Mein liebstes Fickbild

wurde Anfang des 16. Jahrhunderts vom flämischen Meister Barend (oder auch Bernard) van Orley unter dem Titel „Neptun und Nymphe“ gemalt. Eine solche Darstellung war für die damalige Zeit absolut haarsträubend, und nach dieser Quelle entging der Maler nur durch höhere Protektion der Todesstrafe.

Die Szene spielt sich zwischen Bäumen am Ufer eines von bewaldeten Hügeln umgebenen Sees ab. Man sieht keine Geschlechtsteile, weder Primäre noch Sekundäre. Das Paar ist in innigem Blickkontakt, still und fast versunken. Die Frau hat zeittypisch einen helleren Teint erhalten, um ihre Zartheit zu betonen, ihre Wangen sind von der Erregung gerötet. Sie umfasst des Geliebten Körper zärtlich und lässt sich dabei seine Hinterbacken nicht entgehen. Er ist bärtig, kultiviert, gutaussehend und ungemein muskulös, aber er dominiert sie in keiner Weise: beide sind in aufrechter Position und er blickt sogar ein wenig zu ihr auf, mit einem Ausdruck tiefer Zuwendung. Auch er lässt sich die Hinterbacken seiner Geliebten nicht entgehen, aber das sehen wir nicht.

Obwohl er sie sehr dynamisch und kraftvoll hält, mit der Diagonale seiner Schultern und Oberarme, ihren Hals in seiner linken Armbeuge, gibt es keine Hektik, kein Rammeln, sondern eine tiefe Ruhe, ein hingebungsvolles Verweilen miteinander und ineinander, eine stille, intensive, liebevolle Ekstase.

Eine größere Version des Bildes findet sich hier.

Die Resilienz des Schnittlauchs

schnittlauchDie Trockenheit des Sommers in Ostdeutschland hat die Bepflanzung unseres Daches verkümmern lassen. Die dünne Schicht Erde ist rissig geworden, die Pflanzen, im Wesentlichen kleine krautige Sukkulenten mit holzigen, wurmähnlichen Stengeln und kleinen, rotgrünen schaufeligen dicken Blättchen oder rötlichen Gnubbeln, sind braun und klein geworden, kaum noch von Erde zu unterscheiden. Doch es gibt noch eine andere Pflanzenart, die sich hier angesiedelt hat und halten kann: Schnittlauch. Seine Stengel sind von der Trockenheit gelblich-weiß geworden, wie Stroh.

Jetzt im Oktober legt sich morgens eine Menge Tau auf die Erde. Dieser und das Bischen Regen, das wir hatten, reicht offenbar aus, dass der Schnittlauch wieder zu wachsen beginnt. Kleine, noch dünne, aber gesunde hellgrüne Stengel sind aus den alten Nestern geschossen und sagen: Hallo, es sah zwar nicht so aus, aber ich bin noch da!

Ist das nicht ein schönes Symbol der Hoffnung?

Ein banaler Ubahnhof

2018-01-26 003 abends görlitzer bhf 1980breit

Ich liebe den Blick durch Öffnungen oder Scheiben  in Gehäuse, wie hier die Treppenhäuser, in denen Menschen hinauf- oder heruntersteigen. Erst im Nachhinein sah ich die Resonanz der schrägen Linien des außer Dienst gestellten Radweges und des Schattens der Gleisbrücke an der Wand. Das Bild hat große Tiefe nach rechts hin. Die planenartige Struktur am Fuß der Wand ist tatsächlich ein Bett, in dem nachts jemand schläft!

Düstere Gemälde des Feuers

PLUM2G

PLUM2G

Diese Bilder sind nach einem schlimmen Wohnungsbrand entstanden.
Das verdampfte Löschwasser war auf dem Ruß an der Treppenhauswand kondensiert und in Streifen heruntergelaufen. Das obere Foto ist gegen die schräge Unterseite der Treppe gemacht, das Untere gegen die Wand neben der Wohnungstür.