Über den Strom der Worte und Anderes

Der Strom der Worte: Es geht nicht darum, ihn zu beschränken, ihn „rein“ oder „richtig“ zu machen, sondern darum, mit ihm zu spielen, ihn als Mittel des Spiels zu verwenden, der Poesie, des Überraschenden, des Schönen, des Elektrisierenden, des Ästhetischen.

Das Entsprechende gilt für den Strom der Bilder, der doch immer so über uns hereinbricht: ja, er soll Wärme, Kraft und Ordnung fördern, aber er kann dies nur wenn er lebendig wird: Gewicht, Spannung, Kalkül enthält.

Für den Strom der Bewegungen wird das dann zum Gestus, zum Tanz, zur Grandezza.

Ich kann mich auch zu einem Haufen Fleisch mit Knochen darin zusammensinken lassen, durchpulst und durchzittert von Nervenströmen, auch das stärkt paradoxerweise die Stärke.

Es ist wie die Pause im Atemzyklus. Du wartest auf den Einatem, von dem du lediglich vermutest, dass er wiederkommt. Du hast Geduld. Keine Eile. Da, da ist er, aus dem Nirgendwo, im Verborgenen hat er sich vorbereitet und jetzt kommt er hoch, wie der lösende Einfall, die lösende Handlung, das in-Bewegung-Gehen oft aus dem Verborgenen heraufkommt.

Advertisements

Im Zufälligen und doch entschieden.

Eine Sicht auf den Menschen von einem imaginären höheren Standpunkt aus ist die als Organismus im lebendigen Netz der sozialen Beziehungen.

Dort fluktuieren Gedanken und Konzepte, die ihre Speicher in uns und in den Medien finden, und die unser Wahrnehmen, Fühlen und Handeln inspirieren. (Medium ist dabei alles von Papier bis zum Webserver…) Und diese Fluktuation ist chaotisch, unvorhersehbar. Sie findet immer wieder quasistabile Zustände, die dann als „Realität“ erscheinen. Ob wir nun von Konzepten inspiriert werden, die Leid oder Freude erzeugen, ist ebenfalls zufällig.

Allerdings erzeugt diese Sicht auf das Ganze Freude in mir.

Vom realen Standpunkt in diesem Netz in diesem Leben aus gesehen stellt sich sie Sache anders dar:

Wissend, dass unser Wahrnehmungshorizont zufällig ist, sollten wir ihn doch – wie er ist – annehmen und ausschöpfen. Wissend, dass wir ihn beschränken müssen, um handeln zu können, sollten wir die Beschränkung so verantwortlich und entschieden wie möglich vornehmen. Wissend, dass der Widerspruch zwischen Altruismus und Egoismus unentrinnbar ist, sollten wir den Punkt in dem Intervall zwischen diesen beiden Polen ohne Begründung wählen, und dabei beweglich bleiben.

 

Über die verschiedenen konstruktiven Selbstbeziehungen

Im Feld der positiven Selbstbeziehung kann man unterschiedliche Schwerpunkte ausmachen. Diese Differenzierung kann helfen, weil je nach Situation und Mensch etwas Anderes gefragt ist und entwickelt werden muss.

Selbstachtung Das Bewusstsein der Bereitschaft, Unangenehmes durchzustehen. Kann für sich selbst sein, für Andere, manchmal auch für sich selbst und gegen Andere.
Selbstsicherheit Innere Ruhe in konfliktbehafteten Interaktionen, weil man sich innerlich integer weiß. Ein o.k.-Gefühl, das konstant bleibt oder schnell wiederhergestellt werden kann – manchmal, indem man anerkennt, dass der*die Andere Recht hat.
Selbstwertgefühl Das Bewusstsein, auf gleicher Höhe mit den Anderen zu stehen, genügend beizutragen, ein gewisses konstantes Vertrauen in die Achtung und auch Zuneigung der Anderen. Geht einher mit ähnlichen Gefühlen, die man für die Anderen hegt.
Selbstvertrauen Das Bewusstsein der Fähigkeit, bekannte und unbekannte Herausforderungen bewältigen zu können. Wächst durch Erfolge.
Selbstliebe Das Wissen was einem guttut, kurz-, mittel- und langfristig, und entsprechend zu entscheiden und zu handeln. Beinhaltet die Liebe für Andere, denn die tut einem selbst auch gut.

 

Über Veränderung

Man probiere die Sichtweise aus, dass niemand den Lauf der Welt ändern kann.

Natürlich nehmen wir Veränderung wahr.

Sie ist jedoch nur der Übergang von Unsichtbaren zum Sichtbaren, vom Unbekannten zum Bekannten, vom Äußeren zum Inneren.

Dies trifft auch auf Veränderungen zu, die aus uns kommen, d.h. die wir als von uns verursacht wahrnehmen.

(Für das Bewusstsein ist das Unbewusste außen.)

Das ist keineswegs pessimistisch oder fatalistisch; Veränderung kann sich sehr freudig anfühlen und sehr aktiv.

 

Eine meditative Schau des sich bewegenden Organismus

Eine mögliche Aufteilung der Funktionen des Organismus, die ich gefunden habe und die mir Freude bereitet, ist folgende:

  • Der Fußsohlen – Boden – Kontakt gibt Zugang zur organismischen Selbstsicherheit. Ähnlich der Haut – Luft – Kontakt. Der Organismus, der sich in Luftraum und Schwerkraft bewegt und fühlt.
  • Der Becken – Boden – Kontakt, der über die Beine vermittelt ist, ist die flexible und doch feste Basis für das Leben des darüberliegenden Körpers.
  • Der Zentralkörper ist der Ort für die Impulse, Reaktionen und Antriebe, die in die Welt gebracht werden wollen. Und die kann man spüren.
  • Der Kopf ist der Ort der Fernsinne (Auge, Ohr, Nase) und des Strukturierens, Wegfindens und Bewegungs-Vorbereitens.
  • Das Gesicht und die Stimme ist der Ort des Ausdrucks des Fühlens und Wollens für die Andern.
  • Die Arme und Hände sind der Ort des Dinge-Bewegens, des Änderns, aber auch von Kontakt.
  • Die Beine sind der Ort der entschlossenen Fortbewegung und des kräftigen Stehens.

Wenn man geistige Kapazität frei hat, wie in einer leichten Bewegung beim Gehen oder Joggen, kann man diese Arbeitsteilung in Aktion beobachten: Wie die Impulse aus dem Zentrum kommen, die Aktionen mit den Beinen gegen den Fußboden oder mit den Armbewegungen stattfinden, die Augen und Ohren die Umwelt prüfen, der Geist die kommenden Aktionen, z.B. den genauen Weg, den wir nehmen, oder den genaueren Bewegungsablauf, erwägt und vorwegnimmt – und so weiter.

Was ich interessant finde ist, dass dabei das, was wir in der unreflektierten Kommunikation „Ich“ nennen, das Individuum (das Unteilbare), geteilt wird.

Vielleicht ist dies für einige Menschen nützlich.

Prokrastination, Sucht, Achtsamkeit und Motivation

In einem Prokrastinationszyklus erlaubte ich mir, TEDx-Talks zu diesen Themen anzuschauen, und zwar hier, hier und hier.

Der Geist des Prokrastinators

Während im Geist eines normalen Menschen idealerweise ein rationaler Kapitän das Steuer allein in der Hand hat, gibt es im Geist des Prokrastinators (Aufschiebers), gemäß der bahnbrechenden Theorie Tim Urbans, noch eine weitere Figur: den Sofortbelohnungsaffen.

Sobald der rationale Kapitän zu der Einschätzung kommt, dass es an der Zeit wäre, zu arbeiten oder etwas anderes sinnvolles, aber komplexes, risikobehaftetes oder sonst unangenehmes zu tun, springt der Sofortbelohnungsaffe auf, ruft: „Das ist eine ganz schlechte Idee!“schubst den rationalen Kapitän weg vom Ruder und steuert das Schiff zur nächsten Aktivität, die einfach und angenehm ist. instan-gratification-monkey

Die meisten Prokrastinierer haben allerdings noch ein zweites Wesen in ihrem Geist, das das Schlimmste verhütet:

the-panic-monster

wenn auch um einen hohen Preis.

Ich habe mich ziemlich wiedergefunden in diesem Modell.

Nach meiner Erfahrung kann der Sofortbelohnungsaffe vollkommen immun sein gegen moralische oder vernünftige Argumente oder Drohungen aller Art, unterhalb der Schwelle des sicheren Untergangs.

Ein Mittel, das allerdings hilft, ist, ihn ein bischen zu vertrösten: Du darfst ran, aber ein bischen später. Jetzt wird etwas gearbeitet und dann gibt es relativ bald eine Pause für dich. Wenn ich dann drin bin, kann ich die versprochene Pause auch aufschieben, ohne größere Probleme.

Er ist mir nicht böse, sondern eigentlich ganz froh dann. Er ist nämlich nicht entspannt. Seine Fröhlichkeit ist aufgesetzt. Wenn ich ihn so austrickse, kann er ein bischen entspannen.

Sucht und Achtsamkeit

Im zweiten TEDx-Talk ging es um Sucht und wie Achtsamkeit gegen sie helfen kann. Letztlich ist der Sofortbelohnungsaffe auch ein Suchtphänomen. Das Kernprinzip ist:

  • Man lernt, die Aufmerksamkeit auf die unmittelbare Gegenwart des Körper-Geistes zu lenken.
  • Und zwar nicht hauptsächlich über eine Vorschrift, sondern durch die Entwicklung von Neugier und Interesse, d.h. über eine angenehme Motivation.
  • Dieses lernt man unmittelbar vor Einsetzen der Suchthandlung abzurufen.

Eine Reihe von Effekten kommen zusammen:

  • Der Automatismus wird unterbrochen.
  • Man vermeidet den Widerstand dagegen, dominiert zu werden oder etwas Angenehmes loslassen zu sollen.
  • Man deaktiviert Motivationen sekundärer Natur (wie etwa sozial gut dazustehen).
  • Man nimmt u.U. das Unangenehme des Tuns, das bei Rauchen, Saufen oder Spritzen vorhanden ist, wieder als relevant wahr.

Elemente von Motivation

Im dritten TEDx-Talk werden eine ganze Reihe von Motivationshilfen angesprochen.

Scott Geller ist ein sehr lebendiger, freundlicher Mann, dem ich gerne zugehört habe.

Er bietet drei Leitfragen an, um einen Menschen (auch sich selbst) zu einer konkreten Aufgabe zu motivieren, die mit Ja beantwortet sein müssen:

  1. Kannst du es (mit den gegebenen Ressourcen an Zeit, Können und Mitteln)?
  2. Wird es den beabsichtigten Effekt haben, d.h. funktionieren?
  3. Ist es den Aufwand wert?

Interessanterweise können diese Fragen nicht objektiv beantwortet werden. Z.B. hängt die Antwort auf Frage 2 von der Perspektive ab. Eine Aktion kann in einem kleineren Maßstab funktionieren, aber in einem Größeren nicht. Frage 3 ruft den Vergleich mit anderen Zielen hervor und setzt voraus, dass eine gewisse Zielklarheit vorhanden ist, eine Selektion.

Es reicht aber, eine Weltsicht zu finden, in der die Fragen mit Ja beantwortet werden können, um Motivation herzustellen. Das ist dann die Kunst.

Weitere Elemente kurz:

  • Gesehenwerden und soziale Verbundenheit
  • Entscheidungsmöglichkeiten
  • Offenheit dafür, dass alles ganz anders sein könnte und dass man von jedem Menschen, auch von einem Schüler, etwas lernen könnte
  • Die Sichtweise der Gelegenheit zu … im Gegensatz zur Bedrohung durch …