Diesel und Benzin, eine Richtigstellung

Alle denken, dass Dieselfahrzeug zwar mehr Stickoxide, aber immerhin weniger CO2 emittieren als Benziner.

Dies habe zwei Gründe:

  1. Der Energieinhalt von Diesel sei höher (14%)
  2. Die Verdichtung und damit der Wirkungsgrad des Motors sei höher.

Der erste Grund ist leider faktisch falsch. Gerechnet auf die Masse, nicht auf das Volumen, ist der Energieinhalt von Diesel gleich dem von Benzin – damit ist die CO2-Emission pro Energieeinheit auch gleich.

Der zweite Grund stimmt  im Prinzip (noch, mehr dazu unten). Er wird aber durch die lieben Autofahrer konterkariert, die diese niedrigeren Emissionen als Erlaubnisschein nutzen, um sich schwerere, höher motorisierte Autos zu kaufen und mehr mit diesen zu fahren.

Mit der in Entwicklung befindlichen GCI (Gasoline Combustion Ignition) – Technik wird allerdings der Wirkungsgrad des Benziners sich an den des Dieslers annähern. Durch ausgefeilte Einspritzung von Kraftstoff in die komprimierte, erhitzte Luft wird eine gute Verbrennung in einem Teilvolumen des Brennraums erzielt; bei gleichmäßiger Verteilung des Benzindampfs wäre das Gemisch viel zu mager für eine Zündung.

Im Übrigen kann man immer wieder feststellen, dass den meisten Leuten das Klima am Arsch vorbeigeht. Sie wollen ihr Leben genießen.

Quellen:

https://www.energie-lexikon.info/rp-energie-blog_2017_09_15.html

https://www.umweltbundesamt.de/themen/klimaschutz-geht-auch-benzinern-diesel

http://achatespower.com/opgci-an-evolution-that-revolutionizes-the-internal-combustion-engine/

 

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Wider das rein individuelle Gutsein

Ich stolpere über diesen Guardian-Artikel: „Würdest du jemandem raten, in brennendem Haus mit dem Handtuch zu schlagen oder mit der Fliegenklatsche im Feuergefecht?“

Er macht sich – zu Recht – über die Winzigkeit der Effekte unseres individuellen Verhaltens lustig und spürt dahinter ein tieferes Problem auf: die Reduktion des gesellschaftlichen Seins auf die individuelle Verantwortung. Und das ist Neoliberalismus: alles, alles, ist deine Verantwortung, und nur deine. Was für eine Dummheit!

„Steeped in a culture telling us to think of ourselves as consumers instead of citizens, as self-reliant instead of interdependent, is it any wonder we deal with a systemic issue by turning in droves to ineffectual, individual efforts?“

Das ist für mich der Kernsatz, „interdependent“, ein nicht treffend übersetzbares Wort, der Kernbegriff. Sich als Teil des Netzes sehen anstatt als Teil einer Herde von Einzelkämpfern, oder Einzelschafen.

Aber das spricht natürlich gar nicht gegen individuelle Anstrengungen! Nur dass es da noch mehr gibt.

 

Der Verbrennungsmotor der Zukunft

In nicht allzulanger Zeit werden wir unsere Treibhausgasemissionen auf nahezu Null heruntergefahren haben müssen (siehe z.B. hier). Treibstoff für Verbrennungsmotoren wird dann nur noch regenerativ hergestellt werden können. Es wird also wenig davon geben. Das bedeutet, dass Verbrennungsmotoren extrem effizient werden sein müssen.

Das effizienteste Motorprinzip ist der Gegenkolbenmotor (siehe z.B. hier und hier). Die effizienteste Zylinderzahl ist 1.

Das heißt, dass unter der Bedingung extremer Emissionseinschränkung sich der Einzylinder-Gegenkolbenmotor durchsetzen wird.

Er wird möglicherweise einen kleineren und einen größeren Zylinder haben, und für kleinere und mittlere Geschwindigkeiten den kleineren Zylinder nutzen und bei größeren Geschwindigkeiten oder bergauf den Größeren.

28 % weniger Strom verbraten

(Habe nach der letzten Lichtblick-Rechnung heute ein Jubelmail an meine Mitbewohner versandt. Unsere WG verbrät zu viert weniger Strom als ein mittlerer deutscher Einpersonenhaushalt (laut Lichtblick – Statistik).

strom-17Gründe:

  • Kein Durchlauferhitzer, sondern Warmwasser von der Zentralheizung
  • Nur LED – Leuchten
  • Neuer Kühlschrank der Klasse AAA+
  • Gasherd

Das sagt natürlich noch nicht viel über die Treibhausgasemissionen aus, denn da wäre noch der Wärmeverbrauch in der Rechnung.

Während wir bei der Heizwärme sparsam waren, sah es beim Warmwasserverbrauch nicht so toll aus. Da sind noch Entwicklungsmöglichkeiten. Allerdings erzeugt Warmwasser aus der Erdgas-Zentralheizung unter günstigsten Umständen nur ein Fünftel der Treibhausgasmenge der gleichen Menge Warmwasser aus elektrischen Erhitzern 1! In der Praxis ist es nicht ganz so günstig, weil die Zirkulationspumpe elektrische Energie aufnimmt und die Wärmeverluste der Rohrleitungen nicht zu 100 % Heizwärme ersetzt, sondern ein Teil verloren geht. (Noch besser wäre natürlich Kraft-Wärme-Kopplung, idealerweise ein Gasmotor mit Wärmepumpe …)

Kochen mit Gas ist ebenfalls klimafreundlicher als mit Strom (Quelle).

Noch ein Wort zum neuen Kühlschrank: wir ersparen der Welt ca. 500 kWh Strom pro Jahr, das sind ca. 140 €. Und 250 kg CO2. Damit hat sich das Ding nach 4 – 5 Jahren finanziell amortisiert. Energetisch wesentlich früher!

Was den Lichtblickstrom angeht bin ich eher illusionslos. Wir unterstützen zwar damit die erneuerbaren Energien etwas stärker als mit einem Standardvertrag, aber leider gilt auch für „Ökostrom“ , wie ich hier dargelegt habe, dass jede Kilowattstunde mehr Stromverbrauch eine Kilowattstunde mehr Emissionen aus fossilen Kraftwerken bedeutet.

Anmerkung:

1 Fossile Kraftwerke haben in D. einen Wirkungsgrad von ca 0,43 (Quelle). Gasbrennwertheizungen von 0,99 (Quelle). Erdgas erzeugt an CO2 0,24 kg/kWh, während Strom bei 0,52 kg/kWh liegt (Quelle). Hieraus ergibt sich ein Verhältnis von

(0,99*0,52)/(0,43*0,24) = 4,98

Wärme aus Strom erzeugt also 5 mal mehr Treibhausgasemissionen als Wärme aus Gas! (Deshalb bin ich dafür, Wärme aus Strom glattweg zu verbieten… Seufz!)

Mit dem Golfstrom spielen

Wie sehr interessiert uns, was in zwei- oder vierhundert Jahren passieren wird?

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Hypothetischer Zeitverlauf der Konvektionsströmung im Atlantik nach einer sprunghaften CO2-Verdopplung bei monostabiler (blau) und bistabiler AMOC (rot)(Quelle)

Ob zum Beispiel die Antlantic Meridional Overturning Circulation (AMOC) zusammenbrechen wird oder nicht?

Wie sehr sind wir verbunden mit den Menschen, die dann leben werden, sechs oder zwölf Generationen entfernt?

Die AMOC ist der Konvektionsanteil des Golfstromsystems, der nicht vom Wind, sondern von Abkühlung des Wassers in der Arktis angetrieben wird. Es ist noch nicht abschließend geklärt, ob sie bistabil ist oder nicht. Klar ist, dass die Klimaerwärmung sie schwächt. Wenn sie bistabil ist, gibt es einen Grad der Schwächung, ab dem sie fast völlig zusammenbricht (und auch bei einer Temperatursenkung nicht wieder anspränge). Dieses Zusammenbrechen findet auf einer Zeitskala von einigen hundert Jahren statt.

Wie Stefan Rahmstorf hier schreibt, mehren sich die Hinweise, dass die Zirkulation bistabil ist. Ein kleiner Unterschied in der Verdunstung und dem Niederschlags über den Ozeanen, verusacht einen großen Unterschied in der Meereströmung.

Dieser Unterschied in der Ursache ist so klein, dass er durch die bisherigen Messungen nicht entschieden werden kann. Er kann nur erschlossen werden dadurch, dass mit ihm die Simulationsergebnisse besser zu den Messdaten passen als ohne ihn.

Ein Beispiel dafür, wie vertrackt Klimawissenschaft ist und wie sträflich es wäre, die Mittel dafür zu streichen.

 

Klotzen, nicht kleckern

Es ist wichtig, sich die Dimensionen der Investitionen klar zu machen, die ein komplettes Zurückfahren unserer CO2  -Emissionen erfordert.

Ein Versuch dazu ist im Artikel „The transition to sustainable energy: how much will it cost?“ auf Ugo Bardis Blog nachzulesen: wir müssen jedes Jahr unsere globalen Investitionen um 6 – 9 % erhöhen, so dass wir schließlich 2045 bei 1,5 – 2,5 Trillionen USD landen. Zum Vergleich: das globale Sozialprodukt liegt bei 72 Trillionen USD, und die Militärausgaben bei 1,7 Trillionen. (Alle Zahlen vom angegebenen Blogartikel.)

Ein anderer, martialische Dringlichkeit verbreitender Artikel ist Bill McKibbens „A World At War“ auf newrepblic.com: Er vergleicht die Anstrengungen, die gegen den Klimawandel nötig sind mit denen, die gegen Nazideutschland und Japan nötig waren und kommt zu dem Schluss, dass es möglich ist, aber Entschlossenheit erfordert. Es gibt (noch) genügend Rohstoffe dafür (z.B. Neodym für die Magnete der Generatoren in Windturbinen und Lithium für Batterien). Er argumentiert weiter, dass der zweite Weltkrieg von den USA durch eine komplette Umstellung der Industrie gewonnen wurde, und der „Krieg gegen den Klimawandel“ eine ähnlich massive Umstellung erfordere, und ein ähnlich robustes Eingreifen der Regierung. (Er schreibt das für den US-Leser, aber man kann es durchaus auf den Rest der Welt übertragen.)

Die Eingriffe der Regierung unter Roosevelt in die Wirtschaft damals waren massiv und fanden gegen den Widerstand der Industrie statt – wie es heute auch wäre. Aber es gab ein starkes kollektives Gefühl der Dringlichkeit und der Solidarität, durch eine allgemein anerkannte und sehr greifbare Bedrohung.

In Buffalo wird gerade eine riesige Fabrik für Photovoltaik-Panels gebaut, die Module mit 1 GW Nennleistung pro Jahr produzieren wird. Allein die Vereinigten Staaten brauchen an die 300 dieser Fabriken, um das Ziel zu erreichen.

Ach tiese pöse EEG-Umlage

Medien voll von steigender EEG – Umlage, z.B. hier in der zum richtigen Käseblatt gewordenen ZEIT. Der Bürger schäumt.

In der Tat wird sie 2017 um 0,53 cent auf 6,88 cent/kWh steigen.

Was am Ende zählt ist aber der Endpreis, und der hat sich so entwickelt:

Strompreisentwicklung private Haushalte 2006 – 2016
Infografik „Strompreisentwicklung private Haushalte 2006 – 2016“ von Strom-Report.de

Er wird wohl 2017 wieder ein bischen steigen, aber das wird auch an deutlich höheren Netzkosten liegen. Dass Letztere steigen, liegt auch an der erneuerbaren Energie: Wegen noch fehlender Leitungen können die Kraftwerke nicht optimal genutzt werden.

Facit: Wenn man den Pelz waschen will, muss man ihn nass machen. Wenn man erneuerbare Energiequellen will, muss man investieren.