Das Vergangene ist das Baumaterial für eine völlig offene Zukunft.

Das ist eine lebendigmachende Sichtweise, die wir in jedem Moment anwenden können, wobei bereits die letzten zehn Sekunden zum Vergangenen zählen. So können wir die andauernde Verwandlung der Gegenwart, d.h. der unmittelbaren Zukunft, d.h. der momentanen Intention, in Erfahrung, d.h. in Erfahrungswissen beobachten, aus dem wir frei unsere nächste Intention auswählen.

So ganz frei ist diese Auswahl dann doch nicht, weil sie aus der beschränkten Menge von Assoziationen erfolgt, die in jedem Moment aktiv sind. Wenn wir diesen Pool erweitern wollen, müssen wir innehalten und den inneren Blick weiten, die Auswahl „kommen lassen“. Das Kernelement ist also, den vergangenen Prozess nicht einfach weiterzumachen, sondern sich „umzublicken“ oder „umzufühlen“.

Dieses Vergangene besteht am ehesten aus den Prozessen, die wir durchliefen und an die wir uns erinnern – kognitiv oder somatisch.

Wir übernehmen sie oft unbewusst und wiederholen sie, was Energie und Unsicherheit spart. Die eingeschliffenen Prozesse sind schneller, weil sie keine Zeit für Lösungssuche benötigen und damit oft effizient. Das ist o.k. und sinnvoll, handelt uns aber oft den damit verbundenen Verdruss wieder ein.

Sie bewusst zu variieren und anders zusammenzusetzen bringt Frische und Spannung, wenn auch um den Preis von Unsicherheit und momentaner „Ineffizienz“ bis hin zur Gefahr des Chaos. In diesem Bild ist die Zukunft kein leeres Blatt Papier, sondern eine Legobausteinkasten.

Allerdings gehört die Welt, mit der wir uns austauschen müssen, zu diesem Baukasten – mit ihrer eigenen Dynamik und ihren eigenen sich gleichenden Prozessen. Diese lassen sich vom Individuum nur durch Kommunikation verändern, und die ist keine Einbahnstraße.

Wir können allerdings unsere Ansatzfläche an die Welt wechseln: Jobwechsel, Ortswechsel, Beziehungswechsel. Damit bekommen wir neue Routinen und die sind hoffentlich – aber nicht immer – besser als die alten.

Eine subtilere Möglichkeit ist die Veränderung unserer inneren Prozesse, indem wir neue Sicht- und Verhaltensweisen kennenlernen, übernehmen und eingewöhnen, durch Reflexion, Meditation, Lernen von anderen Menschen, Coaching oder Psychotherapie; das geschieht immer auch von selbst, ohne dass wir es merken.

3 Gedanken zu “Das Vergangene ist das Baumaterial für eine völlig offene Zukunft.

  1. Zukunft ist schon der Moment nach dem Jetzt. Einiges ist demnach nicht zu Unterbinden und völlig ungewiss. Es wird passieren. Manche Fettnäpfchen sind gelegt😀

  2. Dieser Beitrag passt wunderbar zu dem Buch, das ich gerade lese:

    Der Pilz am Ende der Welt

    Die Welt wahrnehmen als ein offenes Geflecht, das in der Gänze berechnen zu wollen überheblich sein muss.

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