Werbefritzen dieser Welt…

Wenn ich eine Jacke oder Stiefel, die ich mir kürzlich in einem Webshop angeguckt habe, ungefragt auf einer komplett verschiedenen Website sehe, werde ich wütend und verliere jede Lust, dort noch etwas zu kaufen.

Migration und Gefahrenwahrnehmung

nyt-opdoc-afgh-160608Auf der New-York-Times-Website findet sich ein sehr ruhig und einfühlsam gemachtes Video mit Interviews von Afghaninnen und Afghanen, die sich mit der Frage der Emigration auseinandersetzen. Manche wollen bleiben, wie eine junge Frau, die sagt „Was wollt ihr, ich lebe, ich mache einen Film, ich baue ein Frauen-Schwimmteam auf, helft mir lieber dabei, anstatt das Leben wegen der vielen Toten in schwarzen Farben zu sehen!“

Andere halten das Risiko nicht aus und gehen – zuerst legal in die Türkei, und dann über das Meer nach Europa. Obwohl sie ihr Land lieben. Die Medien sind voll von den Toten – es ist eine Menge, die wir uns hier nicht vorstellen wollen.

Aber wie groß ist das Risiko in Zahlen?

2014 starben 4500 Menschen durch Terrorismus (1), durch den Krieg insgesamt 15000 (2).

Im selben Jahr starben 210000 Menschen durch andere Ursachen, davon 6500 durch Verkehrsunfälle (2).

Ich will damit nicht sagen, dass das Risiko durch den Terrorismus und Krieg unbedeutend sei – es ist bedeutend, besonders für die, die nicht von den Krankheiten der Armut und des Alters betroffen sind. Aber es ist nicht wesentlich größer als andere Risiken, mit denen die Menschen dort leben. Es wird allerdings – anders als die anderen Risiken – in den Medien millionenfach vervielfältigt, nach dem Motto: nur eine schlechte Nachricht ist eine Nachricht. Das zieht die Leute mehr runter als nötig wäre.

Die veröffentliche Meinung ist eine Traumwelt.

 

 

Wir leben in einer Phantasiewelt …

… wenn wir Nachrichten hören.

Die sind voll mit den Anschlägen von Brüssel, der „Gefahr“ durch Daësch, die Sorte Muslime, die unverständlicherweise einen Sinn darin sehen, sich zu töten und dabei ein paar Mitmenschen mitzunehmen.

In Brüssel sind 39 Menschen das Leben verkürzt worden. In Deutschland 3500 in einem Jahr – im Straßenverkehr. In der Welt 20 Millionen – durch Hunger und Unterernährung.

Die veröffentlichte und die reale Gefährdung stehen in einem nachgerade absurden Missverhältnis.

Den Terrorismus als das behandeln, was er ist: eine betrübliche Randerscheinung.

Winterradiosamstag

Links Radio über Indie-Songwriter Gropper. Rechts schwatzen Mitbewohner spanisch. Draußen frischer Schnee auf Terrassenboden, Blumenkästen, Tischen und Dächern in dunklem, diffusem, fast gelblich wirkendem, grauem Licht.

„Frau = runderer Leib, sorgenderes Herz. Alles Andere, Haare, hypnotisierendes Makeup, Kleidung, ist Tand. Mann = festerer Körper, kräftigere Knochen, Unruhe im Geist.“ , versuche ich zu einer finalen Charakterisierung der Geschlechter zu kommen.

Die Worte strömen aus dem Radio, funken zwischen meine Gedanken. Ununterbrochen werden Bilder und Reaktionen hervorgerufen. Der Radiosprecher spricht gegen ein Mikrofon. Wir, wir hören einem Lautsprecher zu. Das Wichtige ist das im Duktus mitgemeinte: Wir sprechen über die Vor- und Nachteile der Exzellenzinitiative für die großen und kleinen Universitäten (sorgfältig artikuliert auszusprechen.) Professor Doktor Professor Doktor. Wir sprechen über Literatur (mit moderierter Emotionalität auszusprechen.) Ich wollte endlich mal einen Song über die Dankbarkeit schreiben (Wolfgang Niedecken über „De lieve Gott mähntet jood med mia.“, in kultiviertem Köllsch. )

Das hier * ist jetzt genau die Frontfläche der Weltentwicklung, was mich betrifft. Das Bewusstsein, an dieser Frontfläche dran zu sein, ist köstlich und erhebend, wenigstens das.

Eine Handlungskette beginnt von außerhalb des Bewusstseins, durch pure Assoziiertheit; ich stehe auf, gehe hinunter, fülle neue Tinte in den Füller, sehe den Computer, schalte ihn ein, starte das Emailprogramm, werde genervt, überlasse ihn sich selbst, gehe wieder hoch.

* , d.h. der Füller, der seine verschlungene blaue Linie malt, und der Geist, der ihn antreibt,

 

Schlagzeile: Mord

Nachrichten hören. Jemand hat in einem fernen Land ein Dutzend Leute umgebracht.

Mann! Sowas gehört nicht als Kopfmeldung, nicht auf die Titelseite, ins Zentrum, sondern irgendwo an den Rand, nach hinten, an die Peripherie; melden ja, aber keine Publicity!

Warum? Weil es unter anderem diese Publicity ist, die die potentiellen Mörder motiviert, reale Mörder zu werden.

Und weil es einen schlecht drauf bringt, ohne irgendetwas zu ändern.

Einige Klima- und Umweltblogs

Als regelmäßiger Reisender in der Klima-Blogosphäre will ich einige meiner öfter besuchten Seiten mal aufführen – vielleicht findet der Eine oder die Andere was davon interessant

Taminos „Open Mind“ – Blog

Tamino ist Statistiker, d.h. er weiß alles über Curve-Fitting, Vertrauensbereiche und Autokorrelations-Varianten. Als solcher nimmt er sich gelegentlich die  fragwürdige statistische Vorgehensweise von Klimawandelabstreitern vor, mit Ausflügen in benachbarte Themenbereiche.

Ugo Bardis „Resource Crisis“ – Blog

Bardi ist Professor für physikalische Chemie in Florenz, Italien. Sein Themenspektrum ist zentriert um, nun ja, die Ressourcenkrise, die sich abzeichnet, und Systemtheorie à la Club of Rome, insbesondere die „Seneca – Klippe„, sein Steckenpferd. Aber er interessiert sich auch für Probleme der Kommunikation und Denkweise in sozialen Systemen und anderes. Sympathisch.

Der Doom-and-Gloom-Blog „desdemonadespair.net“

Um den zu lesen muss man schon eine leicht perverse Lust am Ende der Welt in Scheibchen haben. Größtenteils aus anderen Quellen übernommene Beiträge. Nicht nur Klimawandel und Verwandtes (wie z.B. Waldbrände, Trockenheit et sim.) sondern auch Chemieunfälle, Artensterben und ähnlich erbauliche Dinge.

Der ziemlich wissenschaftliche Klimablog „realclimate.org“

Hier sind die Beiträge seltener, dafür erfährt man etwas über den aktuelle Fortschritte der wissenschaftlichen Entwicklung. Hat eine lange Liste von weiteren klimarelevanten Netzstellen. Stefan Rahmstorf vom Potsdam Institut für Klimafolgenforschung schreibt hier gelegentlich auch. Dieses trifft auch auf

Klimalounge

zu, mal einem deutschsprachigen Blog, nicht ganz so insiderhaft wie realclimate, aber auch mit wissenschaftlichem Anspruch.

Thinkprogress.org

Eine eher VS von A – zentrierte Nachrichtensammelstelle mit umweltrelevanten Stories.

Sind Menschen, die für wenig Geld arbeiten, wirklich Helden?

In der veröffentlichten Meinung wird immer wieder über Menschen berichtet, die für sehr wenig Geld arbeiten, kaum über Hartz-4-Satz hinauskommen. Sie tun dies aus dem Bedürfnis, nützlich zu sein, aus Ehrgefühl heraus, oder weil ihnen sonst die Decke auf den Kopf fällt. Das ist alles o.k. im Unterton spürt man eine Mischung aus Mitleid und Achtung, auch, froh zu sein, nicht in diesem Dilemma zu stecken.

Für die meisten der in den Medien auftauchenden Wirtschaftswissenschaftler, gewöhnlicherweise mit fetten Salären versehen, sind sie die idealen Arbeiter, willig und aktiv, dafür sorgend dass der Laden effizient läuft.

Es gibt aber noch eine weitere Sichtweise: sie ruinieren ihresgleichen die Preise. Sie geben den Arbeitsplatzgebern das falsche Signal, nämlich, dass Löhne beliebig niedrig werden können. Das Gleiche gilt für die Kunden, die diese Arbeit abnehmen, z.B. eine Frisur oder eine Raumreinigung für einen Spottpreis bekommen – sie gewöhnen sich daran und denken, das sei ihr gutes Recht. Sie haben eine ähnliche Funktion wie Streikbrecher.

Recht ist etwas, das ausgehandelt wird, und sie schwächen ihre eigene Verhandlungsposition und die Ihresgleichen.

Die Neoliberalen tun so, als seien die Marktpreise und die Lohnhöhen gottgegeben. Aber das sind sie nicht. Lohnhöhen sind nicht entstanden aus Angebot und Nachfrage! Jedenfalls nicht ausschließlich und nicht einmal vorwiegend. Es gibt eine gesellschaftliche Preisliste für Arbeit, in der steht, was ein Arbeitender pro Stunde ungefähr verdienen sollte, und die ganz klar durch Hierarchievorstellungen geprägt ist. Und diese Preisliste ist weitgehend unbewusst, und wird durch Gewohnheit und Sprechweisen transportiert. Und sie ist veränderbar!

Deshalb ist der staatsverordnete flächendeckende Mindestlohn eine gute Sache, obwohl es besser wäre, wenn die gering-Verdienenden ihn selbst durch ihre Halsstarrigkeit durchsetzen würden.