Über die Entscheidung, Corona-Schutzmaßnahmen zu vermeiden

Heftiger, wenn auch kurzer Streit mit einer Freundin. "Ich will mit dem Coronazirkus nichts zu tun haben! Keine Impfung, keine Tests, höchstens Abstand, Lüftung, Masken dort wo es muss." Ich sehe hier zwei Mechanismen am Werk: Den Triumph der Selbstbehauptung gegen Anforderungen durch "die Anderen". Ein "Nein!" lässt uns uns meist besser fühlen als ein … Über die Entscheidung, Corona-Schutzmaßnahmen zu vermeiden weiterlesen

Lob des Tagebuchs

Sein Material mag banal sein, doch ist es immer real, die Bedingungen der Gefühle sind real, also relevant, die Genüsse sind wirklich erlebt, ebenso wie die Leiden. Die Zuneigung ist warm im Innern, auch die Dankberkeit, die Qual des Zweifels ist echt, die Details einer Szene sind erlebt. Alles hat die Füße auf dem Boden. … Lob des Tagebuchs weiterlesen

Philosophie-Splitter

Kurzer Blick in Simon Critchleys "Continental Philosophy", von Mitbewohnerin herumliegen gelassen, regt mein Denken so an, dass ich nicht zu den Frühstücksvorbereitungen komme. C. geht zurück zu Kant um der Spaltung zwischen "Englischer" skeptisch-analytischer Philosophie und "kontinentaler" poetischer Philosophie auf die Schliche zu kommen. Johann Georg Hamann kritisiere Kant (1784) auf zweierlei Weise: dass dieser … Philosophie-Splitter weiterlesen

Unter der Café-Markise

Sonntagmittag mit Regen, zusammengewürfeltes Volk trinkt Kaffee unter der Markise vor dem kleinen türkischen Bäcker. Ein Deutscher mit Macbook, ich, zwei junge Araber: sehr schlank, perfekt frisiert, der mit der dunklen Sonnenbrille führt das Wort, der mit Vollbart ist stiller, beide respektvoll. Aus Syrien, mit der großen Welle 2015 gekommen, haben hier Deutsch gelernt und … Unter der Café-Markise weiterlesen

Die müden Augen

Als ich die sommerabendliche Straße entlangging, mit meinem Eiskonus in der Hand - Erdbeere mit Mascarpone, etwas zu süß und etwas zu teuer - und über meine großen Vorhaben und kleinen Fähigkeiten nachdachte, sah ich den Mann, jung vielleicht Dreißig, schwarz gekleidet, Fetzen und Löcher, schräg, sich weiterschleppend, hinkend zum Steinerweichen. "Wir sind hier in … Die müden Augen weiterlesen

Nachthimmel

Auf dem Dach. Wie üblich in B. der Sternenhimmel schütter, über dem Schornstein gerade so der Schwan auszumachen mit seinem großen Kreuz, hinter dem die Milchstraße wäre. Nehme den riesigen leeren Raum wahr, mit den winzigkleinen gleißenden Punkten darin: alles Wasserstoffbomben, die wegen ihrer Masse nicht explodieren, sondern gleichmäßig verglimmen, dabei in einem Jahr nur … Nachthimmel weiterlesen

Mauersegler

Paweł Kuźniar (Jojo_1, Jojo) / CC BY-SA Im Park die Mauersegler: sie fetzen in haarsträubendem Tempo drei Handbreit über dem Rasen dahin, mit schnellem, doch grazilem Flügelschlag, alle paar Meter unerwartet die Richtung wechselnd. Mich sehen sie nur als Hindernis, dem sie im letzten Moment ausweichen. Sie grasen die Luft ab nach Insekten, die sie … Mauersegler weiterlesen

Reichtum

Als ich aus dem Haus trete - es ist etwas kühl , mit hoher grauer Bewölkung - sind da die Bäume, die Sträucher in ihrem dunklen, vollen Grün des Frühsommers, in den Bepflanzungsstreifen auf dem Bürgersteig, und ich rieche sofort die noch etwas regenfeuchten Blätter, und bin überrascht wie jedes Mal, wenn ich aus der … Reichtum weiterlesen