Klimawandel nervt – ihn zu bekämpfen auch

Freunde sitzen zusammen. Man beschließt, im nächsten Jahr nach Australien zu fliegen, um einen von uns zum 60. Geburtstag zu besuchen. Zwei mal 16000 Kilometer. Kann man als bewusster Mensch nicht machen, sowas. Töchter fliegen nach Ghana oder Mexiko zum Sozialpraktikum, ohne auch nur eine Sekunde zu zweifeln.

Der Vermieter will die Wohnung begehen. Technischer Zustand und auch „Energiesparpotentiale“. Wenn das mal nicht auf eine energetische Sanierung hinausläuft. Der Klimaschützer in mir kann das nur begrüßen. Der Gegenwartsmensch in mir jedoch fürchtet, durch die umgelegten Kosten die Wohnung nicht mehr halten zu können. Das täte richtig weh.

Nur zwei Aspekte, wo Klimaschutz unangenehm bis richtig unangenehm ist – und zwar besonders, wenn man es als Einzelner tut.

Ich will das nicht kritisieren, ich will es nur würdigen. So kann es sich anfühlen. Es ist kein Wunder, dass die Leute es verdrängen – bestenfalls aus ihrer Zuständigkeit in die politische Sphäre, schlimmstenfalls total.

Unter Andrem auch deswegen brauchen wir die politische Ebene. Die Hürde für den Einzelnen ist verdammt hoch, zumindest solange die Mainstream-Menschen noch so ignorant sind.

It’s the things, stupid!

co2footprintHabe kürzlich meinen CO2-Fußabdruck abgeschätzt, hier. Liege ziemlich bei der Hälfte des deutschen Durchschnitts. Kein Auto. Kein Durchlauferhitzer. Wenig Fernreisen.

Eine Sache frappierte mich: dass im deutschen Durchschnitt nicht die Heizung und Warmwasser, nicht die Mobilität am meisten Emissionen verursachen, sondern der „sonstige Konsum“, d.h. das Kaufen von Dingen und Dienstleistungen in der Freizeit.

Mein eigener größter Posten ist die Ernährung. Hier würde vegan zu essen nochmal eine halbe Tonne herausholen. Dann kommt die Wärme. Da merkt man dann den nichtisolierten Altbau.

Facit: Repariert! Kauft gebraucht! Kauft wenig, dafür hochwertig!

Demythifizierungen

Es gibt in Bezug auf den Klimawandel schon lange skepticalscience.com, wo gängige falsche Konzepte von Leuten, die glauben, der Klimawandel sei nicht existent, oder nicht menschengemacht, oder harmlos widerlegt werden.

Nun gibt es eine ähnliche Website für die Energiewende: ee-mythen.de.

Den Tipp habe ich von piqd.de, wo man Inhaltsangaben interessanter Artikel aus dem Netz findet, die von Redakteuren und auch Community-Mitgliedern zusammengestellt werden. Dies ist ein Bezahldienst – allerdings nicht teuer. Wer Wert ohne Werbung will, muss auch Wert zurückgeben…

 

Erfreuliche Nachricht aus dem Bundestag

Einige der Leser werden sich vielleicht an meine Petition an den Deutschen Bundestag erinnern, dass doch die Emissionswerte bitteschön möglichst groß in jeder Autowerbung auftauchen möchten. (hier gebloggt).

Nun ist diese tatsächlich vom Petitionsausschuss als Beschlussempfehlung an den Bundestag verwiesen worden. Genauer gesagt wird empfohlen, die Petition „als Material“ an das Verkehrsministerium zu überweisen, das derzeit die „Verordnung über Verbraucherinformationen zu Kraftstoffverbrauch, Kohlendioxidemissionen und Stromverbrauch neuer Personenkraftwagen“ überarbeite.

Die Abstimmung des Bundestages ohne abschließende Aussprache wird stattfinden am Donnerstag, 18. Oktober 2018!

Na wenn das nichts ist!!

Hoffentlich lesen die Menschen, die sich damit befassen werden, auch die Diskussion im Petitionsforum des Bundestages, wo ich zwei wichtige Ergänzungen untergebracht habe:

  1. Die Emission nicht in g/100km, sondern in t/10.000km angeben und
  2. Die bei der Herstellung entstandene Emission mit angeben.

Eine habe ich noch vergessen, nämlich diese Werte auch bei Elektroautos mit anzugeben.

Nach dem 18. Oktober werden wir mehr wissen.

Dann muss die Petition immer noch durch die Mühlen des Ministeriums, wo sie wahrscheinlich durch den Fleischwolf gedreht wird… (seufz)

 

Es tut überhaupt nicht weh – Emissionskompensation

reiserouteFliegen ist BÖSE. Das sollte sich mittlerweile herumgesprochen haben.
Deswegen bin ich auch mit der Bahn in den Urlaub gefahren, 1700 km nach Neapel. Macht 85 kg CO2 (etwa…).
Dann noch etwas mit dem Schiff und Bus, ca. 20 kg.
Auf der Rückreise bin ich dann schwach geworden und geflogen. Macht noch einmal 145 kg, was wegen der Emission in großer Höhe um den Faktor 3 verstärkt wirkt, also 390 kg CO2-äquivalent.
Summa Summarum ca. 500 kg.
So und weil ich ja so ein guter Mensch sein will, bin ich zu Atmosfair gegangen und habe Projekte mit einem Einsparungswert von 1 Tonne finanziert, macht 50 €. Zweifel an der behaupteten Einsparungsmenge sind nämlich angebracht, daher ein Sicherheitsfaktor von 2. Bei Reisekosten von um die 1000 € ein Spottpreis, ein Witz.

Es ist ganz einfach und tut überhaupt nicht weh.

Wirtschaftswachstum und Ressourcenverbrauch

Hier ein Zusammenfassung verschiedener Studien über den Ressourcenverbrauch der Menschen im Jahr 2050 unter der Bedingung maximaler Anstrengung zu dessen Verminderung.

Ergebnis: Wir würden statt das 3,5-fache des nachhaltig Möglichen nur noch das 2- bis 2,5-fache verbrauchen.

Was bedeutet, dass eine Ressourcenerschöpfungskatastrophe ein paar Jahre später einträte.

Endlich, endlich, endlich – CO2-Emissionspreise ziehen an

18 08 24 carbon priceFür die Menschen, die das EU-Emissionspreissystem beobachten, war die Lage jahrelang zum Verzweifeln, Resignieren, Wahnsinnigwerden und Haareausraufen: Eine Tonne CO2 zu emittieren kostete nicht mehr als 5 € und es war kein Fortschritt abzusehen. Damit war das System wirkungslos. Es gab viel zu viele Emissionsrechte. Und es gibt immer noch viel zu viele überschüssige, d.h. wirksame, aber nicht gebrauchte Zertifikate, ungefähr 1,5 Mrd.

Aber der Preis pro Tonne begann Ende 2017 zu steigen, und hat kürzlich die 20-€-Marke passiert (Quelle, Grafiken, Direktlink zum Zertifikatpreis).

Wie das?, fragt sich der verwunderte Beobachter. Die Antwort ist: die Marktteilnehmer wollen sich mit Emissionsrechten eindecken, weil sie befürchten, dass diese bald ein knappes (und damit teures) Gut werden. Auf Finanzen.net dazu eine interessante Einschätzung. Warum sollte dies passieren? Die EU hat drei Maßnahmen beschlossen (Quelle):

  1. 2019 die Einführung der „Marktstabilitätsreserve“ (MSR). Dadurch werden in jedem Jahr  24 % der Zertifikate dem Markt entzogen, bis nur noch 833 Mrd. Überschüsse übrig sind; das ist etwa die Hälfte.
  2. 2021 sinkt das Cap um 2,2 % per annum statt 1,74.
  3. 2023 wird die Größe der MSR begrenzt auf die Zahl der im Vorjahr versteigerten Zertifikate. Damit werden erstmals Zertifikate vernichtet werden.

Auf absehbare Zeit wird es immer noch reichlich überschüssige Zertifikate geben, und ich gebe zu, dass ich so den Preisanstieg nicht ganz verstehe. Wenn die Firmen sich genügend mit Zertifikaten versehen haben werden, könnte der Preis wieder sinken.

Auf Finanzen.net dazu eine interessante Einschätzung.

Jedenfalls aber sind die Stromgestehungskosten damit etwa so hoch geworden wie die von Solar und Wind. Und das ist doch mal eine gute Nachricht:

180824_power_generation_costs
Es gibt bereits Solar- und Windprojekte (Dreiecke), die Strom billiger als Kohle- und Gaskraftwerke liefern werden.