Eine Sache, die wir vom Islam lernen können

Ein gläubiger Muslim betet mehrere Male am Tag („Salat“). Einige beten drei Mal, die meisten aber fünf Mal (Quelle).

Als Atheist kann ich natürlich nicht beten, aber ich kann meditieren, Autosuggestionen anwenden, Autogenes Training machen oder Ähnliches – wesentlich ist, dass ich mich für eine definierte Zeit aus dem Fluss der Interaktionen heraus nehme und bewusst nur für mich bin.

Man kann ein Gebet oder religiöses Ritual auch als Meditation auffassen, wenn man den Begriff weit fasst; es geht dabei vorrangig um meinen inneren Zustand, wobei die Gottesvorstellung als Hilfsmittel benutzt wird. Sehr viele Meditationstraditionen benutzen Hilfsmittel, sowohl Reale als auch Imaginierte.

Meine Übung besteht im Moment aus zwei Phasen von fünf Minuten. Zuerst versuche ich, Atem, Stimme, Bewegung und Gesichtsausdruck zu benutzen, um jede Emotion, die im Moment präsent ist, auszudrücken. (Diese ist angelehnt an die zweite Phase der „Dynamischen Meditation“ von Osho.) Danach sammle ich mich, nehme meine Kraft zusammen, erinnere mich an Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen und denke noch mehr Gedanken in Richtung klarer Aktion, ebenfalls während ich mich bewege.

Meine Erfahrung damit, dieses mindestens drei Mal am Tag zu tun, ist sehr positiv. Negative Zustände von Enge oder Bedrücktheit vermindern sich sofort, und allein die Erfahrung, dass das möglich ist, geben mir nicht nur Motivation, sondern auch ein grundlegend besseres Weltgefühl.

Ich wünsche mir eine Arbeit, wo ich mindestens einmal, besser zweimal am Tag 10 Minuten in einem Raum für mich sein kann, um dieses zu tun.

Über den Strom der Worte und Anderes

Der Strom der Worte: Es geht nicht darum, ihn zu beschränken, ihn „rein“ oder „richtig“ zu machen, sondern darum, mit ihm zu spielen, ihn als Mittel des Spiels zu verwenden, der Poesie, des Überraschenden, des Schönen, des Elektrisierenden, des Ästhetischen.

Das Entsprechende gilt für den Strom der Bilder, der doch immer so über uns hereinbricht: ja, er soll Wärme, Kraft und Ordnung fördern, aber er kann dies nur wenn er lebendig wird: Gewicht, Spannung, Kalkül enthält.

Für den Strom der Bewegungen wird das dann zum Gestus, zum Tanz, zur Grandezza.

Ich kann mich auch zu einem Haufen Fleisch mit Knochen darin zusammensinken lassen, durchpulst und durchzittert von Nervenströmen, auch das stärkt paradoxerweise die Stärke.

Es ist wie die Pause im Atemzyklus. Du wartest auf den Einatem, von dem du lediglich vermutest, dass er wiederkommt. Du hast Geduld. Keine Eile. Da, da ist er, aus dem Nirgendwo, im Verborgenen hat er sich vorbereitet und jetzt kommt er hoch, wie der lösende Einfall, die lösende Handlung, das in-Bewegung-Gehen oft aus dem Verborgenen heraufkommt.

Im Zufälligen und doch entschieden.

Eine Sicht auf den Menschen von einem imaginären höheren Standpunkt aus ist die als Organismus im lebendigen Netz der sozialen Beziehungen.

Dort fluktuieren Gedanken und Konzepte, die ihre Speicher in uns und in den Medien finden, und die unser Wahrnehmen, Fühlen und Handeln inspirieren. (Medium ist dabei alles von Papier bis zum Webserver…) Und diese Fluktuation ist chaotisch, unvorhersehbar. Sie findet immer wieder quasistabile Zustände, die dann als „Realität“ erscheinen. Ob wir nun von Konzepten inspiriert werden, die Leid oder Freude erzeugen, ist ebenfalls zufällig.

Allerdings erzeugt diese Sicht auf das Ganze Freude in mir.

Vom realen Standpunkt in diesem Netz in diesem Leben aus gesehen stellt sich sie Sache anders dar:

Wissend, dass unser Wahrnehmungshorizont zufällig ist, sollten wir ihn doch – wie er ist – annehmen und ausschöpfen. Wissend, dass wir ihn beschränken müssen, um handeln zu können, sollten wir die Beschränkung so verantwortlich und entschieden wie möglich vornehmen. Wissend, dass der Widerspruch zwischen Altruismus und Egoismus unentrinnbar ist, sollten wir den Punkt in dem Intervall zwischen diesen beiden Polen ohne Begründung wählen, und dabei beweglich bleiben.

 

Über die verschiedenen konstruktiven Selbstbeziehungen

Im Feld der positiven Selbstbeziehung kann man unterschiedliche Schwerpunkte ausmachen. Diese Differenzierung kann helfen, weil je nach Situation und Mensch etwas Anderes gefragt ist und entwickelt werden muss.

Selbstachtung Das Bewusstsein der Bereitschaft, Unangenehmes durchzustehen. Kann für sich selbst sein, für Andere, manchmal auch für sich selbst und gegen Andere.
Selbstsicherheit Innere Ruhe in konfliktbehafteten Interaktionen, weil man sich innerlich integer weiß. Ein o.k.-Gefühl, das konstant bleibt oder schnell wiederhergestellt werden kann – manchmal, indem man anerkennt, dass der*die Andere Recht hat.
Selbstwertgefühl Das Bewusstsein, auf gleicher Höhe mit den Anderen zu stehen, genügend beizutragen, ein gewisses konstantes Vertrauen in die Achtung und auch Zuneigung der Anderen. Geht einher mit ähnlichen Gefühlen, die man für die Anderen hegt.
Selbstvertrauen Das Bewusstsein der Fähigkeit, bekannte und unbekannte Herausforderungen bewältigen zu können. Wächst durch Erfolge.
Selbstliebe Das Wissen was einem guttut, kurz-, mittel- und langfristig, und entsprechend zu entscheiden und zu handeln. Beinhaltet die Liebe für Andere, denn die tut einem selbst auch gut.

 

Über Veränderung

Man probiere die Sichtweise aus, dass niemand den Lauf der Welt ändern kann.

Natürlich nehmen wir Veränderung wahr.

Sie ist jedoch nur der Übergang von Unsichtbaren zum Sichtbaren, vom Unbekannten zum Bekannten, vom Äußeren zum Inneren.

Dies trifft auch auf Veränderungen zu, die aus uns kommen, d.h. die wir als von uns verursacht wahrnehmen.

(Für das Bewusstsein ist das Unbewusste außen.)

Das ist keineswegs pessimistisch oder fatalistisch; Veränderung kann sich sehr freudig anfühlen und sehr aktiv.

 

Eine meditative Schau des sich bewegenden Organismus

Eine mögliche Aufteilung der Funktionen des Organismus, die ich gefunden habe und die mir Freude bereitet, ist folgende:

  • Der Fußsohlen – Boden – Kontakt gibt Zugang zur organismischen Selbstsicherheit. Ähnlich der Haut – Luft – Kontakt. Der Organismus, der sich in Luftraum und Schwerkraft bewegt und fühlt.
  • Der Becken – Boden – Kontakt, der über die Beine vermittelt ist, ist die flexible und doch feste Basis für das Leben des darüberliegenden Körpers.
  • Der Zentralkörper ist der Ort für die Impulse, Reaktionen und Antriebe, die in die Welt gebracht werden wollen. Und die kann man spüren.
  • Der Kopf ist der Ort der Fernsinne (Auge, Ohr, Nase) und des Strukturierens, Wegfindens und Bewegungs-Vorbereitens.
  • Das Gesicht und die Stimme ist der Ort des Ausdrucks des Fühlens und Wollens für die Andern.
  • Die Arme und Hände sind der Ort des Dinge-Bewegens, des Änderns, aber auch von Kontakt.
  • Die Beine sind der Ort der entschlossenen Fortbewegung und des kräftigen Stehens.

Wenn man geistige Kapazität frei hat, wie in einer leichten Bewegung beim Gehen oder Joggen, kann man diese Arbeitsteilung in Aktion beobachten: Wie die Impulse aus dem Zentrum kommen, die Aktionen mit den Beinen gegen den Fußboden oder mit den Armbewegungen stattfinden, die Augen und Ohren die Umwelt prüfen, der Geist die kommenden Aktionen, z.B. den genauen Weg, den wir nehmen, oder den genaueren Bewegungsablauf, erwägt und vorwegnimmt – und so weiter.

Was ich interessant finde ist, dass dabei das, was wir in der unreflektierten Kommunikation „Ich“ nennen, das Individuum (das Unteilbare), geteilt wird.

Vielleicht ist dies für einige Menschen nützlich.