Ein banaler Ubahnhof

2018-01-26 003 abends görlitzer bhf 1980breit

Ich liebe den Blick durch Öffnungen oder Scheiben  in Gehäuse, wie hier die Treppenhäuser, in denen Menschen hinauf- oder heruntersteigen. Erst im Nachhinein sah ich die Resonanz der schrägen Linien des außer Dienst gestellten Radweges und des Schattens der Gleisbrücke an der Wand. Das Bild hat große Tiefe nach rechts hin. Die planenartige Struktur am Fuß der Wand ist tatsächlich ein Bett, in dem nachts jemand schläft!

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Über Erzählungen

Grau in Wolken und Seele. Wieder die eigentümlich Morgenklarheit im Halbschlaf: „Der Erfolg winkt, wenn du ins Handeln gehst wider Bequemlichkeit, Unvertrautheit, Furcht, Abwertung, Misserfolgsmöglichkeit.“

Die Geschichte des Scheiterns kann eine ergreifende, tragische, hochromantische Geschichte sein, und eine Gegenerzählung, die eigentlich eine Für-Erzählung ist, kann dünn, zerfasert und unwahrscheinlich sein.

Nicht vergessen, dass ausnahmslos jede Erzählung willkürlich ist, dass es aber Elemente gibt, die nicht willkürlich sind. Erzählungen über einsame Weihnachtsabende zum Beispiel. Dass des Weiteren Erzählungen, die nur im eigenen Geist stattfinden, nicht nur besonders leicht ausgetauscht werden können, sondern auch leicht sind, flüchtig. Eine Erzählung ist quasi eine Themenwahl, und man kann andere Themen wählen. Aber sie kann auch tiefe, starke, schöne Gefühle hervorlocken, wenn sie im Gespräch und Handeln lebt.

Die tragische Erzählung ist eine Wahl, aber eine, die nicht in den luftleeren Raum hinein erfunden wurde: es gibt schon reale Formen, die relativ zu Anderen angenehm oder unangenehm sind. Die Erzählung bietet eine Art Fokussierungs- und Verstärkungsfaktor. Den weise einsetzen. Das muss man erstmal können! Immerhin ist das reale relativ-Schöne die Basis für eine schöne Erzählung.

Über den Strom der Worte und Anderes

Der Strom der Worte: Es geht nicht darum, ihn zu beschränken, ihn „rein“ oder „richtig“ zu machen, sondern darum, mit ihm zu spielen, ihn als Mittel des Spiels zu verwenden, der Poesie, des Überraschenden, des Schönen, des Elektrisierenden, des Ästhetischen.

Das Entsprechende gilt für den Strom der Bilder, der doch immer so über uns hereinbricht: ja, er soll Wärme, Kraft und Ordnung fördern, aber er kann dies nur wenn er lebendig wird: Gewicht, Spannung, Kalkül enthält.

Für den Strom der Bewegungen wird das dann zum Gestus, zum Tanz, zur Grandezza.

Ich kann mich auch zu einem Haufen Fleisch mit Knochen darin zusammensinken lassen, durchpulst und durchzittert von Nervenströmen, auch das stärkt paradoxerweise die Stärke.

Es ist wie die Pause im Atemzyklus. Du wartest auf den Einatem, von dem du lediglich vermutest, dass er wiederkommt. Du hast Geduld. Keine Eile. Da, da ist er, aus dem Nirgendwo, im Verborgenen hat er sich vorbereitet und jetzt kommt er hoch, wie der lösende Einfall, die lösende Handlung, das in-Bewegung-Gehen oft aus dem Verborgenen heraufkommt.

Ein Element: Respektieren

Eine Erkenntnis aus der Meditation: meine Entscheidungen zu  respektieren. Das heißt ganz und garnicht, ihre Wirkungen zu negieren. Im Gegenteil. Es heißt, ihre Wirkungen zu würdigen.

Es heißt auch, die Entscheidungen anderer zu respektieren.

Dies ist noch nicht das Ziel. Das Ziel ist, in einem Flow von Wahrnehmungen, Gefühlen, Entscheidungen, Handlungen und Reflektionen zu sein. Wenn ich über das Respektieren oder Nichtrespektieren von Entscheidungen nachdenke, bin ich bereits nicht mehr in diesem Flow.

Einige von Euch werden das nachvollziehen können, anderen wird es gar nichts sagen.

Werbefritzen dieser Welt…

Wenn ich eine Jacke oder Stiefel, die ich mir kürzlich in einem Webshop angeguckt habe, ungefragt auf einer komplett verschiedenen Website sehe, werde ich wütend und verliere jede Lust, dort noch etwas zu kaufen.

In der Fabrik

Ich arbeite seit einigen Monaten in der Helpdeskbranche. Angestellt bei der einen Firma, befristet natürlich, ausgeliehen an eine Zweite und betreuend eine Dritte. Das Ganze für einen Hickser mehr als Mindestlohn – aber ich mach das jetzt.

Im Scherz sage ich morgens: „Ich gehe ins Werk.“, denn das ist fabrikmäßiges Arbeiten, in einem Fabrikgebäude, mit nüchterner, zweckmäßiger Einrichtung (immerhin sind einige Pflanzen in Aquakultur mit eingezirkelt worden), fabrikmäßigen Arbeitsplätzen, fabrikmäßigen Produktionszahlen und -Normen. In der Pause, die niemals alle „Arbeiter“ zugleich machen, sitzt man fast immer schweigend, einige über ihren Tablets spielend oder per Kopfhörer Musik hörend, einige ihr mitgebrachtes Essen in der Mikrowellen aufwärmend. An der Wand ein Firmenplakat mit gemachter Begeisterung drauf. Ein Gespräch ist schwer in Gang zu bringen, aber es findet sich immer wieder jemand, der froh ist, dass einer den Anfang macht, und den Faden dankbar aufnimmt und weiterspinnt.

Ich bin in der Pause fast immer draußen, laufe den Weg am Kanal entlang, der schnurgerade und in einem tiefen Einschnitt von Ost nach West führt – so etwas ähnliches wie Natur. Oder ich gehe ins Café, wo man mich schon kennt, weil ich immer dasselbe bestelle, eine Tasse Kakao, die wärmt und süß ist; es ist ein größerer Raum mit vielen Tischen, angenehm, selten voll, entspannt, eine Oase. Die Kellnerin scheut sich nicht, mit ihrem spitzbübischen, sehr selbstsicheren Eros zu spielen.

Die Arbeit ist noch anstrengend, weil noch oft Fälle auftreten bei denen ich nicht weiterweiß, oder weil die Gesprächspartner schlecht gelaunt sind. Letzteres ist zum Glück selten. Mit den Meisten kann man auch mal einen Scherz machen und bei einigen bin ich sogar erfreut und aufgebaut nach dem Gespräch. Langsam wächst die Kompetenz, Sicherheit und auch Routine. Das ist gut.