Solare Fernwärme für Berlin – eine Petition

Habe gerade eine Versuchsballon in die höheren Sphären der Berliner Politik aufsteigen lassen – mal sehen, ob dadurch etwas Gutes passiert!


Das Abgeordnetenhaus möge beschließen, in Berlin solare Fernwärme mit saisonaler Wärmespeicherung im großen Maßstab zu verwirklichen – möglicherweise auf der Fläche des heutigen Flughafens Tegel.

Solare Fernwärme mit saisonaler Wärmespeicherung besteht aus einem großen Sonnenkollektorfeld und einem Erdbecken-Wärmespeicher. (Es sind auch andere Wärmequellen möglich: So kann z.B. Überschusswärme aus der Kraft-Wärme-Kopplung zwischengespeichert werden, um diese effizienter werden zu lassen.) In Dänemark ist dieses Konzept bereits in einer ganzen Reihe von Projekten realisiert. Es wird dort ganzjährig Fernwärme zu wettbewerbsfähigen Kosten bereitgestellt.

Im Gegensatz zu Elektroenergie lässt sich Wärmeenergie mit geringen Verlusten saisonal speichern, wenn die Speicher groß genug sind. Dies löst auf dem Gebiet der Wärme das Problem der sogenannten Dunkelflaute.

Eine solche Anlage lässt sich sukzessive erweitern, wobei bei jeder Ausbaustufe die Erfahrungen der Vorherigen sowie der Fortschritt der Technologie berücksichtigt werden können. Dies ist notwendig, um die technisch anspruchsvolle Integration in die vorhandene Fernwärme-Infrastuktur zu bewältigen. So kann die Wahrscheinlichkeit von Fehlern und Kostenüberschreitungen minimiert werden.

Das Fernziel wäre eine Größenordnung von 1 – 3 km², für die eine entsprechende Flächen-Widmung vorgesehen werden müsste. Zusammen mit Gebäudeisolierung und zunehmender Verbreitung von Niedertemperaturheizungen lässt sich so perspektivisch eine Null-Emissions-Stadt auf dem Gebiet der Wärme erreichen.

Die Signalwirkung und der Imagegewinn für Berlin wären immens. Dazu kommt die zunehmende Unabhängigkeit von Erdgaslieferungen aus dem Ausland. Die Berliner Universitäten sollten zu wissenschaftlichen Begleitung des Vorhabens hinzugezogen werden und so das Bild Berlins als Technologie- und Wissenschaftsstadt fördern.

Privater Stromverbrauch könnte halbiert werden

Der durchschnittliche deutsche Vierpersonenhaushalt verbrät am Tag 13,5 kWh Strom, und zwar (Quelle):

Fernsehen, Audio, Büro3,5
Kühlen2,3
Warmwasser2,0
Klima, Wellness, Garten, &c.1,7
Waschen, Trocknen, Spülen1,7
Kochen1,3
Licht1,1

Der durchschnittliche deutsche Haushalt hat weniger als vier Personen und ist pro Person noch energiehungriger.

Meine WG verbrät am Tag 2,8 kWh mit vier Personen, und wir schränken uns nicht bewusst ein. Gut, wir kochen mit Gas und haben Warmwasser von der Zentralheizung. Wenn ich das beim Durchschnittsdeutschen rausnehme bleiben immer noch 10 kWh pro Tag, also das 3,6-fache von uns. Der Durchschnittsdeutsche verbrät mehr für’s Fernsehen als wir für alles zusammen.

Anders ausgedrückt: die elektrische Anspruchshaltung der Deutschen ist wahrscheinlich ein Bischen überzogen, milde ausgedrückt.

Ich denke, der Deutsche käme auch mit der Hälfte des Stroms gut aus – wenn er wollte. Das würde eine Menge Druck aus der CO2-Bilanz und der Ausbaunotwendigkeit für Wind und Solarstrom rausnehmen.

Einschätzung der „Energiewende“

Ich bin ja oft auf dem Newsagglomerator piqd.de und setze dort viele Posts ab.

Nun hat jemand auf dort eine kurze Analyse Heidelberger Wissenschaftler verwiesen, die die mediale Fokussierung auf den Stromsektor als große Schlamperei entlarvt, hier nur eine Grafik, die für sich selbst spricht:

Dazu folgende Bemerkungen:

Eine ernüchternde, wertvolle Analyse. Es ist allerdings notwendig, das Ausblenden von Verkehr, Heizung, Prozesswärme in der Berichterstattung zu beenden.

Eine Anmerkung: Der Export billigen Braunkohlestroms hat bisher die deutsche Klimabilanz zusätzlich verhagelt. Der hört ja nun auf. Ich bin gespannt, wie sich das emissionsmäßig auswirkt.

Des Weiteren zeigt sich, dass Solar- und Windstrom wohl sehr lange ein knappes Gut bleiben werden und man damit haushalten muss. Es zeigt sowohl die Notwendigkeit von Offshore-Wind und in der logischen Folge des Netzausbaus – hier herrscht oft noch eine Mimosenhaftigkeit – als auch einer etwas robusteren Haltung in Bezug auf die Abstandsregelungen.

Erneuerbare so weit ausbauen, dass im Sommer Energie gespeichert werden kann – in Form von Wärme, die sich fast ohne Verluste saisonal speichern lässt (http://www.saisonalspe…) oder – unter Inkaufnahme von Verlusten – in Form von Wasserstoff oder auch von Methan.

Damit kann das Problem der Dunkelflaute zumindest, was die Heizung angeht, gelöst werden. Allerdings braucht man dafür auch Flächen. Von nichts kommt nichts.

Die vernichtende Einschätzung der E-Autos teile ich, solange Strom noch weitgehend fossil erzeugt wird.

All dies wird schwierig auf dem momentanen Verbrauchsniveau. Der Energiebedarf insgesamt muss deutlich gesenkt werden. Wir stoßen mit dem Wind an einen Flächenmangel. Das heißt: weniger und langsamerer Individualverkehr und viel mehr Wärmedämmung. Wandel der Industrie: weniger und dafür langlebigere und reparier- und recycelbare Dinge herstellen. Auch die privaten Haushalte aasen noch ziemlich rum mit dem Strom. Meine WG verbraucht weniger als ein Viertel des Stroms eines gleich großen durchschnittlichen deutschen Haushalts!! Da ist noch sehr viel Luft. Aber Das muss alles angestoßen werden, das passiert nicht von selbst!

In Summa zeigt der Text, wieviel Weg noch vor uns liegt und wie schwierig es ist, sich aus den atomisierten, ereignisgetriggerten Meldungen der Mediosphäre ein zutreffendes Gesamtbild zu schaffen.

Es zeigt auch, dass weiterhin eine ungeheure Motivations- und Aufklärungsarbeit zu leisten ist. Die meisten Menschen haben gar keine Vorstellung davon, wie die Lage aussieht, und wie tief die Veränderungen sind, die vor uns liegen – und viele wollen es auch nicht wissen.

Das „Nein“ als Kulturtechnik

Las hier (Paywall) über den schwedischen Strafrechtsparagraphen, nach dem eine sexuelle Aktivität bereits dann mit mindestens 2 Jahren Gefängnis bestraft wird, wenn der passive Mensch kein explizites „Ja“ geäußert hat. Das ist sozusagen die strafrechtliche Fortsetzung der Meetoodebatte.

So wie es eine männliche Kulturtechnik ist, sich beherrschen zu lernen, ist es meiner Meinung nach eine weibliche Kulturtechnik, zu lernen, Männer abzutörnen. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass Erregung die Realitätswahrnehmung verschiebt. Das ist nicht immer einfach zu beherrschen, besonders wenn man jung ist.

Nein-Sagen muss man lernen und üben. Wir reden hier nicht über krasse Gewalt oder Drohung damit, sondern über Interaktion zwischen Erwachsenen, über Interaktionen an der Grenze. Ein angemessenes, abgestuftes „Nein“ geben zu können – von der Körpersprache, über eine freundliche Abgrenzung, über ein klares, scharfes „Nein“, bis hin zu offener Aggressivität – es gibt Naturtalente, aber die meisten können das (noch) nicht. Die Frauen, die es können, müssen es ihren Geschlechtsgenossinnen beibringen.

Dass es auch Männer gibt, die nicht Nein sagen können, ist eine Binsenweisheit.

Das gilt nicht nur für Interaktionen zwischen Männern und Frauen und nicht nur im sexuellen Bereich: wenn ich mich nicht darauf verlassen kann, dass mein Gegenüber mir eine Grenze setzt, wenn ich unerwünscht in seinen/ihren Bereich vordringe, muss ich meine eigenen Lebensäußerungen beschneiden. Das „Nein“ des Andern macht mich frei. Jeder und Jede wünscht sich ein ausgewachsenes Gegenüber.

Das eben gesagte heißt natürlich nicht, dass wir nicht ein bischen gucken müssen, ob unser Gegenüber so beweglich ist, wie wir uns das wünschen; es ist mitnichten ein Freibrief.

Petition zum Klimaschutzgesetz – bitte mitzeichnen

Diesmal nicht von mir, sondern von Sabine Ponath. Deswegen nicht weniger wichtig. Bitte teilen und mitzeichnen…..

Petition 92294
Klimaschutz – Verabschiedung eines verbindlichen, sektorübergreifenden Klimaschutzgesetzes vom 17.03.2019
Text der Petition
Der Deutsche Bundestag möge beschließen, innerhalb der nächsten sechs Monate ein verbindliches, sektorübergreifendes Klimaschutzgesetz zu verabschieden, das zum Ziel hat, die Netto-Emissionen von CO2 und anderen Treibhausgasen schnell abzusenken und bis 2040 möglichst auf null zu reduzieren. Die Klimaziele müssen verbindlich, unaufschiebbar und überprüfbar sein. Das Klimaschutzgesetz muss so schnell wie möglich mit dem Ziel die Erderwärmung auf 1,5 Grad Celsius zu begrenzen, in Kraft treten.

Begründung
Fridays for Future – eine Bewegung hat auch Deutschland erfasst. Tausende Schülerinnen und nun auch Erwachsene gehen für echten, effektiven Klimaschutz auf die Straße. Am 12. März 2019 veröffentlichten auch über 23.000 anerkannte Wissenschaftlerinnen als “Scientists4Future” eine Erklärung, die schnelle Taten einfordert und die Klimastreiks der Schüler*innen fundiert unterstützt.

Auf der Pariser Klimaschutzkonferenz (COP21) im Dezember 2015 haben 195 Länder erstmals ein allgemeines, rechtsverbindliches, weltweites Klimaschutzabkommen verabschiedet, darunter auch Deutschland. Jedoch hat Deutschland bis heute kein Klimaschutzgesetz, mit dem das Pariser Klimaschutzabkommen einzuhalten wäre.

Schon jetzt ist klar: die Klimaschutzziele bis 2020 wird Deutschland klar verfehlen.

Das Abkommen sieht vor, die Erderwärmung auf deutlich unter 2 Grad Celsius zu begrenzen, um einem gefährlichen Klimawandel und einer damit verbundenen Heißzeit entgegenzuwirken. Eine Begrenzung auf 2 Grad Celsius wird nicht ausreichen, um sehr negative Klimafolgen abzuwenden, die gängige Wissenschaft (vgl. Weltklimarat (IPCC)) befasst sich nunmehr mit Szenarien, in denen eine Reduktion auf 1,5 Grad Celsius erreicht werden soll.

Der Klimawandel ist Fakt, er betrifft uns alle, weltweit und ist eine reale Bedrohung für die Menschheit. Verteilungskriege, extreme Unwetter, Hunger, die Zerstörung der Heimat vieler Menschen sind nur der Anfang. All das hat schon jetzt begonnen. Die Scientists4Future warnen: “Bei zunehmender Erwärmung der Erde werden gefährliche klimatische Kipp-Punkte des Erdsystems, d. h. sich selbst verstärkende Prozesse, immer wahr­scheinlicher. Dies würde dazu führen, dass eine Rückkehr zu heutigen globalen Temperaturen für kommende Generationen nicht mehr realistisch ist.”

Die Jahre 2015 bis 2018 waren nach Analysen der Weltorganisation für Meteorologie die vier wärmsten seit Beginn der Aufzeichnungen. Um zu verhindern, dass die Erde sich bis Ende des Jahrhunderts um drei Grad Celsius oder mehr erhitzt, muss der Ausstoß von Treibhausgasen konsequent und so schnell wie möglich reduziert werden. Dazu gehört, die Verbrennung von Kohle bis 2030 fast vollständig zu beenden, die Verbrennung von Erdöl und Erdgas gleichzeitig zu reduzieren, bis alle fossilen Energieträger durch klimaneutrale Energiequellen ersetzt worden sind.

Für die Petentin zeigt sich anhand der Differenzen zwischen den Ministerien schon jetzt, wie wichtig eine klare und verbindliche Gesamtstrategie ist. Sinn- und wirkungsvolle Einzelmaßnahmen sind sicher hilfreich, aber sie haben sich bislang bei weitem nicht als ausreichend erweisen. Deutschland benötigt so schnell wie möglich ein verbindliches Gesetz, um bei der Klimaerwärmung eine wirksame Notbremse zu ziehen. Wir haben lange genug geredet: Deutschland braucht ein Klimaschutzgesetz. Jetzt.

Sloterdijk und Palestina

Lese seit längerem in kleinen Häppchen den Salonphilosophen Sloterdijk: „Zorn und Zeit“. Der Mann hat so viele witzige und (finde ich) treffende, manchmal auch bissige, Wort- und Begriffsschöpfungen, dass ich jedes Mal in Jammer darüber ausbreche, dass die meisten davon allzubald im Strom der Zeit aus meinem Gedächtnis davongeschwommen sein werden.

Die Grundidee des Buches ist die Darstellung von Zorn, Machtausübung und Selbstbehauptung – oder den Wunsch dazu – in der Geschichte der Kollektive. Im Moment bin ich bei seiner Abhandlung des Alten Testaments und hier speziell der Genesis und der Psalmen.

Er interpretiert Erstere nicht nur als großartige Erzählung des Anfangs der Welt, sondern auch als eine subtile Zornreaktion der Juden auf ihr babylonisches Gefangensein: gerade die elementare geistige Wucht der Erschaffung der Welt durch den Einen Gott demonstriere für jeden dessen Überlegenheit über die Bedrücker und deren „polytheistische Entourage“.

In den Psalmen findet Sloterdijk ehrlich bewegt „singuläre spirituelle Reichtümer“, die keinen Vergleich etwa mit indischen oder chinesischen Texten zu scheuen brauchten. Und doch sind dort bittere und innigste Hassausbrüche verzeichnet: Möge der Eine Gott doch die Unterdrücker töten. Man spart nicht mit Bildern, in denen deren Vernichtung ausgemalt wird.

Für Sloterdijk ist das nicht nur Ausdruck einer innigen seelischen Not, die sich Luft verschaffen will, sondern Anhäufung eines Zornschatzes, den man jederzeit zur Wiederauffrischung des Gefühls verwenden könne, Beginn des Phänomens, das man Militanz nennt, „verliererpsychologische Binnenkommunikation“.

Ich musste dabei an die palestinensischen Araber denken, die auch in einer Art babylonischer Gefangenschaft leben, unter der direkten oder indirekten Herrschaft Israels. Die Mechanik des Zorns funktioniert in jeder Richtung.


Anmerkung:
Unter der Bezeichnung „Palestinenser“ nur die arabischen Palestinenser zu verstehen ist eine falsch gewordene Benennungstradition – schließlich ist Palestina die Landschaft, in der Israel liegt, und jeder Israeli ist daher auch Palestinenser. Man tut immer noch so, als seien die jüdischen Israelis (auch hier genau sein!) die Dazugekommenen, die Einwanderer.

Eine Miniatur aus dem 6. Stock

Sah über I.’s Schulter den Ersten der beiden Brechtfilme auf Arte auf dem iPad. Die jungen Schauspieler von heute treffen den Ernst der realen Menschen von damals nicht, soviel Mühe sie sich auch geben. Man ist viel zu verbindlich dafür, zu zart. Ich verstand eine Menge durch diesen Film: die Stücke in ihrem Kontext der Zeit, wie die Beggar‘s Opera („Die bürgerliche Lebensform der Verbrecher – und die verbrecherische Lebensform der Bürger.“) Und im Kontext der kommunistischen Weltsicht Brechts („ Die Aneignung des Mehrwerts durch den Kapitalisten ist das erste Verbrechen, aus dem alle Anderen folgen.“) Die schöne junge Sekretärin Elizabeth „Bess“ (Hauptmann) setzt sich eifrig zum Diktat. Der ebenfalls junge Meister spielt Klavier, ebenso wie sie. Man engagiert Weill, der schwungvoll und gerade schräg genug komponiert. Junge Menschen bauen ihr Leben auf, so gut sie können. Mit Helenen und 2 ½ Kindern in Haus am Ammersee, man hat inzwischen Geld. Er weiß genau was er tut. Ein Ausnahmemensch und als solcher für mich lebensgefährlich – auf der Stelle zu erschießen. Dann die Menschen („in sinnloser Begeisterung“) auf den nächtlichen Straßen Berlins, es ist der 30. Januar 1933.