Gut und – gut.

„Was die Vergangenheit angeht, so ist alles – ohne Ausnahme – gut.“

Auch die Völkermorde & sim.

Ein revolutionärer Satz.

Natürlich nicht im Sinne von „alles gleich gut“, sondern im Sinne von „abgeschlossen, in Frieden damit“. Befähigt einen mehr, in Bezug auf das vor einem Liegende das Gute zu wählen.

 

 

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Über den Strom der Worte und Anderes

Der Strom der Worte: Es geht nicht darum, ihn zu beschränken, ihn „rein“ oder „richtig“ zu machen, sondern darum, mit ihm zu spielen, ihn als Mittel des Spiels zu verwenden, der Poesie, des Überraschenden, des Schönen, des Elektrisierenden, des Ästhetischen.

Das Entsprechende gilt für den Strom der Bilder, der doch immer so über uns hereinbricht: ja, er soll Wärme, Kraft und Ordnung fördern, aber er kann dies nur wenn er lebendig wird: Gewicht, Spannung, Kalkül enthält.

Für den Strom der Bewegungen wird das dann zum Gestus, zum Tanz, zur Grandezza.

Ich kann mich auch zu einem Haufen Fleisch mit Knochen darin zusammensinken lassen, durchpulst und durchzittert von Nervenströmen, auch das stärkt paradoxerweise die Stärke.

Es ist wie die Pause im Atemzyklus. Du wartest auf den Einatem, von dem du lediglich vermutest, dass er wiederkommt. Du hast Geduld. Keine Eile. Da, da ist er, aus dem Nirgendwo, im Verborgenen hat er sich vorbereitet und jetzt kommt er hoch, wie der lösende Einfall, die lösende Handlung, das in-Bewegung-Gehen oft aus dem Verborgenen heraufkommt.

Ein Element: Respektieren

Eine Erkenntnis aus der Meditation: meine Entscheidungen zu  respektieren. Das heißt ganz und garnicht, ihre Wirkungen zu negieren. Im Gegenteil. Es heißt, ihre Wirkungen zu würdigen.

Es heißt auch, die Entscheidungen anderer zu respektieren.

Dies ist noch nicht das Ziel. Das Ziel ist, in einem Flow von Wahrnehmungen, Gefühlen, Entscheidungen, Handlungen und Reflektionen zu sein. Wenn ich über das Respektieren oder Nichtrespektieren von Entscheidungen nachdenke, bin ich bereits nicht mehr in diesem Flow.

Einige von Euch werden das nachvollziehen können, anderen wird es gar nichts sagen.

Ein wenig Aprilnachmittag und ein wenig philosophieren über die Deckung

Fahre mit dem grazilen, flinken Rad über das Tempelhofer Feld, es ist leicht in meiner Hand und es trägt mich, es rollt mit mir, wohin ich will. Die unglaubliche Weite, ein Rückenwind, eine wärmende Aprilsonne, eine Feldlärche, die oben in der Luft steht und trillert, machen alles leicht.

Ich bin nicht auf dem Rückweg von der Arbeit, nein: ich bin mitten auf einer zehntausend-Kilometer-Radtour, ich erforsche neue Wege, ich schweife ab, erfüllt von Erwartung.

Da ist der Uferweg und all die verschiedenen Leute, die mir entgegenkommen oder am Rand sitzen und auf ganz verschiedene Weisen miteinander sprechen. Ich überhole einen Mann mit einem Buggy, in dem ein kleines Mädchen sitzt. Über dem Bügel vor ihr hängt eine Decke, so dass sie rundum Schutz um sich hat. Sie schaut glücklich aus ihrem Wagen und schleckt ein Eis.

Die Decke gibt ihr Deckung. Kennt ihr das Phänomen der Deckung auch? Man hat im Rücken etwas Großes: eine Wand oder ähnliches und vor sich einen Sichtschutz, der einem selbst aber erlaubt, draußen alles zu sehen, idealerweise noch ein Dach über sich.
Diese Konfiguration verursacht ein bestimmtes Behagen. Sie ist fast heilsam.

Das ist noch evolutionäres Erbe aus Jahrmillionen.

Tempelhofer Feld, aus der Deckung hinter dem Unterarm gesehen.

 

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Der Körper

Betrachten wir einen menschlichen Körper von außen, so ist er glatt und schön, von einer wunderbaren Haut bedeckt. Sehen wir jedoch ins Innere, so ist er überall feucht, ja nass, erfüllt von Flüssigkeiten: Blut, Lymphe, Zellflüssigkeit. Und er tauscht Flüssigkeit mit seiner Umgebung aus: Schweiß, Speichel, Tränenflüssigkeit, Urin, Magensäure (der Verdauungstrakt ist topologisch gesehen Körperumgebung), Galle & c.

Dieses mir klarzumachen fasziniert mich seltsamerweise.

Der evolutionäre Ursprung all dieser Flüssigkeiten ist das Urmeer, in dem sich die ersten Zellen gebildet haben; sie haben dann im weiteren Verlauf der Evolution ihre flüssige Umgebung quasi mit sich mitgenommen, unsichtbar, verborgen hinter dieser wundervollen Hülle der Haut, aufrechterhalten durch eine genau dosierte, sorgfältig gesteuerte Abgabe und Aufnahme von Wasser.

Damit nicht genug des Wunderns: Dieser in Flüssigkeit getauchte, nasse, von Wasser in verschiedenen Formen durchzogene Organismus ist gleichzeitig von Elektrizität durchflossen – ein offensichtlicher Widerspruch, aber es ist so: Jede willkürliche oder unwillkürliche Bewegung ist von Spannungen und Strömen begleitet, jede Wahrnehmung, jedes Gefühl; jeder Gedanke besteht aus Strömen, die in Form schwacher Impulse in  einem unfassbar komplexen Leitungssystem, das durch dünne Membranen gerade genug isoliert ist, herumfließen. Und diese Ströme machen unsere Lebendigkeit aus: erlöschen sie, erlischt das Leben.

Wir sind eigentlich elektrische Wesen, nasse elektrische Wesen.

worry be happy

Die Freunde wünschen einem, eine schöne Zeit zu verleben.

Wie wir alle wissen, gelingt das nicht immer perfekt.

Was Andere einem wünschen mag schön sein und aus Liebe kommen, aber in letzter Konsequenz gehört es zu ihnen.

Sei so schlecht drauf wie du willst!

Eine von den heilsamen Paradoxien.

 

Sei so (schlecht | gut | mittel | alles zusammen | nichts davon) drauf wie du willst!