Wir geben unsern Geist nicht für den Markt auf

Die Sozialisten wollen die Unterschiede in der Schichtung der Gesellschaft vermindern oder aufheben.
Die Konservativen wollen sie beibehalten.
Die Neoliberalen kennen keine Schichtung der Gesellschaft, sondern nur verantwortliche, handlungs- und entscheidungsfähige, vollkommen informierte Marktteilnehmer.
Das Resultat dieser künstlichen Erblindung, dieses crowding-out des gesunden Menschenverstandes mit übersimplifizierten Markt-Mantren, das wir überall beobachten können, ist, dass die Schichtung der Gesellschaft stabilisiert, sogar vergrößert wird und dass man am Ende unter einer Oligarchie lebt, wie dies für die V.S.v.A. bereits konstatiert worden ist.
Es ist nicht nur so, dass der Markt auf einigen Gebieten versagt (mittel- und langfristiges Denken, Gerechtigkeit, externe Kosten, Spekulations-Instabilitäten, Konjunkturzyklen …), sondern dass er, sich selbst überlassen, die inhärente Neigung hat, sich selbst zu zerstören – durch Monopolisierung. Interessanterweise ist dies der Elite des kapitalistischen Musterlandes V.S.v.A. schon um 1900 klar geworden, was zu den Anti-Trust-Gesetzen führte.
Die Ersetzung des Diskurses über die volonté générale durch Ware-Geld-Relationen, die notwendigerweise lokal, momentan und unpersönlich bleiben, ist die Postulierung der Schwarm-Intelligenz als überlegen gegenüber der Modellierung und Diskussion von Sachlagen im Gesamt-Planenden menschlichen Geist. Das ist nicht nur in dieser Allgemeinheit absurd, sondern auch überaus riskant, so wie wenn wir unsere individuellen und kollektiven Entscheidungen einer künstlichen Intelligenz anvertrauen, deren innere Logik wir nicht verstehen, ja, nicht einmal verstehen wollen.
Diese ist noch dazu mit den Egoismen einer kleinen Schicht unverhältnismäßig mächtiger „Marktteilnehmer“ eng verknüpft, die die Entwicklung hin zum Guten-für-Alle umbiegen zum Guten-für-sie-selbst. D.h. der Markt zerstört sich selbst nicht nur durch Monopolisierungstendenzen der Wirtschaftsstruktur, sondern zerstört auch die -immerhin mögliche- implizite Entwicklung des Gemeinwohls zugunsten der Entwicklung des Wohls der 1 % mit Hilfe der politischen Machtkonzentration.


Dieser Text erschien auch als Kommentar auf piqd.de.

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