Ein Element: Respektieren

Eine Erkenntnis aus der Meditation: meine Entscheidungen zu  respektieren. Das heißt ganz und garnicht, ihre Wirkungen zu negieren. Im Gegenteil. Es heißt, ihre Wirkungen zu würdigen.

Es heißt auch, die Entscheidungen anderer zu respektieren.

Dies ist noch nicht das Ziel. Das Ziel ist, in einem Flow von Wahrnehmungen, Gefühlen, Entscheidungen, Handlungen und Reflektionen zu sein. Wenn ich über das Respektieren oder Nichtrespektieren von Entscheidungen nachdenke, bin ich bereits nicht mehr in diesem Flow.

Einige von Euch werden das nachvollziehen können, anderen wird es gar nichts sagen.

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Werbefritzen dieser Welt…

Wenn ich eine Jacke oder Stiefel, die ich mir kürzlich in einem Webshop angeguckt habe, ungefragt auf einer komplett verschiedenen Website sehe, werde ich wütend und verliere jede Lust, dort noch etwas zu kaufen.

In der Fabrik

Ich arbeite seit einigen Monaten in der Helpdeskbranche. Angestellt bei der einen Firma, befristet natürlich, ausgeliehen an eine Zweite und betreuend eine Dritte. Das Ganze für einen Hickser mehr als Mindestlohn – aber ich mach das jetzt.

Im Scherz sage ich morgens: „Ich gehe ins Werk.“, denn das ist fabrikmäßiges Arbeiten, in einem Fabrikgebäude, mit nüchterner, zweckmäßiger Einrichtung (immerhin sind einige Pflanzen in Aquakultur mit eingezirkelt worden), fabrikmäßigen Arbeitsplätzen, fabrikmäßigen Produktionszahlen und -Normen. In der Pause, die niemals alle „Arbeiter“ zugleich machen, sitzt man fast immer schweigend, einige über ihren Tablets spielend oder per Kopfhörer Musik hörend, einige ihr mitgebrachtes Essen in der Mikrowellen aufwärmend. An der Wand ein Firmenplakat mit gemachter Begeisterung drauf. Ein Gespräch ist schwer in Gang zu bringen, aber es findet sich immer wieder jemand, der froh ist, dass einer den Anfang macht, und den Faden dankbar aufnimmt und weiterspinnt.

Ich bin in der Pause fast immer draußen, laufe den Weg am Kanal entlang, der schnurgerade und in einem tiefen Einschnitt von Ost nach West führt – so etwas ähnliches wie Natur. Oder ich gehe ins Café, wo man mich schon kennt, weil ich immer dasselbe bestelle, eine Tasse Kakao, die wärmt und süß ist; es ist ein größerer Raum mit vielen Tischen, angenehm, selten voll, entspannt, eine Oase. Die Kellnerin scheut sich nicht, mit ihrem spitzbübischen, sehr selbstsicheren Eros zu spielen.

Die Arbeit ist noch anstrengend, weil noch oft Fälle auftreten bei denen ich nicht weiterweiß, oder weil die Gesprächspartner schlecht gelaunt sind. Letzteres ist zum Glück selten. Mit den Meisten kann man auch mal einen Scherz machen und bei einigen bin ich sogar erfreut und aufgebaut nach dem Gespräch. Langsam wächst die Kompetenz, Sicherheit und auch Routine. Das ist gut.

 

Die blaue Linie

Die blaue Linie ist die Spur des Füllers, die sich über Seite und Seite windet, und in dem Tagebuch getreulich Wort auf Wort, Gedanke auf Gedanke codiert, Ausdruck des Gescheh’nen, Ausdruck dessen, was mich bewegte, Kondensat und Echo des Lebens.

Obwohl ich weiß, wie vergeblich das Bemühen um sie ist, und wieviel dumme Eitelkeit in ihr steckt, kann ich doch nicht von ihr lassen. Wenn ich sie weiterführe, weiterzeichne, weitermale beruhige ich mich. Die diffusen Eindrücke des  Erlebten schärfen sich – manchmal auch zu sehr – und ich führe den Tag über das Gehäuse der Ideen mit mir wie ein unsichtbares Schneckenhaus, das mir Rast verspricht, aber auch eine Art Reichtum.

Fast nie bin ich mit meiner Schrift zufrieden, fast immer ist sie mir zu krakelig, oder zu schülerhaft, oder, oder… Jedoch freut es mich und schmeichelt mir, wenn es mir gelang, eine Unterscheidung treffend und poetisch zu fassen – fast ist es, als ob ich Dinge damit abschließe, vervollständige.

Ich weiß nicht, wie lange ich diese Gewohnheit noch durchhhalte, die ich öfter als eine Schlechte ansehe. Aber so lange ich dabei bleibe, wird sie mir ein stiller, sehr privater Genuss bleiben, der zu mir gehört und mein Leben vertieft.

worry be happy

Die Freunde wünschen einem, eine schöne Zeit zu verleben.

Wie wir alle wissen, gelingt das nicht immer perfekt.

Was Andere einem wünschen mag schön sein und aus Liebe kommen, aber in letzter Konsequenz gehört es zu ihnen.

Sei so schlecht drauf wie du willst!

Eine von den heilsamen Paradoxien.

 

Sei so (schlecht | gut | mittel | alles zusammen | nichts davon) drauf wie du willst!

 

Dachgedanken

dach P250516_1157 schmaler StreifenGehe auf’s Dach, mit dem Tee und der grünen flauschigen Decke. Setze mich an meinen Platz auf der niedrigen Mauer, die Decke wegen des Windes am Hals fest zugehalten. Die Weite und Farben überraschen mich wieder, wie jedes Mal, und das Licht. Der Himmel ist grau, aber er leuchtet sehr hell, eigentlich ist er weiß. Das Zinkblech der Mauerkrone und der gelochten Dacheinfassung strahlt bläulich. Die Sukkulenten sind von einem fleckigen Rostrot. Ein Windstoß streicht über das strohgelbe Hafergras dazwischen und erzeugt eine Welle darin, die sich in meinem Geist wiederholt. Die atemberaubenden Abhänge der Dachschrägen sind ziegelrot, gebleicht durch das Weiß des Himmels, wie auch das tiefe Grün der Pappelreihe am Kanal. Stadtrauschen, die Vögel zwitschern, Kinderstimmen vom Kindergarten. Eine Krähe arbeitet sich gegen den Wind heran, fliegt einen Kreis über mir und krächzt ein Mal. Vielleicht hat sie mich gesehen, einen potentiellen Feind. Eine Andere antwortet.

Ein grundlegendes Wunder

M lag morgendlich im Bett, gerade aus dem Traum gekommen,  und dachte bei sich: Jetzt will ich mich doch einmal bewegen! Aber nichts geschah, sein Körper blieb reglos wohlig liegend. Dann antizipierte er das Bewegen seiner Füße in der Vorstellung und aktivierte einen unnennbaren, aber doch jedem bekannten, Informationskanal in sich, und seine Füße bewegten sich. Da gab es diese Lücke zwischen Denken und Handeln, diesen Bereich des Dunkels. Über einen unsichtbaren Abgrund zwischen sich-Vorstellen und Bewegen führt eine unsichtbare Brücke. Vor dem körperlichen Bewegen geht der Geist an eine innere Stelle ohne Namen und ohne Form, die die Bewegung einleitet.

M fand Spaß an dem Spiel. Jetzt will ich mich ein wenig herumwälzen, dachte er, wartete einen kleinen Moment, bevor er die Information in die Realität schickte und sich genüsslich herumwälzte.

Dann fand M etwas Neues: er ließ seinen Körper sich bewegen, ohne etwas zu antizipieren, er ließ ihn frei, überließ ihn seinen spontanen Fluktuationen.

M erinnerte sich, wie er sich dabei zusehen konnte, Dinge automatisch zu tun (oh, wieviel tun wir automatisch!) Er war dann dankbar für die Automatik; sie entlastete ihn – er konnte etwas tun, und innerlich ruhig bleiben, fast sorglos.

Das ist doch eine seltsame Sache, sagte M sich.