 2021 von der EU für alle Länder gefordert worden. Im Berchdesgadener Land konnten damit sogar lokale Ausbrüche entdeckt und eingedämmt werden. Auch die Süddeutsche stellt hier die gute Vorhersagequalität der Daten fest, Deutsche Welle spricht von „vertaner Chance“. Ein Paper dazu.
  6. Forcierung von Home-Office. Firmen müssen einen detaillierten Corona-Plan anfertigen, in dem die Anwendung oder Nichtanwendung von Home-Office begründet ist. Alle Mitarbeiter in der Firma müssen 2x in der Woche getestet werden. Einrichtung von HO-Arbeitsplätzen wird gefördert, auch IT-Beratung dazu ggf.
  7. Schutz durch Masken verbessern: das Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation kommt in einer jüngeren Studie zu diesem Ergebnis, dass die Ansteckungswahrscheinlichkeit ohne Maske auch bei 3 m Abstand sehr hoch ist, weil die neuen Varianten eine so hohe Viruslast mit sich bringen. Tragen beide Partner dicht aufgesetzte FFP2-Masken, sinkt das 20-Minuten-Risiko auf 1/1000. OP-Masken sind wesentlich schlechter, aber besser als Nichts:
    1. Nur noch FFP2 oder besser erlauben. Dafür sorgen, dass es genug gibt.
    2. Ständige Aufklärung, wie man eine Maske richtig trägt, nämlich rundum dicht. Nach meiner Beobachtung machen es viele falsch: neben der Nase und auch vor den Ohren liegt die Maske nicht an, was ihre Wirkung bei der Aerosolfilterung ruiniert. Dicht sitzende Masken sind extrem wichtig, sagt nicht nur der logische Verstand, sondern auch das US CDC. Dieses bringt hier auch gleich Ratschläge dazu.
    3. Maskenpflicht in Lokalen auch beim Sitzen am Tisch außer zum unmittelbaren Trinken oder Essen. (Solange diese noch offen sind…)
    4. Entwicklung und Verbreitung besserer Masken fördern, insbesondere bessere Dichtheit an der Rändern, niedriger Atemwiderstand bei hoher Rückhaltefunktion. Die FFP2-Masken sind auch nicht einfach am Rand dicht zu bekommen. Interessante Gedanken hierzu in diesem Artikel, in dem das Übereinandertragen von Masken diskutiert wird, oder in dieser Erfindung, einem flexiblen Rahmen, der dafür sorgt, dass die Maske ringsum dicht ist.
  8. Anzahl der Menschen in Läden niedrig festlegen und kontrollieren. Im Frühjahr ging das schon ganz gut: Im Supermarkt musste man einen Einkaufswagen nehmen und die Zahl der Wägen war begrenzt. Geht auch mit Körben oder Ähnlichem. Lässt sich gut kontrollieren.
  9. Türen in Geschäften offen lassen, sobald es etwas wärmer ist. Bei meinem Bäcker geht das. Luftaustausch in Lokalen alle 45 min erzwingen.
  10. Lüftungsanlagen durchsetzen, die Viren töten oder nach draußen befördern, etwa in Geschäften, oder die die aufsteigende Luft von Arbeitsplätzen absaugen. Sowas wurde schon erfolgreich gebaut und ist nicht so teuer wie man denkt. Die Luft sollte nach außen geleitet oder per UV-C-Bestrahlung desinfiziert werden. Ein Hersteller findet sich etwa hier.
  11. An den Flughäfen Einreisekontrollen, die diesen Namen verdienen, mit Antigentest von Jedem an Ort und Stelle zusätzlich zu anderen Anforderungen. Quarantänepflicht an Ort und Stelle und komplette PCR-Testung wenn mehr als ein bestimmter Prozentsatz eines Fluges positiv ist. Schaffung von entsprechenden Quarantäneunterkünften für diesen Fall.
  12. Auf Bahnhöfen und Grenzübergangsstellen Stichproben bei den ankommenden Fahrgästen mit Doppeltests.
  13. Enge Kontrolle der Sicherheitsmaßnahmen – in Altersheimen, Schulen &c.
  14. Verwendung von CO2-Messgeräten als Anhaltspunkt für Lüftung durchsetzen.
  15. Laptops für Schüler, die noch keinen haben, aus ausgemusterten Firmenlaptops.
  16. Subventionierung von Online-Hausaufgabenhilfe oder -Nachhilfe.
  17. Obligatorische Impfung auch für Menschen, die viel herumfahren oder viele verschiedene Menschen treffen, wie LKW-Fahrer, Auslieferungspersonal, Verkäufer.
  18. Studien, die fehlen (Achtung, da ich kein Fachmann bin, kann es sein, dass einige davon bereits existieren):
    1. Infektionshäufigkeit aufgeschlüsselt nach Berufsgruppen und Begegnungskontexten.
    2. Kann man potentielle Superspreader erkennen? Vielleicht an ihrer großen Zahl der Tröpfchen im Ausatem erkennen? Kann diese einfach mit einem speziellen Gerät gemessen werden (Einen Satz in ein Gerät hineinsprechen, optische Messung)? Kann dies in eine konkrete Maßnahme umgesetzt werden (alle Menschen in einem Betrieb / einer Schule charakterisieren, auf die mit hohen Tröpfchenemissionen besonders achten)?
  19. Verwendung von trainierten Hunden, um Infektionen zu finden. siehe etwa hier.


Diese Seite gibt es auch auf Englisch.

5 Gedanken zu “Corona / Covid19: ein integriertes Konzept anstreben

  1. Sehr geehrte Damen und Herren,

    schauen Sie doch mal unter http://www.UVCARE.de nach.
    Günstige Lösung incl. Wirksamkeitsnachweis per UV-C sind bereits seit Monaten vorhanden, werden aber von der Politik Null unterstützt bzw. blockiert .

    Das UVCARE midi Produkt ist von einem Familienunternehmen im Sauerland komplett auf eigene Kosten entwickelt und am KIT der Forschungsuniversität der Helmholtz Gemeinschaft getestet. Ein Wirksamkeitsnachweis von über 96% liegt vor. Ohne Filter deren Wechsel weitere Risiken birgt, energetisch effektiv < 30W/h bei 120m^3 Fördervolumen, leise<25,1 dB , mind. ein Jahr wartungsfrei , einfachst zu installieren und mit ca. 550,- EUR/Einheit (für ca60 m^2 oder Max. 19 Personen im Raum) extrem günstig.
    Der UVCARE sollte an allen Stellen wo der Infektionsstand von Personen unbekannt ist installiert werden und ein großer Teil der Probleme wäre gelöst.
    Die Beschaffungsstelle der Corona Produkte des Bundes hat dem Hersteller, der auf das Produkt aufmerksam gemacht hat und kostenfrei zum Test Geräte angeboten hat, per e-Mail Zweizeiler geantwortet: „kein Interesse. Wenden Sie sich u.U. an die Länder.“
    Das ist die Praxis!
    Verkauft wird die UVCARE derzeit in die Arabischen Emirate, Jordanien, England, Österreich, Ägypten usw. nur die BRD schläft einmal mehr.
    Herzlichst Ihr Jochen Schmelter

  2. Zum Thema: „Ähnliches gilt für Restaurant- oder Veranstaltungsbesuche: der Veranstalter könnte der App eine ID zur Verfügung stellen, so dass sie weiß: ich war hier. Über diese ID könnten im Falle einer Infektion alle Besucher/Teilnehmer erreicht werden.“

    Es gibt da eine App, die genau diesenPunkt adressiert: https://luca-app.de/

    1. Danke für das Feedback! Habe davon gelesen. Luca ist nicht genau das was ich mir vorstelle, weil sie von der Tracing-App getrennt arbeitet und auch als Extra-App installierte werden muss = zusätzlicher Aufwand und Speicherbelegung und Komplexität. Eine „Beisammenseinfunktion“ mit QR-Möglichkeit in der offiziellen Corona-App hätte den Vorteil, dass die Risikokontakte über die Erkennungsfunktion der App erkannt und über ihre Benachrichtigungsfunktion benachrichtigt würden. Einheitliche konsistente Lösung ohne Bruch. Ich brauche auch keinen QR-Code für private Treffen zu erstellen: Wenn ich die Zeit als Beisammensein kennzeichne, werden alle IDs aus dieser Zeit mit Prio als Risikokontakte benachrichtigt, wenn ich positiv getestet werde.
      Aber natürlich ist Luca 1000 x besser als was wir momentan machen.

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