Der Schwanz wackelt mit dem Hund

Ein Phänomen, das in der Politik immer wieder vorkommt.

  • Die paar EU Bauern setzen Mindestpreise und Überproduktion durch, die dann subventioniert exportiert wird und in Afrika die lokale Landwirtschaft ruiniert.
  • Die paar israelischen Siedler bilden das Zünglein an der Waage der Regierungsbildung und können seit Jahrzehnten eine Annäherung an die arabische Umwelt verhindern – das ist sogar ein doppelter Effekt, weil das kleine Israel über ein paar israelfreundliche Wähler in den USA die unbeschränkte militärische Unterstützung ebendieser rechtswidrigen Zustände durchsetzen kann.
  • Ein paar Arbeitsplätze (vergleichsweise, lokal mögen sie ja bedeutsam sein) in der deutschen Braunkohleindustrie verhindern erfolgreich eine Senkung unserer CO2-Emissionen. Dies geht soweit, dass letztere in den letzen vier Jahren praktisch konstant geblieben sind. Sie spielen erfolgreich mit den sozialdemokratischen Reflexen, das Arbeit das höchste aller Ziele ist.
  • Das neueste Beispiel ist Polen: dessen Kult um die Kohleindustrie gelingt es, den ganzen Staat dazu zu bringen, sich mit Klauen und Zähnen gegen europäische Umweltregelungen zu wehren, siehe diesen Artikel. Dies selbst um den Preis der schadstoffbelasteter Luft für die Polen selbst. Das soll nicht heißen, dass die polnischen Einwände völlig unberechtigt sind. Aber wenn man will, findet man Wege.

Was kann man tun? Ich weiß es nicht.

 

Werbefritzen dieser Welt…

Wenn ich eine Jacke oder Stiefel, die ich mir kürzlich in einem Webshop angeguckt habe, ungefragt auf einer komplett verschiedenen Website sehe, werde ich wütend und verliere jede Lust, dort noch etwas zu kaufen.

Etwas beenden

Der Raum war banal und trist. Durch die farbigen Butzenscheiben wurde das Licht des grauen Tages mehr draußen gehalten als hereingelassen.

Wir unterhielten uns über Erinnerungen an die, die nicht mehr da war.

Als wir hinaustraten atmete ich auf, das Leben öffnete sich wieder. Der graue Himmel wirkte hell und frisch, das Pflaster des Weges greifbar, wirklich und schön. Geräusche waren zu hören, Vögel auch.

Der Friedhofsdiener trug die Urne mit einer gemessenen, fast heiteren Routine, die wohltat. Ich erstaunte, als er sich vor der Öffnung im Erdboden verbeugte. Mich freute diese Repektsbezeugung, dieses überflüssige Ritual.

Bevor ich dann den Sand auf die Urne warf, in das ziemlich tiefe Loch, wog ich ihn mehrmals in der Hand , zerdrückte ihn mit dem Daumen. Ließ ihn dann nach und nach hineinrieseln.

Wir berieten dann noch, wie die Blumen und Zwiebeln am besten eingepflanzt werden sollten, die wir mitgebracht hatten. Der Sand, mit dem das Loch aufgefüllt worden war, schloss nicht nur das Loch im Erdboden, er vervollständigte auch in meinem Inneren etwas.

 

Mit dem Golfstrom spielen

Wie sehr interessiert uns, was in zwei- oder vierhundert Jahren passieren wird?

amoc-liu-2017-1cjpg-600x288
Hypothetischer Zeitverlauf der Konvektionsströmung im Atlantik nach einer sprunghaften CO2-Verdopplung bei monostabiler (blau) und bistabiler AMOC (rot)(Quelle)

Ob zum Beispiel die Antlantic Meridional Overturning Circulation (AMOC) zusammenbrechen wird oder nicht?

Wie sehr sind wir verbunden mit den Menschen, die dann leben werden, sechs oder zwölf Generationen entfernt?

Die AMOC ist der Konvektionsanteil des Golfstromsystems, der nicht vom Wind, sondern von Abkühlung des Wassers in der Arktis angetrieben wird. Es ist noch nicht abschließend geklärt, ob sie bistabil ist oder nicht. Klar ist, dass die Klimaerwärmung sie schwächt. Wenn sie bistabil ist, gibt es einen Grad der Schwächung, ab dem sie fast völlig zusammenbricht (und auch bei einer Temperatursenkung nicht wieder anspränge). Dieses Zusammenbrechen findet auf einer Zeitskala von einigen hundert Jahren statt.

Wie Stefan Rahmstorf hier schreibt, mehren sich die Hinweise, dass die Zirkulation bistabil ist. Ein kleiner Unterschied in der Verdunstung und dem Niederschlags über den Ozeanen, verusacht einen großen Unterschied in der Meereströmung.

Dieser Unterschied in der Ursache ist so klein, dass er durch die bisherigen Messungen nicht entschieden werden kann. Er kann nur erschlossen werden dadurch, dass mit ihm die Simulationsergebnisse besser zu den Messdaten passen als ohne ihn.

Ein Beispiel dafür, wie vertrackt Klimawissenschaft ist und wie sträflich es wäre, die Mittel dafür zu streichen.