Erfreuliche Nachricht aus dem Bundestag

Einige der Leser werden sich vielleicht an meine Petition an den Deutschen Bundestag erinnern, dass doch die Emissionswerte bitteschön möglichst groß in jeder Autowerbung auftauchen möchten. (hier gebloggt).

Nun ist diese tatsächlich vom Petitionsausschuss als Beschlussempfehlung an den Bundestag verwiesen worden. Genauer gesagt wird empfohlen, die Petition „als Material“ an das Verkehrsministerium zu überweisen, das derzeit die „Verordnung über Verbraucherinformationen zu Kraftstoffverbrauch, Kohlendioxidemissionen und Stromverbrauch neuer Personenkraftwagen“ überarbeite.

Die Abstimmung des Bundestages ohne abschließende Aussprache wird stattfinden am Donnerstag, 18. Oktober 2018!

Na wenn das nichts ist!!

Hoffentlich lesen die Menschen, die sich damit befassen werden, auch die Diskussion im Petitionsforum des Bundestages, wo ich zwei wichtige Ergänzungen untergebracht habe:

  1. Die Emission nicht in g/100km, sondern in t/10.000km angeben und
  2. Die bei der Herstellung entstandene Emission mit angeben.

Eine habe ich noch vergessen, nämlich diese Werte auch bei Elektroautos mit anzugeben.

Nach dem 18. Oktober werden wir mehr wissen.

Dann muss die Petition immer noch durch die Mühlen des Ministeriums, wo sie wahrscheinlich durch den Fleischwolf gedreht wird… (seufz)

 

Es tut überhaupt nicht weh – Emissionskompensation

reiserouteFliegen ist BÖSE. Das sollte sich mittlerweile herumgesprochen haben.
Deswegen bin ich auch mit der Bahn in den Urlaub gefahren, 1700 km nach Neapel. Macht 85 kg CO2 (etwa…).
Dann noch etwas mit dem Schiff und Bus, ca. 20 kg.
Auf der Rückreise bin ich dann schwach geworden und geflogen. Macht noch einmal 145 kg, was wegen der Emission in großer Höhe um den Faktor 3 verstärkt wirkt, also 390 kg CO2-äquivalent.
Summa Summarum ca. 500 kg.
So und weil ich ja so ein guter Mensch sein will, bin ich zu Atmosfair gegangen und habe Projekte mit einem Einsparungswert von 1 Tonne finanziert, macht 50 €. Zweifel an der behaupteten Einsparungsmenge sind nämlich angebracht, daher ein Sicherheitsfaktor von 2. Bei Reisekosten von um die 1000 € ein Spottpreis, ein Witz.

Es ist ganz einfach und tut überhaupt nicht weh.

Wirtschaftswachstum und Ressourcenverbrauch

Hier ein Zusammenfassung verschiedener Studien über den Ressourcenverbrauch der Menschen im Jahr 2050 unter der Bedingung maximaler Anstrengung zu dessen Verminderung.

Ergebnis: Wir würden statt das 3,5-fache des nachhaltig Möglichen nur noch das 2- bis 2,5-fache verbrauchen.

Was bedeutet, dass eine Ressourcenerschöpfungskatastrophe ein paar Jahre später einträte.

Endlich, endlich, endlich – CO2-Emissionspreise ziehen an

18 08 24 carbon priceFür die Menschen, die das EU-Emissionspreissystem beobachten, war die Lage jahrelang zum Verzweifeln, Resignieren, Wahnsinnigwerden und Haareausraufen: Eine Tonne CO2 zu emittieren kostete nicht mehr als 5 € und es war kein Fortschritt abzusehen. Damit war das System wirkungslos. Es gab viel zu viele Emissionsrechte. Und es gibt immer noch viel zu viele überschüssige, d.h. wirksame, aber nicht gebrauchte Zertifikate, ungefähr 1,5 Mrd.

Aber der Preis pro Tonne begann Ende 2017 zu steigen, und hat kürzlich die 20-€-Marke passiert (Quelle, Grafiken, Direktlink zum Zertifikatpreis).

Wie das?, fragt sich der verwunderte Beobachter. Die Antwort ist: die Marktteilnehmer wollen sich mit Emissionsrechten eindecken, weil sie befürchten, dass diese bald ein knappes (und damit teures) Gut werden. Auf Finanzen.net dazu eine interessante Einschätzung. Warum sollte dies passieren? Die EU hat drei Maßnahmen beschlossen (Quelle):

  1. 2019 die Einführung der „Marktstabilitätsreserve“ (MSR). Dadurch werden in jedem Jahr  24 % der Zertifikate dem Markt entzogen, bis nur noch 833 Mrd. Überschüsse übrig sind; das ist etwa die Hälfte.
  2. 2021 sinkt das Cap um 2,2 % per annum statt 1,74.
  3. 2023 wird die Größe der MSR begrenzt auf die Zahl der im Vorjahr versteigerten Zertifikate. Damit werden erstmals Zertifikate vernichtet werden.

Auf absehbare Zeit wird es immer noch reichlich überschüssige Zertifikate geben, und ich gebe zu, dass ich so den Preisanstieg nicht ganz verstehe. Wenn die Firmen sich genügend mit Zertifikaten versehen haben werden, könnte der Preis wieder sinken.

Auf Finanzen.net dazu eine interessante Einschätzung.

Jedenfalls aber sind die Stromgestehungskosten damit etwa so hoch geworden wie die von Solar und Wind. Und das ist doch mal eine gute Nachricht:

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Es gibt bereits Solar- und Windprojekte (Dreiecke), die Strom billiger als Kohle- und Gaskraftwerke liefern werden.

 

Wie wir die Erde verloren

New York Times: Loosing Earth

Eine amerikanische Geschichte: Wie der Klimawandel, ein Thema, das nur einigen wenigen Wissenschaftlern überhaupt bekannt war, durch das Engagement und die Aktivität von ein paar Dutzend Protagonisten zu einem internationalen Projekt wurde. Aufgehängt am Kampf Rafe Pomerances, einem Aktivisten von Friends of the Earth, dessen jahrzehntelanger Kampf den roten Faden bildet, der die Erzählung  zusammenhält. Es ist eine Geschichte von Menschen wie James Hansen, dem Klimaforscher, der sein Wissen über die Physik der CO2-Venusatmosphäre auf die Erdatmosphäre übersetzte und zu einem Medienstar wurde. Oder von Präsidenten wie G. W. Bush, der anfangs noch den Treibhauseffekt (greenhouse effect) mit dem White-House-Effekt in den Griff bekommen wollte – und dies schnell vergaß; er hatte ihn nicht wirklich verstanden, sondern nur als wahlkampfrelevant oder eben nicht wahlkampfrelevant angesehen.

Es ist auch eine Geschichte von Fehleinschätzungen, wie die von Bushs Stabschef John Sununu, einem promovierten Ingenieur, der Hansens Ergebnisse hätte verstehen können, es aber nicht tat, und zu einer der treibenden Kräfte bei der Torpedierung internationaler Vereinbarungen wurde.

Es ist eine Geschichte am Beginn eines neuen Zeitalters, in dem der Einfluss der Menschen auf die Erde so groß geworden ist, dass sie nicht länger als „außen“ angesehen werden kann und eine Geschichte von Menschen, die dies noch nicht begreifen wollen.

Und es ist eine Geschichte von intellektuellem Verstehen und darauffolgendem Ignorieren, und das ist die wichtigste Geschichte, denn sie betrifft uns alle.

 

 

#emissionswerteinautowerbung – update 2

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Jährliche Emissionen im deutschen Transportsektor. (180 Mio. t sind etwa 2,2 t pro Kopf oder 1/5 der Gesamtemissionen.) (Quelle)

Ich habe ja im November diese Petition an den Bundestag gestellt, in jeder Autowerbung die CO2-Emissionen für 10.000 km Fahrt und die Herstellung des Wagens unübersehbar unterzubringen. Kürzlich war sie auf die Forenwebsite gestellt worden (siehe dieser Post). Die Möglichkeit, dort zu kommentieren oder mitzuzeichnen ist jetzt vorüber. Es haben 52 Menschen mitgezeichnet.

Ich habe dann noch als Promotion an die TAZ und meine Kreuzberg-Friedrichshainer Grünen-Abgeordnete gemäilt, ansonsten hatte ich in der Zwischenzeit nicht die mindeste Lust, mich damit zu beschäftigen wegen einer eigentümlichen unangenehmen Aufgeregtheit im Bauch.

Im Brief von heute steht nun: „Die Ermittlungen konnten inzwischen abgeschlossen werden. “

Ich vermute, dass dies ein Textbaustein ist und solche Petitionen sich meist auf irgendwelche Verwaltungsvorgänge beziehen, die falsch gelaufen sind und wo der Sachverhalt ermittelt werden muss.

Die Sache geht nunmehr in den Petitionsausschuss. Ich bin wirklich gespannt. Die Stagnation auf hohem Niveau der Emissionen im Transportsektor ist seit Jahren politikbekannt. Desgleichen ist bekannt, dass Deutschland sein selbstgesetzes Klimaschutzziel unter Anderem deswegen verfehlen wird. Die generelle Haltung der CDU/CSU scheint zu sein: „Wir wollen das Klima schützen, aber es darf sich nichts ändern“ („paradoxer Konservativismus“). Die der SPD und leider auch teilweise der Linken ist: „Wir wollen das Klima schützen, aber es darf keine Arbeitsplätze kosten.“ („dekorierter Klientelismus“).

Na ja, mal sehen, ob Kant oder Altmaier die Palme davontragen werden …

#emissionswerteinautowerbung

petitionWie schon angekündigt, hier ein Update zu der Bundestagspetition.

In diesem früheren Posting habe ich sie vorgestellt. Ihr Ziel ist einfach und leicht zu begreifen: auf jede Autowerbung soll groß und an zentraler Stelle der Emissionswert des Autos stehen. Den Sinn davon brauche ich wohl nicht zu erklären.

Nach nicht einmal 5 1/2 Monaten ist sie nun online, auf der Diskussionsseite der Bundestagspetitionen. Und zwar noch 3 Wochen.

Wenn Ihr dort mitzeichnet, könnt Ihr vielleicht eines Tages sagen: hier wurde Geschichte gemacht, und ich bin dabeigewesen! Kleiner Scherz. Sagte Goethe seinerzeit bei einem ziemlich verunglückten Feldzug gegen das revolutionäre Frankreich, den er als Schlachtenbummler besichtigte, die Pflaume. Nun, ich hoffe, dass dieser Feldzug nicht verunglückt, und er geht auch nicht gegen die Revolution sondern eher gegen das Establishment.

Sie  ist sinnvoll, sie ist konkret, sie ist erfolgversprechend, sie ist evolutionär: die Petition.

co2Zur Erinnerung: so sieht unsere CO2-Konzentration aus (Mauna Loa auf Hawaii ist der erste Ort, an dem diese kontinuierlich gemessen wurde. Die Datenreihe ist die längste direkt gemessene). Die Basislinie ist etwa bei 280. Die ebenfalls zunehmenden Methan- und sonstigen Emissionen sind nicht einmal enthalten.

Wo das hinführt, kann man sich an einem Finger ausrechnen.

Ich fahre auch gerne Auto. Es ist einfach toll. Ich staune gerne Ferraris an. Ich kann mir vorstellen, dass es auch schön sein kann, mit so einem SUV durch die Gegend zu kutschen. Wie man hört lieben Männer sie wegen des Egos und Frauen, weil sie so schön sicher sind. Aber das ist alles Kinderkacke. Leute, die sich sonst ganz erwachsen verhalten, sind hier gedankenlos.

Und wir können niemals erwarten, dass 6 Millarden Menschen der weniger industrialisierten Welt ihre Konsumbedürfnisse einschränken, wenn wir hier in den Metropolen fett und bräsig auf unserem Emissionsstil beharren. Das geht nicht. Das ist doch wohl einleuchtend.

Es wirkt etwas verschroben, wenn man so etwas macht. Das kann ich spüren. Aber das ist für einen Meditierer interessant: so funktioniert der Mind. Wenn du etwas tust, was außerhalb der Norm ist, kommt dieses Verschrobenheitsgefühl. Das hat nichts zu bedeuten. Was man für richtig hält hingegen hat sehr viel zu bedeuten.

Also gebt Euch eine Ruck und zeichnet mit und teilt das irgendwie weiter.