nah und fern

Hurrikan Harvey hat Houston und Umgebung unter Wasser gesetzt, 30 Menschen wurde das Leben verkürzt. Der Staat Bangla Desh ist zu einem Drittel unter Wasser, mindestens 1000 Menschen verloren den Rest ihres Lebens in Bangla Desh, Indien und Nepal. (siehe z.B. hier)

Was davon kommt bei uns in die Nachrichten?

Was bedeutet das?

Die eigenen Reaktionen ohne Vorurteile und vorgefasste Ziele wahrnehmen. Sonst ist es unmöglich, zu einem liebenden Geist zu finden.

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rabiater Museumsbesuch

Cranach,_Lucas_(I)_-_Adam_u_Eva_-_Museum_der_bildenden_Künste_Leipzig(Dies ist kein wohldurchdachtes Urteil, sondern eine aus einer momentanen Stimmung heraus entstandene Reaktion.)

Museum der bildenden Künste Leipzig. Moderner Bau mit enorm hohen Räumen, drei Treppenhäusern und lichtdurchfluteten Freiflächen, hineingezwängt in die Enge der Innenstadt.

Begann mit den Niederländern aus dem Barock, und das war ein guter Beginn. Ländliche Szenen, in denen alle Details mit minuziöser Genauigkeit dargestellt sind, Seestücke, Nachtstücke, Kirchen-Innenansichten komplett mit Bauarbeitern, die Gruben gruben, Stücke mit Schlittschuhfahrern, Stillleben, Musizierende.

Ich liebte all diese Details. Die Wasserkräne, die den Leuten erlaubten, mit Hilfe eines Gegengewichtes die Eimer leichter hochhzuheben, die kleinen Vordächer. Zwei Bilder, die ich kannte: Franz Hals‘ „Mulatte“, erstaunlich nachgebräunt, mit Glanzlichtern vom Schweiß auf seinem Gesicht, und van Honthorsts „Lautenspielerin“ und „Geigenspieler“, wo er exquisit das Licht der Kerze eingefangen hat und das Glück der Jugend der Musiker.

Dazwischen hatte sich ein Tiepolo verirrt, ein heiliger Soldat, der mit umwerfender Eleganz getroffen war.

Dann die Italiener, und ich muss sagen, dass ich ziemlich verstimmt war davon, dass es durchweg religiöse Themen gab: Heilige, Kreuzigungen, Andächtigkeit, Glaube allerorten, es war nicht auszuhalten.

Ein paar Deutsche. Lucas Cranachs Adam und Eva sind auch exquisit. Solche jungen Leute könnten auch hier auf der Straße herumlaufen, schlank und heiter gestimmt. Aber oft bei den Deutschen stimmen die Proportionen nicht, die Körper sehen hölzern aus. Wieder unselige protzerische Triptychons und heilige Bilder komplett mit Stifterfamilie.

Das 19. Jahrhundert sieht generell eine Perfektionierung der Körperproportionen, der Perspektive, der Material- und Lichtdarstellung – und damit eine Angleichung im Realismus. Es kommen politische Bilder: Napoleon nach einer Niederlage, ein napoleonischer General wird zu Grabe getragen. Was immer geht ist die Schönheit der jungen Frau, meist bekleidet, das reizende Gesicht samt hübscher Frisur, der hübsch gekleidete und sich bewegende Leib. Das ist immerhin eine Emotion – das Begehren, gezähmt durch die Sitte. Ansonsten bringt die Perfektion interessanterweise Plattheit mit sich.

Die Beseeltheit, die die Niederländer noch oft hatten, sie weicht einer eigentümlichen Nüchternheit, einem Blick von der Höhe des Wissens und Könnens, der nicht weit von der Langeweile entfernt ist.

Mit dem Fortschreiten der Zeit sehe ich eine zunehmende Schwierigkeit, das Malen überhaupt noch zu rechtfertigen. Wo leuchtet etwas auf, ein Funke, der etwas transportiert? Bei Modersohns „Kate im Abendsonnenschein“, einem denkbar unscheinbaren Thema, aber dort ist es. Bei einigen Bildern von Liebermann, nicht bei allen, in seiner Manier der umrahmten Flächen, die das Abstrakte bereits in das Realistische einfließen lassen. Viel technisch perfekter Kitsch, wie „Lasset die Kinder zu mir kommen“.

Die Entwicklung führt weiter zur Schonungslosigkeit und zur Hässlichkeit. In Tuscheskizzen einer Frau kommt das Abstoßende aus dem Leben einiger Frauen: die langen Brüste im Alter, das Putzen für den Mann, das Elend in den Kojen der Auswandererschiffe.

Dann der Prachtkünstler Max Klinger, der dekorativ malt, aber mit kleinen Widerhaken, mit Elementen, die nicht zusammenpassen und nicht erklärbar sind, und uns so mit all seiner Pracht und Schönheit in Unruhe zurücklässt. Aber will man dafür seine Zeit verschwenden?

Neo Rauch mit seiner Motivfülle gehört dorthin – für mich sind das Qualbilder, aus denen man was raussehen kann, wenn man will, aber ich will nicht.

Die modernen Skulpturen und Bilder (in diesem Museum) zeichnen sich durch große Armut aus und interessierten mich nicht die Bohne, mit Ausnahme einiger zarter Zeichnungen, in denen das Subtile Oberhand gewann.

Noch von Interesse: Zeichnungen von Reisenden, Neapel, Amalfi, Afrika, Arabien. Was haben diese Leute gesehen? Wunder. Sie schätzten sich sehr glücklich.

Ein Infobit aus Kenia

In parts of Marsabit and Turkana, where communities are unable to reach sustained humanitarian assistance, they are at risk of sliding in to emergency levels of hunger (IPC Phase 4), one step away from famine, between July and September.

kopiert von hier

Wider das rein individuelle Gutsein

Ich stolpere über diesen Guardian-Artikel: „Würdest du jemandem raten, in brennendem Haus mit dem Handtuch zu schlagen oder mit der Fliegenklatsche im Feuergefecht?“

Er macht sich – zu Recht – über die Winzigkeit der Effekte unseres individuellen Verhaltens lustig und spürt dahinter ein tieferes Problem auf: die Reduktion des gesellschaftlichen Seins auf die individuelle Verantwortung. Und das ist Neoliberalismus: alles, alles, ist deine Verantwortung, und nur deine. Was für eine Dummheit!

„Steeped in a culture telling us to think of ourselves as consumers instead of citizens, as self-reliant instead of interdependent, is it any wonder we deal with a systemic issue by turning in droves to ineffectual, individual efforts?“

Das ist für mich der Kernsatz, „interdependent“, ein nicht treffend übersetzbares Wort, der Kernbegriff. Sich als Teil des Netzes sehen anstatt als Teil einer Herde von Einzelkämpfern, oder Einzelschafen.

Aber das spricht natürlich gar nicht gegen individuelle Anstrengungen! Nur dass es da noch mehr gibt.

 

Der Schwanz wackelt mit dem Hund

Ein Phänomen, das in der Politik immer wieder vorkommt.

  • Die paar EU Bauern setzen Mindestpreise und Überproduktion durch, die dann subventioniert exportiert wird und in Afrika die lokale Landwirtschaft ruiniert.
  • Die paar israelischen Siedler bilden das Zünglein an der Waage der Regierungsbildung und können seit Jahrzehnten eine Annäherung an die arabische Umwelt verhindern – das ist sogar ein doppelter Effekt, weil das kleine Israel über ein paar israelfreundliche Wähler in den USA die unbeschränkte militärische Unterstützung ebendieser rechtswidrigen Zustände durchsetzen kann.
  • Ein paar Arbeitsplätze (vergleichsweise, lokal mögen sie ja bedeutsam sein) in der deutschen Braunkohleindustrie verhindern erfolgreich eine Senkung unserer CO2-Emissionen. Dies geht soweit, dass letztere in den letzen vier Jahren praktisch konstant geblieben sind. Sie spielen erfolgreich mit den sozialdemokratischen Reflexen, das Arbeit das höchste aller Ziele ist.
  • Das neueste Beispiel ist Polen: dessen Kult um die Kohleindustrie gelingt es, den ganzen Staat dazu zu bringen, sich mit Klauen und Zähnen gegen europäische Umweltregelungen zu wehren, siehe diesen Artikel. Dies selbst um den Preis der schadstoffbelasteter Luft für die Polen selbst. Das soll nicht heißen, dass die polnischen Einwände völlig unberechtigt sind. Aber wenn man will, findet man Wege.

Was kann man tun? Ich weiß es nicht.

 

Werbefritzen dieser Welt…

Wenn ich eine Jacke oder Stiefel, die ich mir kürzlich in einem Webshop angeguckt habe, ungefragt auf einer komplett verschiedenen Website sehe, werde ich wütend und verliere jede Lust, dort noch etwas zu kaufen.