Eine Sache, die wir vom Islam lernen können

Ein gläubiger Muslim betet mehrere Male am Tag („Salat“). Einige beten drei Mal, die meisten aber fünf Mal (Quelle).

Als Atheist kann ich natürlich nicht beten, aber ich kann meditieren, Autosuggestionen anwenden, Autogenes Training machen oder Ähnliches – wesentlich ist, dass ich mich für eine definierte Zeit aus dem Fluss der Interaktionen heraus nehme und bewusst nur für mich bin.

Man kann ein Gebet oder religiöses Ritual auch als Meditation auffassen, wenn man den Begriff weit fasst; es geht dabei vorrangig um meinen inneren Zustand, wobei die Gottesvorstellung als Hilfsmittel benutzt wird. Sehr viele Meditationstraditionen benutzen Hilfsmittel, sowohl Reale als auch Imaginierte.

Meine Übung besteht im Moment aus zwei Phasen von fünf Minuten. Zuerst versuche ich, Atem, Stimme, Bewegung und Gesichtsausdruck zu benutzen, um jede Emotion, die im Moment präsent ist, auszudrücken. (Diese ist angelehnt an die zweite Phase der „Dynamischen Meditation“ von Osho.) Danach sammle ich mich, nehme meine Kraft zusammen, erinnere mich an Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen und denke noch mehr Gedanken in Richtung klarer Aktion, ebenfalls während ich mich bewege.

Meine Erfahrung damit, dieses mindestens drei Mal am Tag zu tun, ist sehr positiv. Negative Zustände von Enge oder Bedrücktheit vermindern sich sofort, und allein die Erfahrung, dass das möglich ist, geben mir nicht nur Motivation, sondern auch ein grundlegend besseres Weltgefühl.

Ich wünsche mir eine Arbeit, wo ich mindestens einmal, besser zweimal am Tag 10 Minuten in einem Raum für mich sein kann, um dieses zu tun.

Hararis Geschichte: Der Mensch als Dummkopf und Schlächter

Yuval Noah Hararis „Kurze Geschichte der Menschheit“ liest sich gut. Temporeich und konzise entwirft er ein Bild unserer Art, dabei die wesentlichen Züge und Antriebskräfte geschichtlicher Prozesse herausarbeitend, wie sie sich ihm darstellen. Er verwendet dafür eine Vogelperspektive: wie würde eine außerirdische Kultur unsere Entwicklung wohl skizzieren?

Beispiel Agrarifizierung. Er sieht den Menschen als Döspaddel, der sich vom Weizen hat domestizieren lassen. Durch die landwirtschaftliche Revolution nahm nämlich die Lebensqualität des einzelnen Menschen ab: er musste mehr schuften, die Nahrung wurde eintöniger und ungesünder, die Abhängigkeit von einer Hauptnahrungsquelle und die Gefährdung durch Hungersnöte größer. Die allgemeine Ernährungslage besserte sich wegen des Malthusschen Prinzips nicht. Im Gegenzug nahm allerdings die Besiedlungsdichte erheblich zu, weshalb die Jäger und Sammler schließlich verdrängt wurden. 

Immer wieder taucht die manifeste Brutalität der frühen Menschen auf: wahrscheinlich starben 10 bis 20 % der männlichen Bevölkerung gewaltsam durch andere Männer, so wie es heute noch in vielen primitiven Kulturen der Fall ist. Durch die Zivilisation leben wir in einem Paradies, in dem das genetisch bedingte Gewaltpotential der Männer extrem eingedämmt ist. 

Ein anderes Faktum: sobald die Menschheit ein Gebiet neu besiedelt hatte, setzte ein unvergleichliches Artensterben ein: 50 – 70 % der größeren Tierarten starben aus. Der Mensch ist sozusagen eine aggressive invasive Art, die die Ökologie jedes neuen Lebensraums komplett ruiniert hat. Artenschutz ist eine sehr sehr junge Erscheinung – auch eine jüngere Folge der Zivilisation, die durch Wissenssammlung und -Kondensation erstmals einen geschichtlichen und übergreifenden Blick auf uns und unsere Umgebung entwickelt hat, der vorherigen Zeitaltern unmöglich war. 

Ist Gewalt gegen Frauen schlimmer als Gewalt gegen Männer?

Allenthalben finden wir Kampagnen gegen Gewalt gegen Frauen. Was kann dagegen zu sagen sein? Ich kann mir nicht helfen, aber ich finde sie in einer Hinsicht sexistisch: Ich bin eigentlich gegen jegliche Gewalt, nicht nur gegen die gegen Frauen. Mein Slogen wäre also: „Gegen Gewalt gegen jeglichen Menschen!

Ich finde sogar, dass die Gegen-Gewalt-gegen-Frauen-Kampagnen Frauen in einem speziellen Punkt schaden könnten, nämlich insofern sie sie in der Rolle der Schwachen, besonders Beschützenswerten einschließen.

Kann diese Auffassung einem tieferen Nachdenken standhalten?

Diese Kampagnen beziehen Energie aus zwei gesellschaftlichen Topoi:

  1. Frauen als schöne, schwache, aber auch besondere, emotionale und wertvolle Wesen zu sehen, die attraktiv sein wollen, aber auch besonders verletzlich sind. So eine Art Edelsteine unter den Menschen. (Das ist nur die positive Seite der Medaille!) Insofern sind Attacken von Männern gegen sie besonders verwerflich und schändlich. Männer, die dem zustimmen, fühlen sich einerseits ein wenig schlecht wegen ihrer miesen Geschlechtsgenossen, werden aber andererseits durch ein gewisses Gefühl von Edelmut und Größe entschädigt.
  2. Der feministische Diskurs, in dem die Männer die Gegner in einem jahrtausende-alten Kampf der Frauen um ihre Befreiung sind, und in dem dieser Kampf gegen den gemeinsamen Feind die Frauen untereinander zusammenschweißt, ihnen eine Identität als Kämpferinnen für ihre Gruppe gibt. Je nach Vertreterin neigt dieser Diskurs gleichzeitig zu Punkt 1, also Frauen real als besonders beschützenswert zu sehen, oder zu einer Rollenänderung, d.h. dem Aufbauen der Frauen zu starken, unabhängigen und durchsetzungsfähigen Menschen.

In der ersten Position ist es nicht einfach so, dass Gewalt gegen Frauen als Gewalt gegen Schwächere angesehen wird, die geächtet ist, sondern dass sie eine besondere emotionale Aufladung erhält, die auf der Position der Frau als dem Zentrum fürsorglicher Gefühle beruht. Die Gewalt gegen sie ist so nicht nur moralisch, sondern geradezu ästhetisch abscheulich.

Die unterschiedliche emotionale Konnotation zu Frauen und Männern ist ein (unverzichtbarer?) Bindungsklebstoff sowohl zwischen Frau und Mann in der Paarbeziehung, als auch – als eine geteilte Überzeugung – für die gesamte Gesellschaft.

Wäre es nützlich, anstatt gegen Gewalt gegen Frauen nunmehr gegen Gewalt gegen jeglichen Menschen zu kämpfen (das heißt diese unterschiedliche Konnotation zu ignorieren)? Ich weiß es nicht. Ich neige nun beinahe dazu, dies nicht zu tun, aber als eine Entscheidung, nicht nur als ein Reflex.

Klimawandel nervt – ihn zu bekämpfen auch

Freunde sitzen zusammen. Man beschließt, im nächsten Jahr nach Australien zu fliegen, um einen von uns zum 60. Geburtstag zu besuchen. Zwei mal 16000 Kilometer. Kann man als bewusster Mensch nicht machen, sowas. Töchter fliegen nach Ghana oder Mexiko zum Sozialpraktikum, ohne auch nur eine Sekunde zu zweifeln.

Der Vermieter will die Wohnung begehen. Technischer Zustand und auch „Energiesparpotentiale“. Wenn das mal nicht auf eine energetische Sanierung hinausläuft. Der Klimaschützer in mir kann das nur begrüßen. Der Gegenwartsmensch in mir jedoch fürchtet, durch die umgelegten Kosten die Wohnung nicht mehr halten zu können. Das täte richtig weh.

Nur zwei Aspekte, wo Klimaschutz unangenehm bis richtig unangenehm ist – und zwar besonders, wenn man es als Einzelner tut.

Ich will das nicht kritisieren, ich will es nur würdigen. So kann es sich anfühlen. Es ist kein Wunder, dass die Leute es verdrängen – bestenfalls aus ihrer Zuständigkeit in die politische Sphäre, schlimmstenfalls total.

Unter Andrem auch deswegen brauchen wir die politische Ebene. Die Hürde für den Einzelnen ist verdammt hoch, zumindest solange die Mainstream-Menschen noch so ignorant sind.

It’s the things, stupid!

co2footprintHabe kürzlich meinen CO2-Fußabdruck abgeschätzt, hier. Liege ziemlich bei der Hälfte des deutschen Durchschnitts. Kein Auto. Kein Durchlauferhitzer. Wenig Fernreisen.

Eine Sache frappierte mich: dass im deutschen Durchschnitt nicht die Heizung und Warmwasser, nicht die Mobilität am meisten Emissionen verursachen, sondern der „sonstige Konsum“, d.h. das Kaufen von Dingen und Dienstleistungen in der Freizeit.

Mein eigener größter Posten ist die Ernährung. Hier würde vegan zu essen nochmal eine halbe Tonne herausholen. Dann kommt die Wärme. Da merkt man dann den nichtisolierten Altbau.

Facit: Repariert! Kauft gebraucht! Kauft wenig, dafür hochwertig!