Erfreuliche Nachricht aus dem Bundestag

Einige der Leser werden sich vielleicht an meine Petition an den Deutschen Bundestag erinnern, dass doch die Emissionswerte bitteschön möglichst groß in jeder Autowerbung auftauchen möchten. (hier gebloggt).

Nun ist diese tatsächlich vom Petitionsausschuss als Beschlussempfehlung an den Bundestag verwiesen worden. Genauer gesagt wird empfohlen, die Petition „als Material“ an das Verkehrsministerium zu überweisen, das derzeit die „Verordnung über Verbraucherinformationen zu Kraftstoffverbrauch, Kohlendioxidemissionen und Stromverbrauch neuer Personenkraftwagen“ überarbeite.

Die Abstimmung des Bundestages ohne abschließende Aussprache wird stattfinden am Donnerstag, 18. Oktober 2018!

Na wenn das nichts ist!!

Hoffentlich lesen die Menschen, die sich damit befassen werden, auch die Diskussion im Petitionsforum des Bundestages, wo ich zwei wichtige Ergänzungen untergebracht habe:

  1. Die Emission nicht in g/100km, sondern in t/10.000km angeben und
  2. Die bei der Herstellung entstandene Emission mit angeben.

Eine habe ich noch vergessen, nämlich diese Werte auch bei Elektroautos mit anzugeben.

Nach dem 18. Oktober werden wir mehr wissen.

Dann muss die Petition immer noch durch die Mühlen des Ministeriums, wo sie wahrscheinlich durch den Fleischwolf gedreht wird… (seufz)

 

Der vergessene Holocaust

Irgendwie irritierte es mich immer, dass ich mir die hohe Zahl der nichtmilitärischen Weltkriegstoten der damaligen Sowjetunion nicht erklären konnte, und ich las im englischen Wikipedia dazu nach.

Der Artikel gibt viele verschiedene Quellen an, und was als erstes auffällt, ist dass es so wenig Konsens über die Zahl der Toten gibt. Die Unsicherheit  der Angaben ist sehr groß, im Bereich von 40 %. Aber sie liegen alle im Millionenbereich. Ich nehme hier eine Aufstellung heraus:

Direkt und absichtlich Getötete 7,4 Mio
In Arbeitslagern umgekommene 2,1 Mio
Tote durch Hunger und Seuchen 4,1 Mio
Umgekommene Kriegsgefangene 2,6 Mio
Summe der nichtmilitärischen Toten in der Sowjetunion 16,2 Mio

(Ich wage es nicht, eine Fehlergrenze dafür auch nur anzugeben.)

Das gehört auch zur Fratze des sogenannten National-„sozialismus“, nicht nur die Todesfabriken in den KZs. Das ganze System war eine Todesfabrik. Wirklich.

Was hat das mit uns, jetzt, zu tun? Klarheit, einfach Klarheit.

Wie wir die Erde verloren

New York Times: Loosing Earth

Eine amerikanische Geschichte: Wie der Klimawandel, ein Thema, das nur einigen wenigen Wissenschaftlern überhaupt bekannt war, durch das Engagement und die Aktivität von ein paar Dutzend Protagonisten zu einem internationalen Projekt wurde. Aufgehängt am Kampf Rafe Pomerances, einem Aktivisten von Friends of the Earth, dessen jahrzehntelanger Kampf den roten Faden bildet, der die Erzählung  zusammenhält. Es ist eine Geschichte von Menschen wie James Hansen, dem Klimaforscher, der sein Wissen über die Physik der CO2-Venusatmosphäre auf die Erdatmosphäre übersetzte und zu einem Medienstar wurde. Oder von Präsidenten wie G. W. Bush, der anfangs noch den Treibhauseffekt (greenhouse effect) mit dem White-House-Effekt in den Griff bekommen wollte – und dies schnell vergaß; er hatte ihn nicht wirklich verstanden, sondern nur als wahlkampfrelevant oder eben nicht wahlkampfrelevant angesehen.

Es ist auch eine Geschichte von Fehleinschätzungen, wie die von Bushs Stabschef John Sununu, einem promovierten Ingenieur, der Hansens Ergebnisse hätte verstehen können, es aber nicht tat, und zu einer der treibenden Kräfte bei der Torpedierung internationaler Vereinbarungen wurde.

Es ist eine Geschichte am Beginn eines neuen Zeitalters, in dem der Einfluss der Menschen auf die Erde so groß geworden ist, dass sie nicht länger als „außen“ angesehen werden kann und eine Geschichte von Menschen, die dies noch nicht begreifen wollen.

Und es ist eine Geschichte von intellektuellem Verstehen und darauffolgendem Ignorieren, und das ist die wichtigste Geschichte, denn sie betrifft uns alle.

 

 

#emissionswerteinautowerbung – update 2

emissionen-transport-d
Jährliche Emissionen im deutschen Transportsektor. (180 Mio. t sind etwa 2,2 t pro Kopf oder 1/5 der Gesamtemissionen.) (Quelle)

Ich habe ja im November diese Petition an den Bundestag gestellt, in jeder Autowerbung die CO2-Emissionen für 10.000 km Fahrt und die Herstellung des Wagens unübersehbar unterzubringen. Kürzlich war sie auf die Forenwebsite gestellt worden (siehe dieser Post). Die Möglichkeit, dort zu kommentieren oder mitzuzeichnen ist jetzt vorüber. Es haben 52 Menschen mitgezeichnet.

Ich habe dann noch als Promotion an die TAZ und meine Kreuzberg-Friedrichshainer Grünen-Abgeordnete gemäilt, ansonsten hatte ich in der Zwischenzeit nicht die mindeste Lust, mich damit zu beschäftigen wegen einer eigentümlichen unangenehmen Aufgeregtheit im Bauch.

Im Brief von heute steht nun: „Die Ermittlungen konnten inzwischen abgeschlossen werden. “

Ich vermute, dass dies ein Textbaustein ist und solche Petitionen sich meist auf irgendwelche Verwaltungsvorgänge beziehen, die falsch gelaufen sind und wo der Sachverhalt ermittelt werden muss.

Die Sache geht nunmehr in den Petitionsausschuss. Ich bin wirklich gespannt. Die Stagnation auf hohem Niveau der Emissionen im Transportsektor ist seit Jahren politikbekannt. Desgleichen ist bekannt, dass Deutschland sein selbstgesetzes Klimaschutzziel unter Anderem deswegen verfehlen wird. Die generelle Haltung der CDU/CSU scheint zu sein: „Wir wollen das Klima schützen, aber es darf sich nichts ändern“ („paradoxer Konservativismus“). Die der SPD und leider auch teilweise der Linken ist: „Wir wollen das Klima schützen, aber es darf keine Arbeitsplätze kosten.“ („dekorierter Klientelismus“).

Na ja, mal sehen, ob Kant oder Altmaier die Palme davontragen werden …

#emissionswerteinautowerbung

petitionWie schon angekündigt, hier ein Update zu der Bundestagspetition.

In diesem früheren Posting habe ich sie vorgestellt. Ihr Ziel ist einfach und leicht zu begreifen: auf jede Autowerbung soll groß und an zentraler Stelle der Emissionswert des Autos stehen. Den Sinn davon brauche ich wohl nicht zu erklären.

Nach nicht einmal 5 1/2 Monaten ist sie nun online, auf der Diskussionsseite der Bundestagspetitionen. Und zwar noch 3 Wochen.

Wenn Ihr dort mitzeichnet, könnt Ihr vielleicht eines Tages sagen: hier wurde Geschichte gemacht, und ich bin dabeigewesen! Kleiner Scherz. Sagte Goethe seinerzeit bei einem ziemlich verunglückten Feldzug gegen das revolutionäre Frankreich, den er als Schlachtenbummler besichtigte, die Pflaume. Nun, ich hoffe, dass dieser Feldzug nicht verunglückt, und er geht auch nicht gegen die Revolution sondern eher gegen das Establishment.

Sie  ist sinnvoll, sie ist konkret, sie ist erfolgversprechend, sie ist evolutionär: die Petition.

co2Zur Erinnerung: so sieht unsere CO2-Konzentration aus (Mauna Loa auf Hawaii ist der erste Ort, an dem diese kontinuierlich gemessen wurde. Die Datenreihe ist die längste direkt gemessene). Die Basislinie ist etwa bei 280. Die ebenfalls zunehmenden Methan- und sonstigen Emissionen sind nicht einmal enthalten.

Wo das hinführt, kann man sich an einem Finger ausrechnen.

Ich fahre auch gerne Auto. Es ist einfach toll. Ich staune gerne Ferraris an. Ich kann mir vorstellen, dass es auch schön sein kann, mit so einem SUV durch die Gegend zu kutschen. Wie man hört lieben Männer sie wegen des Egos und Frauen, weil sie so schön sicher sind. Aber das ist alles Kinderkacke. Leute, die sich sonst ganz erwachsen verhalten, sind hier gedankenlos.

Und wir können niemals erwarten, dass 6 Millarden Menschen der weniger industrialisierten Welt ihre Konsumbedürfnisse einschränken, wenn wir hier in den Metropolen fett und bräsig auf unserem Emissionsstil beharren. Das geht nicht. Das ist doch wohl einleuchtend.

Es wirkt etwas verschroben, wenn man so etwas macht. Das kann ich spüren. Aber das ist für einen Meditierer interessant: so funktioniert der Mind. Wenn du etwas tust, was außerhalb der Norm ist, kommt dieses Verschrobenheitsgefühl. Das hat nichts zu bedeuten. Was man für richtig hält hingegen hat sehr viel zu bedeuten.

Also gebt Euch eine Ruck und zeichnet mit und teilt das irgendwie weiter.

 

 

 

Respekt aus Egoismus

Nachdenken über die Begründung von Einkommensunterschieden. Die Sache hat viele Aspekte; hier möchte ich in den der Achtung des Höhergestellten gedanklich einsteigen:

Wenn der Niedrigergestellte den Höhergestellten respektiert, so eröffnet er diesem Bewegungsraum und gibt ihm die psychische Kraft, seine Rolle gut auszufüllen. Dieses nützt ihm selbst, insofern der Erfolg der Gruppe gefördert wird. Ein Teil dieses Respektierens kann sein – muss aber nicht unbedingt – dass der Unter dem Ober ein größeres Stück am gemeinsam gebackenen Kuchen zugesteht. Auch dieses schafft dem Ober Bewegungsraum.

Der gute Chef, die gute Chefin, ist sich bewusst, dass der Respekt seiner/ihrer Leute verdient sein will. Er/sie fühlt sich ihnen verpflichtet und nicht seinen/ihren Geldgebern – oder nur insofern dieses notwendig für den Erfolg der Unternehmung und seiner Mitwirkenden ist.

Schräg wird die Sache, wenn sich die Wirkungsrichtung umkehrt, wenn der Ober also Respekt, Gehorsam und seinen Mehrverdienst als Pflicht des Unter einfordert. Er kann dies durch seine Machtstellung forcieren und durch ein „natürliches“ Bündnis mit den anderen Obern wird dieses Forcieren nahezu unangreifbar; das ist dann Marx‘ „Klasse an und für sich“, und zeigte sich über die Jahrtausende als Klassenkampf von oben.  Dabei wird ein elitistisches Weltbild in den Köpfen installiert, das das Aufkommen von Bewegungen erschwert, die die Struktur in Frage stellen können.

Diesem elitistischen Weltbild begegnen wir  – trotz aller Aufklärung, Revolutionen und Demokratisierung – immer noch an allen Ecken und Enden. Innerhalb des dadurch gegebenen Schutzraums können die Obern ungestraft über die Stränge schlagen, und das ist, was der Adel und auch das Großbürgertum seit Menschengedenken taten. Wie sich 1789 und auch 1917 zeigte, war das auf die Dauer doch nicht so ungestraft. Die Gegenbewegung konnte sich zu handlungsfähigen Kräften kondensieren und die elitistische Ordnung beseitigen – ohne dabei allerdings einen weisen Umgang mit dem Phänomen des Führens und sich-führen-Lassens zu finden.

Der Vorteil der Wahldemokratie ist, dass die Verankerung der Macht im freiwilligen Respekt der Geführten institutionell verankert ist. In einem riesigen Bereich der Gesellschaft, der Wirtschaft, ist dies nicht in dem Maße der Fall, auch wenn viele Führungskräfte die Verpflichtung gegenüber den Geführten spüren und sich bemühen, danach zu handeln. Die dort herrschende Ideologie ist eine, in der die Zufriedenheit der Mitwirkenden kein Wert in sich selbst ist, sondern ein Mittel zur Motivation, und diese wieder ein Mittel zur Kapitalverwertung. Die Herren des Kapitals sind durchdrungen von Elitegefühl, das durch die Spielregeln der Ordnung, aber nicht durch freiwilligen Respekt von Mitwirkenden getragen ist.

 

Europa und das tägliche Leben

diem25-websiteEuropa bedeutet für mich  – auf der Ebene meines täglichen Lebens – kaum etwas. Jedenfalls scheint es so. Aber dann sehe ich meine spanische Mitbewohnerin, und mir wird klar, wie deutlich der Prozess des Zusammenfügens voranschreitet, und wie positiv die politische Institution Europa sich hier ausgewirkt hat.

Aber Europa bedeutet für mich auf der Ebene des Politischen etwas Begeisterndes. Eine Familie mit sehr verschiedenen Mitgliedern, die dennoch eine Familie sind. Und ich wünsche uns, dass es ein europäisches Handeln gebe, das über den kleinsten gemeinsamen Nenner der Meinungen der 28 Staatschefs hinausgehe, die ihrerseits mehreren Dutzend nationaler politischer Parteien verantwortlich sind.

Der Guardian hat jetzt eine Artikelserie über Europa gestartet, die einen Überblick über viele verschiedene Aspekte des Annäherungsprozesses ermöglichen soll. In einem der ersten Artikel darin geht es um die Ungleichheit der Einkommen: Europa ist die Weltgegend mit den geringsten Einkommensunterschieden. 1)

Die Existenz multinationaler Konzerne erzwingt supranationale politische Organe. Das ist ja wohl trivial.

Das europäische politische System ist nicht undemokratisch, aber es beruht auf den Nationen und ihren Interessen, die ausgehandelt werden müssen – und nicht auf dem europäischen Bürger, der zufällig in dieser oder jener Nation lebt. Dieses andere Denken entwickelt sich langsam und das finde ich gut.

Eine neue, linke, europäische Partei hat sich vor kurzem gegründet, das DiEM25 (Democracy in Europe – Movement 2025). Das berührt mich. Sie haben ein „Manifesto“ geschrieben, das wohl nicht zufällig an jenes andere Manifest erinnern soll, das 1848 erschienen ist. Sie hatte ihre Gründungsversammlung in der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz in Berlin!! Lustig, nicht. Und Workshops in Räumen der TU, meiner Alma Mater.

Ich bin noch unschlüssig, ob ich mich dort engagieren werde, aber ich werde die Sache auf jeden Fall auf dem Schirm behalten.

1) Skandinavien ist führend, Frankreich und Deutschland fast gleich und Spanien, Griechenland in Europa am ungleichsten. Mexico, USA, Türkei, Chile weltweit unter den OECD-Ländern (Quelle).