Ein deterministisches Koan

Wenn ich Weg „A“ gegangen sein werde, wird dies vorherbestimmt gewesen sein.

Wenn ich Weg „B“ gegangen sein werde, wird dies ebenfalls vorherbestimmt gewesen sein.

Was also soll ich tun?

Ein möglicher Umgang mit innerer Kritik

Für mich ist innere Kritik an mir selbst eine Erscheinung, die sehr häufig auftaucht und an meiner Motivation nagt. Mit etwas Glück kann ich sie bewusst aus dem Rauschen des Geistes unterscheiden und habe Raum, um damit umzugehen.

Ich habe einen Prozess mit zwei Schritten gefunden, der mir dabei hilft:

  1. Verbinden. Sich mit dem gegenwärtigen Selbstprozess verbinden: Sehen, Hören, Fühlen. Sich mit der Kritik verbinden, d.h. mit ihr sein, aber nicht in ihr aufgehen, sondern sie als einen Teilprozess ansehen. Also auch nicht dagegen argumentieren oder kämpfen. Spüren, was an der Kritik im Inneren in Resonanz kommt.
  2. Es sich entwickeln lassen unter dem Gesichtspunkt des Konstruktiven. Jede Kritik spricht ja einen Widerspruch an und in vielen Widersprüchen stecken Entwicklungsmöglichkeiten. Diese können unerwartet sein. Als Beispiel: die innere Kritik, zu „kindlich“ zu sein kann zu der Entwicklung führen, seine vorhandene innere Stärke stärker wahrzunehmen. Das es-sich-entwickeln-Lassen benötigt etwas Zeit, kann aber trotzdem überraschend schnell gehen.

Dies kann auch für den Umgang mit Kritik von anderen Menschen verwendet werden, wenn sie innere Kritik anregt – was häufig der Fall ist.

Wie bei allen Techniken ist es auch hier sinnvoll, sie zu üben und einzuschleifen.

Eine Sache, die wir vom Islam lernen können

Ein gläubiger Muslim betet mehrere Male am Tag („Salat“). Einige beten drei Mal, die meisten aber fünf Mal (Quelle).

Als Atheist kann ich natürlich nicht beten, aber ich kann meditieren, Autosuggestionen anwenden, Autogenes Training machen oder Ähnliches – wesentlich ist, dass ich mich für eine definierte Zeit aus dem Fluss der Interaktionen heraus nehme und bewusst nur für mich bin.

Man kann ein Gebet oder religiöses Ritual auch als Meditation auffassen, wenn man den Begriff weit fasst; es geht dabei vorrangig um meinen inneren Zustand, wobei die Gottesvorstellung als Hilfsmittel benutzt wird. Sehr viele Meditationstraditionen benutzen Hilfsmittel, sowohl Reale als auch Imaginierte.

Meine Übung besteht im Moment aus zwei Phasen von fünf Minuten. Zuerst versuche ich, Atem, Stimme, Bewegung und Gesichtsausdruck zu benutzen, um jede Emotion, die im Moment präsent ist, auszudrücken. (Diese ist angelehnt an die zweite Phase der „Dynamischen Meditation“ von Osho.) Danach sammle ich mich, nehme meine Kraft zusammen, erinnere mich an Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen und denke noch mehr Gedanken in Richtung klarer Aktion, ebenfalls während ich mich bewege.

Meine Erfahrung damit, dieses mindestens drei Mal am Tag zu tun, ist sehr positiv. Negative Zustände von Enge oder Bedrücktheit vermindern sich sofort, und allein die Erfahrung, dass das möglich ist, geben mir nicht nur Motivation, sondern auch ein grundlegend besseres Weltgefühl.

Ich wünsche mir eine Arbeit, wo ich mindestens einmal, besser zweimal am Tag 10 Minuten in einem Raum für mich sein kann, um dieses zu tun.

Über den Strom der Worte und Anderes

Der Strom der Worte: Es geht nicht darum, ihn zu beschränken, ihn „rein“ oder „richtig“ zu machen, sondern darum, mit ihm zu spielen, ihn als Mittel des Spiels zu verwenden, der Poesie, des Überraschenden, des Schönen, des Elektrisierenden, des Ästhetischen.

Das Entsprechende gilt für den Strom der Bilder, der doch immer so über uns hereinbricht: ja, er soll Wärme, Kraft und Ordnung fördern, aber er kann dies nur wenn er lebendig wird: Gewicht, Spannung, Kalkül enthält.

Für den Strom der Bewegungen wird das dann zum Gestus, zum Tanz, zur Grandezza.

Ich kann mich auch zu einem Haufen Fleisch mit Knochen darin zusammensinken lassen, durchpulst und durchzittert von Nervenströmen, auch das stärkt paradoxerweise die Stärke.

Es ist wie die Pause im Atemzyklus. Du wartest auf den Einatem, von dem du lediglich vermutest, dass er wiederkommt. Du hast Geduld. Keine Eile. Da, da ist er, aus dem Nirgendwo, im Verborgenen hat er sich vorbereitet und jetzt kommt er hoch, wie der lösende Einfall, die lösende Handlung, das in-Bewegung-Gehen oft aus dem Verborgenen heraufkommt.

Im Zufälligen und doch entschieden.

Eine Sicht auf den Menschen von einem imaginären höheren Standpunkt aus ist die als Organismus im lebendigen Netz der sozialen Beziehungen.

Dort fluktuieren Gedanken und Konzepte, die ihre Speicher in uns und in den Medien finden, und die unser Wahrnehmen, Fühlen und Handeln inspirieren. (Medium ist dabei alles von Papier bis zum Webserver…) Und diese Fluktuation ist chaotisch, unvorhersehbar. Sie findet immer wieder quasistabile Zustände, die dann als „Realität“ erscheinen. Ob wir nun von Konzepten inspiriert werden, die Leid oder Freude erzeugen, ist ebenfalls zufällig.

Allerdings erzeugt diese Sicht auf das Ganze Freude in mir.

Vom realen Standpunkt in diesem Netz in diesem Leben aus gesehen stellt sich sie Sache anders dar:

Wissend, dass unser Wahrnehmungshorizont zufällig ist, sollten wir ihn doch – wie er ist – annehmen und ausschöpfen. Wissend, dass wir ihn beschränken müssen, um handeln zu können, sollten wir die Beschränkung so verantwortlich und entschieden wie möglich vornehmen. Wissend, dass der Widerspruch zwischen Altruismus und Egoismus unentrinnbar ist, sollten wir den Punkt in dem Intervall zwischen diesen beiden Polen ohne Begründung wählen, und dabei beweglich bleiben.

 

Über die verschiedenen konstruktiven Selbstbeziehungen

Im Feld der positiven Selbstbeziehung kann man unterschiedliche Schwerpunkte ausmachen. Diese Differenzierung kann helfen, weil je nach Situation und Mensch etwas Anderes gefragt ist und entwickelt werden muss.

Selbstachtung Das Bewusstsein der Bereitschaft, Unangenehmes durchzustehen. Kann für sich selbst sein, für Andere, manchmal auch für sich selbst und gegen Andere.
Selbstsicherheit Innere Ruhe in konfliktbehafteten Interaktionen, weil man sich innerlich integer weiß. Ein o.k.-Gefühl, das konstant bleibt oder schnell wiederhergestellt werden kann – manchmal, indem man anerkennt, dass der*die Andere Recht hat.
Selbstwertgefühl Das Bewusstsein, auf gleicher Höhe mit den Anderen zu stehen, genügend beizutragen, ein gewisses konstantes Vertrauen in die Achtung und auch Zuneigung der Anderen. Geht einher mit ähnlichen Gefühlen, die man für die Anderen hegt.
Selbstvertrauen Das Bewusstsein der Fähigkeit, bekannte und unbekannte Herausforderungen bewältigen zu können. Wächst durch Erfolge.
Selbstliebe Das Wissen was einem guttut, kurz-, mittel- und langfristig, und entsprechend zu entscheiden und zu handeln. Beinhaltet die Liebe für Andere, denn die tut einem selbst auch gut.