Eine originelle Petition zum Klimaschutz

bundesadlerJeder Bürger kann Petitionen per WWW an den Bundestag schicken, und ich bin verschroben genug, um genau dieses gerade getan zu haben.

Mit so einer Petition passieren dann zwei Dinge:

  1. Sie wird, wenn wie hier gewünscht, auf einem Diskussionsforum erscheinen, und
  2. sie wird im Petitionsausschuss behandelt, bewertet, sachlich geprüft und gegebenenfalls dem Bundestag mit einer Empfehlung zur Beschlussfassung vorgelegt.

Welchen Inhalt hat nun mein Meisterwerk?

Hier ist es:


Petition an den Deutschen Bundestag

Petition 74954 – 18. November 2017

Der Deutsche Bundestag möge beschließen,

dass in jeder Werbung für Automobile der CO2-Emissionswert in g / 100 km prominent auftauchen muss.

zum Beispiel: auf Plakaten und Print- oder WWW-Anzeigen mindestens in 3/4 der maximalen Schriftgröße mit optimalem Kontrast und mit einem Mindestabstand vom Rand, in Werbefilmen als deutliche Einblendung und akustisch am Anfang für eine Mindestdauer, mit normaler Sprechgeschwindigkeit.

Begründung

Angesichts der dringenden Notwendigkeit, die Erwärmung der Erdatmosphäre zu begrenzen, ist eine Änderung des Kaufverhaltens in Richtung auf sparsamere Autos unabdingbar.

Die CO2 – Emission eines Wagens ist immer noch für die meisten Autokäufer*innen ein Nebenthema. Sie taucht in der Werbung gar nicht oder so marginalisiert auf, dass allein schon dadurch dem Käufer ihre Unwichtigkeit suggeriert wird. Dieses wird in der Autoberichterstattung in der Presse noch verstärkt, in der Emissionen allenfalls in einem Nebensatz abgehandelt werden. Der finanzielle Anreiz zur Entscheidung für sparsamere Autos ist aufgrund des fehlenden wirksamen Preises auf Emissionen auf absehbare Zeit zu schwach. Entsprechend hat sich die Verbesserung der Motoren nicht in einer Verringerung der Emissionen niedergeschlagen, da ihre Wirkung durch den Bau und Verkauf größerer und schwerer Autos aufgehoben wurde. Diese Entwicklung ist nicht zuletzt durch massiven Werbeeinsatz für diese schwereren Wagen verstärkt worden.

Mit der Vorschrift soll erreicht werden, dass die Verbraucher*innen sich angewöhnen, die Emissionswerte der Autos stärker in ihrer Kaufentscheidung zu gewichten. Als Nebeneffekt wird der Wertevergleich für die Autokäufer*innen, die bereits jetzt darauf achten, deutlich erleichtert. Möglicherweise wird auch eine Konkurrenz zwischen den Autofahrer*inne*n um den Wagen mit den niedrigsten Werten angeregt.

Es muss vermieden werden, das Autotypen nur innerhalb ihrer Klasse um Bestwerte konkurrieren, da gerade der Kauf sparsamerer Klassen angeregt werden soll.

Im Gefolge ist auch eine Änderung des Verhaltens der Produzenten zu erwarten, wenn sie so gezwungen werden, die absoluten CO2-Emissionen in den Mittelpunkt des Marketings zu stellen. Sowohl deren Modellpolitik als auch ihre Innovationsanstrengungen zur Emissionssenkung werden sich wahrscheinlich in Richtung auf größeren Klimaschutz entwickeln.


Tja, sowas kann man machen! Wer hätte das gedacht! Ob dabei etwas herauskommt, kann niemand sagen.

Wenn das Ding im Diskussionsforum auftaucht, werde ich mich nochmals melden…

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COP23 = Conference of Parties # 23

wearestillin-screenshot-400Eine komplexe Konferenz mit dem Thema „Verantwortung für unser Haus, den Planeten“.

Großes Thema natürlich Trumps Ausstieg aus dem globalen Prozess. Und die herausfordernde Reaktion des Rests der Welt: Jetzt erst recht. Macron, als Franzose nicht um ein Bonmot verlegen: „Wir haben keinen Plan B, weil wir keinen Planeten B haben.“

Was mich berührt, ist die Reaktion einer großen Gruppe innerhalb der US of A, die sich „WeAreStillIn“ nennt. Sie haben einen Pavillon in Bonn aufgestellt und lassen dort eine Fülle von Veranstaltungen zu allen möglichen Themen stattfinden. Die Amis haben nun mal auch die schöne  Fähigkeit zu Begeisterung und Aktion für die gute Sache .

Im Übrigen lasse ich mich darüber über einen Newsletter von climatehome.com unterrichten.

Wo Deutschland klimamäßig steht

 

per-capita-emissions-selected-regions
Pro-Kopf CO2-Emissionen ausgewählter Regionen

(Dies ist ein Kommentar auf einen Beitrag auf Klimaretter.info.)

 

Das Kriterium, das am Ende zählt, ist die pro-Kopf-Emission. Hier sind wir seit Anbeginn der Klimadiskussion Nachzügler. Dies will sich nur niemand eingestehen, weil es bedeuten würde, wahrzunehmen, dass wir eine viel größere Emissionsminderungsstrecke vor uns haben als andere Länder. Das würde demotivierend wirken.

Eine Möglichkeit wäre, eine jährlich entsprechend sinkende nationale Gesamt-Emissionsobergrenze zu setzen und nationale Emissionszertifikate zu verlangen. Diese wären mit den europäischen konvertierbar in den Wirtschaftsbereichen, die vom ETS abgedeckt sind. In diesen Bereichen könnte Deutschland dann nur einen Bruchteil der von Europa für Deutschland freigegebenen Zertifikate verbrauchen.
Als Folge würde der Europäische Zertifikateüberschuss weiter anwachsen. Dies hätte aber keine negativen Folgen auf die Europäischen Emissionen, weil der Zertifikatepreis so oder so wirkungslos ist. Aber der Druck auf Europa, die überschüssigen Zertifikate zu vernichten, würde weiter steigen.

Ein Strukturwandel ist unumgänglich. Dieser kostet Geld und Arbeitsplätze. Hier fehlt klar die mittelfristige Planung. So könnte dem Verlust von Arbeitsplätzen in der Kohle-Energie-Industrie ein Gewinn im Bereich der längst fälligen Wärmeisolierung von Gebäuden gegenüberstehen. Industrien wie die Aluminiumindustrie werden schrumpfen müssen. Das muss man aussprechen und planen.

Wider das rein individuelle Gutsein

Ich stolpere über diesen Guardian-Artikel: „Würdest du jemandem raten, in brennendem Haus mit dem Handtuch zu schlagen oder mit der Fliegenklatsche im Feuergefecht?“

Er macht sich – zu Recht – über die Winzigkeit der Effekte unseres individuellen Verhaltens lustig und spürt dahinter ein tieferes Problem auf: die Reduktion des gesellschaftlichen Seins auf die individuelle Verantwortung. Und das ist Neoliberalismus: alles, alles, ist deine Verantwortung, und nur deine. Was für eine Dummheit!

„Steeped in a culture telling us to think of ourselves as consumers instead of citizens, as self-reliant instead of interdependent, is it any wonder we deal with a systemic issue by turning in droves to ineffectual, individual efforts?“

Das ist für mich der Kernsatz, „interdependent“, ein nicht treffend übersetzbares Wort, der Kernbegriff. Sich als Teil des Netzes sehen anstatt als Teil einer Herde von Einzelkämpfern, oder Einzelschafen.

Aber das spricht natürlich gar nicht gegen individuelle Anstrengungen! Nur dass es da noch mehr gibt.

 

Deutschland hat den Mund zu voll genommen (ein bischen)

Die Bundesregierung legt in jedem Jahr einen Monitoringbericht zur Energiewende vor, der die Entwicklung des Energieverbrauchs und der Emissionen in Deutschland darstellt. Wer Zahlen liebt, für den ist das ein Paradies(1). Zusätzlich haben vier professorale Energieexperten dazu eine Stellungnahme verfasst (2), deren Tenor im Wesentlichen dem Titel dieses Postings entspricht.

Auf fast allen Teilgebieten ist die Wahrscheinlichkeit, die bis 2020 gesetzten Ziele zu erreichen, nur mittel bis gering.

Als Beispiel hier eine Grafik für die meiner Meinung nach wichtigste Zielgröße, die Treibhausgasemissionen (3):

thg-emissionen-1990-2015

Es wurde durchaus etwas erreicht, aber das da rechts bei 2020 ist die Zielmarke, und das werden wir wohl nicht schaffen, besonders nicht bei dem langsamen Tempo seit 2008.

Eine weitere sehr interessante Grafik bieten die Treibhausgasemissionen je € Inlandsprodukt und je Nase der Bevölkerung:

thg-emissionen-pro-bip-und-nase

Wir emittieren für unseren Wohlstand je Einheit nur noch die Hälfte des Werts von 1990, aber pro Kopf liegen wir immer noch um die 11 t.

Das muss man in Beziehung setzen dazu, dass bei momentaner Emissionsrate die 50 % – Chance mit der Temperaturerhöhung unter 1,5 K zu bleiben, in 9 Jahren unterschritten ist, und die 50 % – 2 K – Chance in 27 Jahren (4). Und dazu, dass der Zielwert bei 2 t / Kopf und Jahr.

(1) http://www.bmwi.de/Redaktion/DE/Publikationen/Energie/fuenfter-monitoring-bericht-energie-der-zukunft.html

(2) http://www.bmwi.de/Redaktion/DE/Downloads/V/fuenfter-monitoring-bericht-energie-der-zukunft-stellungnahme-zusammenfassung.pdf

(3) Die Daten des Monitoringberichtes als Exceldatei

(4) https://www.carbonbrief.org/analysis-only-five-years-left-before-one-point-five-c-budget-is-blown

 

Zwei Ansätze für Frieden: Zivilität und Vergebung

Große Worte von einem kleinen Blogger in einem Berlin-Kreuzberger Hinterhof.

Aber warum nicht?

Zivilität

Damit meine ich, Akte der Gewalt nicht als von einer Gruppe, sondern vom Individuum ausgehend zu begreifen, und darauf nicht per Kampf gegen die Gruppe, sondern als Gesamtgesellschaft gegen gewalttätige Individuen zu reagieren.

Eines der bekanntesten Beispiele dafür sind die Nürnberger Prozesse. Auch der Internationale Gerichtshof im Haag gehört dorthin.

Weitergehend stelle ich mir vor, dass etwa Israel auf die arabisch-palästinensischen Raketenangriffe nicht mit eigenen Kriegsmaßnahmen reagiert, die die Kampfstellung zweier Kollektive (wie Alfred Adler das vielleicht nennen würde) nur bestärkt, sondern mit strafrechtlichen Klagen vor einem arabisch-palästinensischen Gericht. Absurd? So weit sollte es kommen.

Vergebung

scheint eine christliche Kategorie zu sein, ist es aber  nicht: jede Kultur kennt sie. Ich verzichte auf die Rache, ich verzichte auf einen Teil meiner Macht, ich verzichte darauf, alles, was ich als mein Recht ansehe, durchzusetzen, um eine Zukunft zu erreichen, die nicht durch bitteren Kampf geprägt ist.

Beispiele sind etwa das Verhalten der Siegermächte gegenüber Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg und jüngst der Friedensvertrag der kolumbianischen Regierung mit den FARC.

Diese Elemente können vielleicht mehr und mehr in das öffentliche und private Gespräch über alles einfließen.

Ein pikantes Detail des Flüchtlingsdramas

zaatri refugee camp
Das Flüchtlingslage Za’atri in Jordanien (Quelle)

Viele der Menschen, die jetzt aus Syrien fliehen, würden gern in Jordanien oder Libanon bleiben, weil dort arabisch gesprochen wird, oder in der Türkei, weil sie dann näher bei ihrem Zuhause sind, sollte der Krieg einmal enden. Dies sagte Melissa Fleming, Sprecherin des UNHCR, gerade bei Günther Jauch.

Sie können dies jedoch nicht, weil die Nachbarländer sich weigern, weitere Menschen aufzunehmen und lediglich den Transit erlauben. Darüberhinaus machen viele sich auf den Weg, die seit einiger Zeit, oft schon seit Jahren, in Lagern in den syrischen Nachbarländern leben, weil sie das Lagerleben nicht mehr ertragen.

Diese Lager sind oft vom UNHCR betreut, das sich große Mühe gibt, mit Schulen und Einkaufsmöglichkeiten den Flüchtlingen ein menschenwürdiges Leben zu ermöglichen. Und genau dieses UNHCR ist, so Fleming, krass unterfinanziert. Es stellt seit 2010 systematisch Bedarfsbudgets auf, um seine Arbeit nachvollziehbar zu priorisieren und vorauszuplanen. 2014 wurden nur 55 % dieses Ansatzes gedeckt (Quelle).

Der größte Anteil der Spenden stammt von Staaten und staatlichen Organisationen wie der EU, ein kleinerer Teil von Firmen und Privatpersonen. Man muss sagen, dass Deutschland sich hier nicht mit Ruhm bekleckert. Gemessen am Sozialprodukt liegen wir an 18. Stelle, weit hinter den nordischen Ländern, aber auch Großbritannien und den USA (Quelle).

Elmar Brok, Vorsitzender des auswärtigen Ausschusses des EU-Parlaments, sagte in der nämlichen Sendung, dass jeder Euro, der für bessere Versorgung der Flüchtlinge in den syrischen Nachbarländern ausgegeben wird, drei Euro in Deutschland für Integrationskosten erspare.

Ob das so genau stimmt? Plausibel erscheint es jedenfalls.