enough is enough

Es gibt eine Subkultur von Selbstständigen („Freelancern“) im Bereich Grafik, Webdesign und -Programmierung, Texten und noch anderen Gebieten, die es genießen, ohne Chef zu arbeiten. Einer von denen, Paul Jarvis, schreibt in Kanada einen Newsletter, der Authentizität, Realismus und Besonderheit vertritt (anstatt das übliche „makemoremoneygetmoreandbetterclients“).

Er hat kürzlich einen Text über das persönliche „Genug“ geschrieben, den ich so wertvoll finde, dass ich ihn hier verlinke.

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Europa und das tägliche Leben

diem25-websiteEuropa bedeutet für mich  – auf der Ebene meines täglichen Lebens – kaum etwas. Jedenfalls scheint es so. Aber dann sehe ich meine spanische Mitbewohnerin, und mir wird klar, wie deutlich der Prozess des Zusammenfügens voranschreitet, und wie positiv die politische Institution Europa sich hier ausgewirkt hat.

Aber Europa bedeutet für mich auf der Ebene des Politischen etwas Begeisterndes. Eine Familie mit sehr verschiedenen Mitgliedern, die dennoch eine Familie sind. Und ich wünsche uns, dass es ein europäisches Handeln gebe, das über den kleinsten gemeinsamen Nenner der Meinungen der 28 Staatschefs hinausgehe, die ihrerseits mehreren Dutzend nationaler politischer Parteien verantwortlich sind.

Der Guardian hat jetzt eine Artikelserie über Europa gestartet, die einen Überblick über viele verschiedene Aspekte des Annäherungsprozesses ermöglichen soll. In einem der ersten Artikel darin geht es um die Ungleichheit der Einkommen: Europa ist die Weltgegend mit den geringsten Einkommensunterschieden. 1)

Die Existenz multinationaler Konzerne erzwingt supranationale politische Organe. Das ist ja wohl trivial.

Das europäische politische System ist nicht undemokratisch, aber es beruht auf den Nationen und ihren Interessen, die ausgehandelt werden müssen – und nicht auf dem europäischen Bürger, der zufällig in dieser oder jener Nation lebt. Dieses andere Denken entwickelt sich langsam und das finde ich gut.

Eine neue, linke, europäische Partei hat sich vor kurzem gegründet, das DiEM25 (Democracy in Europe – Movement 2025). Das berührt mich. Sie haben ein „Manifesto“ geschrieben, das wohl nicht zufällig an jenes andere Manifest erinnern soll, das 1848 erschienen ist. Sie hatte ihre Gründungsversammlung in der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz in Berlin!! Lustig, nicht. Und Workshops in Räumen der TU, meiner Alma Mater.

Ich bin noch unschlüssig, ob ich mich dort engagieren werde, aber ich werde die Sache auf jeden Fall auf dem Schirm behalten.

1) Skandinavien ist führend, Frankreich und Deutschland fast gleich und Spanien, Griechenland in Europa am ungleichsten. Mexico, USA, Türkei, Chile weltweit unter den OECD-Ländern (Quelle).

Werbefritzen dieser Welt…

Wenn ich eine Jacke oder Stiefel, die ich mir kürzlich in einem Webshop angeguckt habe, ungefragt auf einer komplett verschiedenen Website sehe, werde ich wütend und verliere jede Lust, dort noch etwas zu kaufen.

Putzen ist Frauensache

Sehe ich eine Anzeige für einen Wischmop mit „Rotationseimer“ – wat is dat denn???

Gehe ich auf die Website einer bekannten Reinigungsartikelfirma und schau mir deren Werbevideo an  – und mich trifft der Schlag: Ich denke ich bin auf einer Zeitreise fünfzig Jahre in die Vergangenheit.

„Warum wechseln immer mehr Frauen zum Dadidada-Wischmop?“ fragt eine interessant-expertenhafte Männerstimme. Vier oder fünf wohlgekleidete Frauen in wohlgestalteten Mittelklassehäuschen zählen begeistert alle Vorteile des Apparats auf. Eine davon, eine Jüngere, sagt mit süßer Mädchenstimme: „Den Dadidada habe ich von meiner Mama bekommen…“

. ..    ……. ? ………..  ???……… ! ………… …..             .

 

 

Prokrastination, Sucht, Achtsamkeit und Motivation

In einem Prokrastinationszyklus erlaubte ich mir, TEDx-Talks zu diesen Themen anzuschauen, und zwar hier, hier und hier.

Der Geist des Prokrastinators

Während im Geist eines normalen Menschen idealerweise ein rationaler Kapitän das Steuer allein in der Hand hat, gibt es im Geist des Prokrastinators (Aufschiebers), gemäß der bahnbrechenden Theorie Tim Urbans, noch eine weitere Figur: den Sofortbelohnungsaffen.

Sobald der rationale Kapitän zu der Einschätzung kommt, dass es an der Zeit wäre, zu arbeiten oder etwas anderes sinnvolles, aber komplexes, risikobehaftetes oder sonst unangenehmes zu tun, springt der Sofortbelohnungsaffe auf, ruft: „Das ist eine ganz schlechte Idee!“schubst den rationalen Kapitän weg vom Ruder und steuert das Schiff zur nächsten Aktivität, die einfach und angenehm ist. instan-gratification-monkey

Die meisten Prokrastinierer haben allerdings noch ein zweites Wesen in ihrem Geist, das das Schlimmste verhütet:

the-panic-monster

wenn auch um einen hohen Preis.

Ich habe mich ziemlich wiedergefunden in diesem Modell.

Nach meiner Erfahrung kann der Sofortbelohnungsaffe vollkommen immun sein gegen moralische oder vernünftige Argumente oder Drohungen aller Art, unterhalb der Schwelle des sicheren Untergangs.

Ein Mittel, das allerdings hilft, ist, ihn ein bischen zu vertrösten: Du darfst ran, aber ein bischen später. Jetzt wird etwas gearbeitet und dann gibt es relativ bald eine Pause für dich. Wenn ich dann drin bin, kann ich die versprochene Pause auch aufschieben, ohne größere Probleme.

Er ist mir nicht böse, sondern eigentlich ganz froh dann. Er ist nämlich nicht entspannt. Seine Fröhlichkeit ist aufgesetzt. Wenn ich ihn so austrickse, kann er ein bischen entspannen.

Sucht und Achtsamkeit

Im zweiten TEDx-Talk ging es um Sucht und wie Achtsamkeit gegen sie helfen kann. Letztlich ist der Sofortbelohnungsaffe auch ein Suchtphänomen. Das Kernprinzip ist:

  • Man lernt, die Aufmerksamkeit auf die unmittelbare Gegenwart des Körper-Geistes zu lenken.
  • Und zwar nicht hauptsächlich über eine Vorschrift, sondern durch die Entwicklung von Neugier und Interesse, d.h. über eine angenehme Motivation.
  • Dieses lernt man unmittelbar vor Einsetzen der Suchthandlung abzurufen.

Eine Reihe von Effekten kommen zusammen:

  • Der Automatismus wird unterbrochen.
  • Man vermeidet den Widerstand dagegen, dominiert zu werden oder etwas Angenehmes loslassen zu sollen.
  • Man deaktiviert Motivationen sekundärer Natur (wie etwa sozial gut dazustehen).
  • Man nimmt u.U. das Unangenehme des Tuns, das bei Rauchen, Saufen oder Spritzen vorhanden ist, wieder als relevant wahr.

Elemente von Motivation

Im dritten TEDx-Talk werden eine ganze Reihe von Motivationshilfen angesprochen.

Scott Geller ist ein sehr lebendiger, freundlicher Mann, dem ich gerne zugehört habe.

Er bietet drei Leitfragen an, um einen Menschen (auch sich selbst) zu einer konkreten Aufgabe zu motivieren, die mit Ja beantwortet sein müssen:

  1. Kannst du es (mit den gegebenen Ressourcen an Zeit, Können und Mitteln)?
  2. Wird es den beabsichtigten Effekt haben, d.h. funktionieren?
  3. Ist es den Aufwand wert?

Interessanterweise können diese Fragen nicht objektiv beantwortet werden. Z.B. hängt die Antwort auf Frage 2 von der Perspektive ab. Eine Aktion kann in einem kleineren Maßstab funktionieren, aber in einem Größeren nicht. Frage 3 ruft den Vergleich mit anderen Zielen hervor und setzt voraus, dass eine gewisse Zielklarheit vorhanden ist, eine Selektion.

Es reicht aber, eine Weltsicht zu finden, in der die Fragen mit Ja beantwortet werden können, um Motivation herzustellen. Das ist dann die Kunst.

Weitere Elemente kurz:

  • Gesehenwerden und soziale Verbundenheit
  • Entscheidungsmöglichkeiten
  • Offenheit dafür, dass alles ganz anders sein könnte und dass man von jedem Menschen, auch von einem Schüler, etwas lernen könnte
  • Die Sichtweise der Gelegenheit zu … im Gegensatz zur Bedrohung durch …

 

Einige Klima- und Umweltblogs

Als regelmäßiger Reisender in der Klima-Blogosphäre will ich einige meiner öfter besuchten Seiten mal aufführen – vielleicht findet der Eine oder die Andere was davon interessant

Taminos „Open Mind“ – Blog

Tamino ist Statistiker, d.h. er weiß alles über Curve-Fitting, Vertrauensbereiche und Autokorrelations-Varianten. Als solcher nimmt er sich gelegentlich die  fragwürdige statistische Vorgehensweise von Klimawandelabstreitern vor, mit Ausflügen in benachbarte Themenbereiche.

Ugo Bardis „Resource Crisis“ – Blog

Bardi ist Professor für physikalische Chemie in Florenz, Italien. Sein Themenspektrum ist zentriert um, nun ja, die Ressourcenkrise, die sich abzeichnet, und Systemtheorie à la Club of Rome, insbesondere die „Seneca – Klippe„, sein Steckenpferd. Aber er interessiert sich auch für Probleme der Kommunikation und Denkweise in sozialen Systemen und anderes. Sympathisch.

Der Doom-and-Gloom-Blog „desdemonadespair.net“

Um den zu lesen muss man schon eine leicht perverse Lust am Ende der Welt in Scheibchen haben. Größtenteils aus anderen Quellen übernommene Beiträge. Nicht nur Klimawandel und Verwandtes (wie z.B. Waldbrände, Trockenheit et sim.) sondern auch Chemieunfälle, Artensterben und ähnlich erbauliche Dinge.

Der ziemlich wissenschaftliche Klimablog „realclimate.org“

Hier sind die Beiträge seltener, dafür erfährt man etwas über den aktuelle Fortschritte der wissenschaftlichen Entwicklung. Hat eine lange Liste von weiteren klimarelevanten Netzstellen. Stefan Rahmstorf vom Potsdam Institut für Klimafolgenforschung schreibt hier gelegentlich auch. Dieses trifft auch auf

Klimalounge

zu, mal einem deutschsprachigen Blog, nicht ganz so insiderhaft wie realclimate, aber auch mit wissenschaftlichem Anspruch.

Thinkprogress.org

Eine eher VS von A – zentrierte Nachrichtensammelstelle mit umweltrelevanten Stories.

Texas, Syrien und Indonesien und das Zertifikatesystem für Emissionen

Ein Film über den Klimawandel an drei Orten:

Texas: Hier glaubt man intensiv an Gott und daran, dass die Menschen das Klima nicht ändern können, und die Dürre, die die Landwirtschaft ruiniert, gottgegeben ist. Eine Klimawissenschaftlerin, die das Kunststück fertig bringt, gleichzeitig gläubige Christin zu sein, reist herum und bringt den Leuten die Realität des Klimawandels nahe.

Syrien: Es sind die ehemaligen Bauern, deren Existenz durch die lange Dürre vor dem Bürgerkrieg zerstört wurde, und die vom Regime keinerlei Hilfe bekamen, die als erste zu den Rebellen gegangen sind (siehe auch hier).

Indonesien: Hier ist die Regierung so korrupt, dass nicht einmal der Nationalpark vor der kompletten Umwandlung in Palmölplantagen geschützt wird.

40 % der weltweiten CO2-Emissionen stammt aus Entwaldung.

(Deshalb muss man auch bei Holzpellets darauf achten, dass sie nicht aus Holzraubbau stammen – aber wie das prüfen bei Importware? siehe z.B. hier. Generell lautet die Devise aber: “Nicht heizen, dämmen!”)

Indonesien ist sowohl absolut als auch pro Kopf einer der bedeutendsten Treibhausgasemittenten der Welt – allein wegen der phantastischen Emissionen, die die Brandrodung seiner Wälder verursacht (siehe hier).

yearsoflivingdangerously_indonesiannationalpark_3 Bild: Palmölsetzlinge in zerstörtem Indonesischem Nationalparkgelände

Es gibt verschiedene Versuche, den Palmölwahn zu stoppen. Die EU hat nach langen Jahren eine Kennzeichnungspflicht bei Lebensmitteln eingeführt, die allerdings erst Ende 2014 greift und nicht umfasst, ob das Öl auf brandgerodeten Flächen erzeugt wurde. (siehe hier).

Emissionszertifikate: Hier würde ein generelles, den Import umfassendes Zertifikatesystem helfen. Der Importeur müsste den Emissionen seines Produkts entsprechende Zertifikate kaufen. Das würde bedeuten, dass er die Herkunft seines Palmöls plausibel nachweisen müsste. Palmöl aus Brandrodungsgebieten würde teurer und weniger nachgefragt. (Siehe auch hier.)

Ach es könnte alles einfacher sein… Das ist alles so weit weg von unserem täglichen Leben. Noch.