Der Blick auf das Große: Bildung für Frauen

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Quelle: ourworldindata.org

Jeder Mensch mit freien geistigen Kapazitäten denkt ab und zu über die Entwicklung der Welt in den nächsten 100 oder 200 Jahren nach.

Das war früher anders: die Welt war das Draußen, unermesslich groß und voller Gefahren, Unwägbarkeiten und Möglichkeiten. Die größten Einheiten, über deren Zukunft man sich Gedanken machte, waren Reiche oder Staaten. Seit einigen Jahrzehnten jedoch ist die Welt zu unserem gemeinsamen Haus, oder besser: zu unserem gemeinsamen Anwesen geworden, in dem wir fast alle Zimmer und Ecken und Flächen kennen und auch erreichen können, und die Menge an Menschen, die darauf lebt, wird langsam zu einer Schicksalsgemeinschaft. Die Welt wird mehr und mehr zum Innen, und für das Außen bleibt nur das leere Weltall.

Sorgen macht dabei vor allem, dass bereits sehr sehr viele Menschen auf dem Anwesen leben, und täglich weitere hinzukommen. Die Frage, ob die Welt als Ganze die Menge an Menschen auf ihr tragen kann, ist geschichtlich neu. Bis jetzt können wir sie mit Ja beantworten (mit der Ausnahme von Kriegen und extremer Unterentwicklung), und es ist nicht unvernünftig, dies auch für die Zukunft zu tun. Aber der Klimawandel begründet ernst zu nehmende Zweifel an diesem Optimismus.

Auf der Suche nach einem Mittel, das Bevölkerungswachstum zu vermindern, springt die Bildung der Frauen ins Auge. Nicht nur sind die Länder mit den am besten ausgebildeten Frauen auch die mit den niedrigsten Geburten pro Frau, sondern auch innerhalb der Sozialstruktur eines Landes sind die gebildetsten Frauen die mit den wenigsten Kindern. Die Geburtenrate hat allerdings auch starke lokale Einflüsse: die Zahl der Kinder pro Frau ist trotz gleicher mittlerer Schulbildung in Tansania doppelt so hoch wie in Indien.

Was können wir, in den westlichen Metropolen, beitragen, um Frauenbildung und -Ausbildung in den weniger entwickelten Gebieten zu födern? Nun, Geld hilft, Geld ist Wert. Eine Googlesuche nach „donation education of women“ oder ähnlichem führt zum Erfolg. Abgesehen von der Geburtenrate ist Bildung und insbesondere die von Frauen für sie selbst und ihr Umfeld positiv.

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#emissionswerteinautowerbung – update 2

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Jährliche Emissionen im deutschen Transportsektor. (180 Mio. t sind etwa 2,2 t pro Kopf oder 1/5 der Gesamtemissionen.) (Quelle)

Ich habe ja im November diese Petition an den Bundestag gestellt, in jeder Autowerbung die CO2-Emissionen für 10.000 km Fahrt und die Herstellung des Wagens unübersehbar unterzubringen. Kürzlich war sie auf die Forenwebsite gestellt worden (siehe dieser Post). Die Möglichkeit, dort zu kommentieren oder mitzuzeichnen ist jetzt vorüber. Es haben 52 Menschen mitgezeichnet.

Ich habe dann noch als Promotion an die TAZ und meine Kreuzberg-Friedrichshainer Grünen-Abgeordnete gemäilt, ansonsten hatte ich in der Zwischenzeit nicht die mindeste Lust, mich damit zu beschäftigen wegen einer eigentümlichen unangenehmen Aufgeregtheit im Bauch.

Im Brief von heute steht nun: „Die Ermittlungen konnten inzwischen abgeschlossen werden. “

Ich vermute, dass dies ein Textbaustein ist und solche Petitionen sich meist auf irgendwelche Verwaltungsvorgänge beziehen, die falsch gelaufen sind und wo der Sachverhalt ermittelt werden muss.

Die Sache geht nunmehr in den Petitionsausschuss. Ich bin wirklich gespannt. Die Stagnation auf hohem Niveau der Emissionen im Transportsektor ist seit Jahren politikbekannt. Desgleichen ist bekannt, dass Deutschland sein selbstgesetzes Klimaschutzziel unter Anderem deswegen verfehlen wird. Die generelle Haltung der CDU/CSU scheint zu sein: „Wir wollen das Klima schützen, aber es darf sich nichts ändern“ („paradoxer Konservativismus“). Die der SPD und leider auch teilweise der Linken ist: „Wir wollen das Klima schützen, aber es darf keine Arbeitsplätze kosten.“ („dekorierter Klientelismus“).

Na ja, mal sehen, ob Kant oder Altmaier die Palme davontragen werden …

Spuren am Himmel und verteilte Verantwortung

contrails-jake-melara-6771-unsplash-flacher-1024Es gibt ja die Verschwörungstheoretiker, die die Kondensstreifen der Flugzeuge auf das Versprühen von Chemikalien durch machthungrige Regierungen zurückführen. Das ist natürlich Quark.

Die von den Flugzeugen erzeugten Wolken haben aber trotzdem eine ungünstige Wirkung: sie verstärken die atmosphärische Erwärmung, vulgo Klimawandel, weil sie dummerweise für sichtbares Licht wesentlich transparenter sind als für Wärmestrahlung.

Eine jüngst hier erschienene Studie hat dies nun quantifiziert: durch diesen Effekt wird die klimaschädliche Wirkung des Fliegens etwa verdoppelt. Es gibt auch Quellen die eine Verdreifachung angeben, aber ich halte mich hier an diesen Wert.

Man kann hier auch eine neuere Entwicklung der Veröffentlichung von wissenschaftlichen Arbeiten beobachten, nämlich den kostenlosen Zugang für Jeden (Open Access). Das ist natürlich sehr erfreulich.

Um den Effekt in Relation zu bringen habe ich hier mal die Emission zweier Urlaubsreisen berechnet (Basisinformationen hier, alle Zahlen sind Tonnen):

2 mal 2000 km 2 mal 5000km
Flugzeug: Kerosinverbrauch 0,09 0,27
Flugzeug: CO2-Emission 0,27 0,85
Flugzeuge: äquivalente CO2-Emission 0,55 1,71
Auto (8l/100km, 3 Personen) 0,25
Bahn 0,2

Mittlere jährliche Emission eines Deutschen (inklusive Babies und Greise): 11 t.

Für die Bahn gibt es widersprüchliche Angaben, da die Emission stark von der Auslastung des Zuges abhängt, aber ein Wert von 50 kg/1000 km taucht öfter auf, z.B. hier, für eine Auslastung um 0,4. Damit wären wir dann bei 0,2 t/P für unsere Fernreise.

Bei allen Massenverkehrsmitteln (Bahn, Flugzeug, Bus) gibt es einen Unterschied zwischen der mittleren Emission, die durch Massenentscheidung bedingt ist und der durch die Einzelentscheidung hervorgerufenen Emission. Dieser hat einen eigentümlichen Effekt zur Folge: Wenn ich als Einzelperson entscheide zu Reisen, sind meine Emissionswerte bei Null, da der Zug oder das Flugzeug sich sowieso bewegen – ich erhöhe lediglich die Auslastung. Ist sie niedrig, wie oft in der Bahn, wird das kaum Einfluss auf die Zugfrequenz haben, ist sie aber hoch, wie oft im Flugzeug, ist mein persönlicher Einfluss auf das Einsetzen eines neuen Flugzeuges wesentlich größer.

Die ganze Sache ist in mehreren Dimensionen ein Beispiel für verteilte Verantwortung. Der Einfluss des Einzelnen ist sehr klein, aber nicht Null.  Kant hat seinerzeit mit dem kategorischen Imperativ eine Regel genau für diesen Fall aufgestellt.

Dazu kommt die normative Kraft des Faktischen: Fliege ich, erhöhe ich damit die Wahrscheinlichkeit, dass die Menschen, die mich kennen, auch fliegen.

 

Photo by Jake Melara on Unsplash

enough is enough

Es gibt eine Subkultur von Selbstständigen („Freelancern“) im Bereich Grafik, Webdesign und -Programmierung, Texten und noch anderen Gebieten, die es genießen, ohne Chef zu arbeiten. Einer von denen, Paul Jarvis, schreibt in Kanada einen Newsletter, der Authentizität, Realismus und Besonderheit vertritt (anstatt das übliche „makemoremoneygetmoreandbetterclients“).

Er hat kürzlich einen Text über das persönliche „Genug“ geschrieben, den ich so wertvoll finde, dass ich ihn hier verlinke.

#emissionswerteinautowerbung

petitionWie schon angekündigt, hier ein Update zu der Bundestagspetition.

In diesem früheren Posting habe ich sie vorgestellt. Ihr Ziel ist einfach und leicht zu begreifen: auf jede Autowerbung soll groß und an zentraler Stelle der Emissionswert des Autos stehen. Den Sinn davon brauche ich wohl nicht zu erklären.

Nach nicht einmal 5 1/2 Monaten ist sie nun online, auf der Diskussionsseite der Bundestagspetitionen. Und zwar noch 3 Wochen.

Wenn Ihr dort mitzeichnet, könnt Ihr vielleicht eines Tages sagen: hier wurde Geschichte gemacht, und ich bin dabeigewesen! Kleiner Scherz. Sagte Goethe seinerzeit bei einem ziemlich verunglückten Feldzug gegen das revolutionäre Frankreich, den er als Schlachtenbummler besichtigte, die Pflaume. Nun, ich hoffe, dass dieser Feldzug nicht verunglückt, und er geht auch nicht gegen die Revolution sondern eher gegen das Establishment.

Sie  ist sinnvoll, sie ist konkret, sie ist erfolgversprechend, sie ist evolutionär: die Petition.

co2Zur Erinnerung: so sieht unsere CO2-Konzentration aus (Mauna Loa auf Hawaii ist der erste Ort, an dem diese kontinuierlich gemessen wurde. Die Datenreihe ist die längste direkt gemessene). Die Basislinie ist etwa bei 280. Die ebenfalls zunehmenden Methan- und sonstigen Emissionen sind nicht einmal enthalten.

Wo das hinführt, kann man sich an einem Finger ausrechnen.

Ich fahre auch gerne Auto. Es ist einfach toll. Ich staune gerne Ferraris an. Ich kann mir vorstellen, dass es auch schön sein kann, mit so einem SUV durch die Gegend zu kutschen. Wie man hört lieben Männer sie wegen des Egos und Frauen, weil sie so schön sicher sind. Aber das ist alles Kinderkacke. Leute, die sich sonst ganz erwachsen verhalten, sind hier gedankenlos.

Und wir können niemals erwarten, dass 6 Millarden Menschen der weniger industrialisierten Welt ihre Konsumbedürfnisse einschränken, wenn wir hier in den Metropolen fett und bräsig auf unserem Emissionsstil beharren. Das geht nicht. Das ist doch wohl einleuchtend.

Es wirkt etwas verschroben, wenn man so etwas macht. Das kann ich spüren. Aber das ist für einen Meditierer interessant: so funktioniert der Mind. Wenn du etwas tust, was außerhalb der Norm ist, kommt dieses Verschrobenheitsgefühl. Das hat nichts zu bedeuten. Was man für richtig hält hingegen hat sehr viel zu bedeuten.

Also gebt Euch eine Ruck und zeichnet mit und teilt das irgendwie weiter.

 

 

 

Das Leben der Kontexte

Höre Radio und beobachte, wie jeder Satz durch Themenwahl, Wortwahl, Stimmlage &c. implizit einen Kontext aufspannt, auf den man einsteigen kann, den man modifizieren kann, ablehnen kann oder den man komplett brechen kann.

In jedem Gespräch entwickelt sich der Kontext von Satz zu Satz auf eine dieser vier Arten.

Unter Kontext kann man das gerade aktive Assoziationsspektrum verstehen.

Das Unangenehme positiv bewerten

Eine Übung, die helfen kann, aus der Falle des Angenehmen hinaus zu gehen.

Für die Menschen, die sich öfter in dieser Falle wiederfinden.

Unangenehmes ruft oft als Assoziationen unangenehme Bewertungen hervor, die aus dem Regal der in der Gesellschaft angebotenen Interpretationsmuster genommen werden. Es ruft Projektionen in die Zukunft hervor, dass es noch schlimmer werde &c.

Es folgen unter Umständen als Reaktionen zweiter Ordnung Bestürzung oder Ärger über diese Bewertungen und Projektionen.

Das ist ein Rattenkönig von unangenehmen Prozessen, die sich gegenseitig triggern.

Das kann man abschneiden, wenn man es schafft, das Unangenehme von vornherein positiv zu bewerten. Das muss man üben.

Das heißt nicht, dass man es als angenehm deklariert. Man gibt aber seinem Bauch und Geist mehr Raum, quasi ungestört damit umzugehen.

Man könnte es auch neutral bewerten. Das Positive aber ist eine zusätzliche Stärkung des Selbst.