#emissionswerteinautowerbung – update 2

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Jährliche Emissionen im deutschen Transportsektor. (180 Mio. t sind etwa 2,2 t pro Kopf oder 1/5 der Gesamtemissionen.) (Quelle)

Ich habe ja im November diese Petition an den Bundestag gestellt, in jeder Autowerbung die CO2-Emissionen für 10.000 km Fahrt und die Herstellung des Wagens unübersehbar unterzubringen. Kürzlich war sie auf die Forenwebsite gestellt worden (siehe dieser Post). Die Möglichkeit, dort zu kommentieren oder mitzuzeichnen ist jetzt vorüber. Es haben 52 Menschen mitgezeichnet.

Ich habe dann noch als Promotion an die TAZ und meine Kreuzberg-Friedrichshainer Grünen-Abgeordnete gemäilt, ansonsten hatte ich in der Zwischenzeit nicht die mindeste Lust, mich damit zu beschäftigen wegen einer eigentümlichen unangenehmen Aufgeregtheit im Bauch.

Im Brief von heute steht nun: „Die Ermittlungen konnten inzwischen abgeschlossen werden. “

Ich vermute, dass dies ein Textbaustein ist und solche Petitionen sich meist auf irgendwelche Verwaltungsvorgänge beziehen, die falsch gelaufen sind und wo der Sachverhalt ermittelt werden muss.

Die Sache geht nunmehr in den Petitionsausschuss. Ich bin wirklich gespannt. Die Stagnation auf hohem Niveau der Emissionen im Transportsektor ist seit Jahren politikbekannt. Desgleichen ist bekannt, dass Deutschland sein selbstgesetzes Klimaschutzziel unter Anderem deswegen verfehlen wird. Die generelle Haltung der CDU/CSU scheint zu sein: „Wir wollen das Klima schützen, aber es darf sich nichts ändern“ („paradoxer Konservativismus“). Die der SPD und leider auch teilweise der Linken ist: „Wir wollen das Klima schützen, aber es darf keine Arbeitsplätze kosten.“ („dekorierter Klientelismus“).

Na ja, mal sehen, ob Kant oder Altmaier die Palme davontragen werden …

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#emissionswerteinautowerbung

petitionWie schon angekündigt, hier ein Update zu der Bundestagspetition.

In diesem früheren Posting habe ich sie vorgestellt. Ihr Ziel ist einfach und leicht zu begreifen: auf jede Autowerbung soll groß und an zentraler Stelle der Emissionswert des Autos stehen. Den Sinn davon brauche ich wohl nicht zu erklären.

Nach nicht einmal 5 1/2 Monaten ist sie nun online, auf der Diskussionsseite der Bundestagspetitionen. Und zwar noch 3 Wochen.

Wenn Ihr dort mitzeichnet, könnt Ihr vielleicht eines Tages sagen: hier wurde Geschichte gemacht, und ich bin dabeigewesen! Kleiner Scherz. Sagte Goethe seinerzeit bei einem ziemlich verunglückten Feldzug gegen das revolutionäre Frankreich, den er als Schlachtenbummler besichtigte, die Pflaume. Nun, ich hoffe, dass dieser Feldzug nicht verunglückt, und er geht auch nicht gegen die Revolution sondern eher gegen das Establishment.

Sie  ist sinnvoll, sie ist konkret, sie ist erfolgversprechend, sie ist evolutionär: die Petition.

co2Zur Erinnerung: so sieht unsere CO2-Konzentration aus (Mauna Loa auf Hawaii ist der erste Ort, an dem diese kontinuierlich gemessen wurde. Die Datenreihe ist die längste direkt gemessene). Die Basislinie ist etwa bei 280. Die ebenfalls zunehmenden Methan- und sonstigen Emissionen sind nicht einmal enthalten.

Wo das hinführt, kann man sich an einem Finger ausrechnen.

Ich fahre auch gerne Auto. Es ist einfach toll. Ich staune gerne Ferraris an. Ich kann mir vorstellen, dass es auch schön sein kann, mit so einem SUV durch die Gegend zu kutschen. Wie man hört lieben Männer sie wegen des Egos und Frauen, weil sie so schön sicher sind. Aber das ist alles Kinderkacke. Leute, die sich sonst ganz erwachsen verhalten, sind hier gedankenlos.

Und wir können niemals erwarten, dass 6 Millarden Menschen der weniger industrialisierten Welt ihre Konsumbedürfnisse einschränken, wenn wir hier in den Metropolen fett und bräsig auf unserem Emissionsstil beharren. Das geht nicht. Das ist doch wohl einleuchtend.

Es wirkt etwas verschroben, wenn man so etwas macht. Das kann ich spüren. Aber das ist für einen Meditierer interessant: so funktioniert der Mind. Wenn du etwas tust, was außerhalb der Norm ist, kommt dieses Verschrobenheitsgefühl. Das hat nichts zu bedeuten. Was man für richtig hält hingegen hat sehr viel zu bedeuten.

Also gebt Euch eine Ruck und zeichnet mit und teilt das irgendwie weiter.

 

 

 

Eine originelle Petition zum Klimaschutz

bundesadlerJeder Bürger kann Petitionen per WWW an den Bundestag schicken, und ich bin verschroben genug, um genau dieses gerade getan zu haben.

Mit so einer Petition passieren dann zwei Dinge:

  1. Sie wird, wenn wie hier gewünscht, auf einem Diskussionsforum erscheinen, und
  2. sie wird im Petitionsausschuss behandelt, bewertet, sachlich geprüft und gegebenenfalls dem Bundestag mit einer Empfehlung zur Beschlussfassung vorgelegt.

Welchen Inhalt hat nun mein Meisterwerk?

Hier ist es:


Petition an den Deutschen Bundestag

Petition 74954 – 18. November 2017

Der Deutsche Bundestag möge beschließen,

dass in jeder Werbung für Automobile der CO2-Emissionswert in g / 100 km prominent auftauchen muss.

zum Beispiel: auf Plakaten und Print- oder WWW-Anzeigen mindestens in 3/4 der maximalen Schriftgröße mit optimalem Kontrast und mit einem Mindestabstand vom Rand, in Werbefilmen als deutliche Einblendung und akustisch am Anfang für eine Mindestdauer, mit normaler Sprechgeschwindigkeit.

Begründung

Angesichts der dringenden Notwendigkeit, die Erwärmung der Erdatmosphäre zu begrenzen, ist eine Änderung des Kaufverhaltens in Richtung auf sparsamere Autos unabdingbar.

Die CO2 – Emission eines Wagens ist immer noch für die meisten Autokäufer*innen ein Nebenthema. Sie taucht in der Werbung gar nicht oder so marginalisiert auf, dass allein schon dadurch dem Käufer ihre Unwichtigkeit suggeriert wird. Dieses wird in der Autoberichterstattung in der Presse noch verstärkt, in der Emissionen allenfalls in einem Nebensatz abgehandelt werden. Der finanzielle Anreiz zur Entscheidung für sparsamere Autos ist aufgrund des fehlenden wirksamen Preises auf Emissionen auf absehbare Zeit zu schwach. Entsprechend hat sich die Verbesserung der Motoren nicht in einer Verringerung der Emissionen niedergeschlagen, da ihre Wirkung durch den Bau und Verkauf größerer und schwerer Autos aufgehoben wurde. Diese Entwicklung ist nicht zuletzt durch massiven Werbeeinsatz für diese schwereren Wagen verstärkt worden.

Mit der Vorschrift soll erreicht werden, dass die Verbraucher*innen sich angewöhnen, die Emissionswerte der Autos stärker in ihrer Kaufentscheidung zu gewichten. Als Nebeneffekt wird der Wertevergleich für die Autokäufer*innen, die bereits jetzt darauf achten, deutlich erleichtert. Möglicherweise wird auch eine Konkurrenz zwischen den Autofahrer*inne*n um den Wagen mit den niedrigsten Werten angeregt.

Es muss vermieden werden, das Autotypen nur innerhalb ihrer Klasse um Bestwerte konkurrieren, da gerade der Kauf sparsamerer Klassen angeregt werden soll.

Im Gefolge ist auch eine Änderung des Verhaltens der Produzenten zu erwarten, wenn sie so gezwungen werden, die absoluten CO2-Emissionen in den Mittelpunkt des Marketings zu stellen. Sowohl deren Modellpolitik als auch ihre Innovationsanstrengungen zur Emissionssenkung werden sich wahrscheinlich in Richtung auf größeren Klimaschutz entwickeln.


Tja, sowas kann man machen! Wer hätte das gedacht! Ob dabei etwas herauskommt, kann niemand sagen.

Wenn das Ding im Diskussionsforum auftaucht, werde ich mich nochmals melden…

Eine teure Affaire

negative-emissions-technology-economist-2017Es ist eine ganz schön riesige Aufgabe, den Klimawandel in Grenzen zu halten.

Allein um die Emissionen in die Nähe von Null zu bringen, sind Investitionen in der Größenordnung von einem Drittel eines Jahresprodukts nötig, allerdings aufgeteilt auf einige Jahrzehnte. (Wen die Rechnung interessiert, siehe unten.)

Nun recherchierte der Economist (, den übrigens seinerzeit schon Karl Marx in London las), dass das nicht reichen wird, sondern dass CO2 Millarden-Tonnen-weise aus der Atmosphäre wird geholt werden müssen, über „Negative Emission Techologies“ (NETs). Das ist nicht nur ein Wortungetüm aus dem Konferenzsprech, meint es doch nichts anderes als Extraktionstechnologie (Singular reicht hier vollkommen aus), sondern auch eine weitere Monsteraufgabe.

Würde man dies nur durch Aufforstung erreichen wollen, bräuchte man eine Landfläche in der Größe zwischen der von Indien und der von Kanada, oder zwischen 20 und 70 % der landwirtschaftlichen Nutzfläche der Welt – je nach Schätzweise.

Und je später wir unsere Emissionen zurückfahren, desto größer wird diese Aufgabe.

Also nicht den Kopf in den Sand stecken…


Abschätzung des finanziellen Aufwands für die Emissionssenkung für Deutschland

jährlicher Endenergieverbrauch (Quelle) 2,5 Bio. kWh
das entspricht einer mittleren Leistung von 280 Mio. kW
spezifische Investitionskosten (Quelle) 4000 €/kW
Gesamte Investitionskosten 1,1 Bio. €
jährliches Bruttoinlandsprodukt (Quelle), ca. 3,0 Bio. €

COP23 = Conference of Parties # 23

wearestillin-screenshot-400Eine komplexe Konferenz mit dem Thema „Verantwortung für unser Haus, den Planeten“.

Großes Thema natürlich Trumps Ausstieg aus dem globalen Prozess. Und die herausfordernde Reaktion des Rests der Welt: Jetzt erst recht. Macron, als Franzose nicht um ein Bonmot verlegen: „Wir haben keinen Plan B, weil wir keinen Planeten B haben.“

Was mich berührt, ist die Reaktion einer großen Gruppe innerhalb der US of A, die sich „WeAreStillIn“ nennt. Sie haben einen Pavillon in Bonn aufgestellt und lassen dort eine Fülle von Veranstaltungen zu allen möglichen Themen stattfinden. Die Amis haben nun mal auch die schöne  Fähigkeit zu Begeisterung und Aktion für die gute Sache .

Im Übrigen lasse ich mich darüber über einen Newsletter von climatehome.com unterrichten.

Diesel und Benzin, eine Richtigstellung

Alle denken, dass Dieselfahrzeug zwar mehr Stickoxide, aber immerhin weniger CO2 emittieren als Benziner.

Dies habe zwei Gründe:

  1. Der Energieinhalt von Diesel sei höher (14%)
  2. Die Verdichtung und damit der Wirkungsgrad des Motors sei höher.

Der erste Grund ist leider faktisch falsch. Gerechnet auf die Masse, nicht auf das Volumen, ist der Energieinhalt von Diesel gleich dem von Benzin – damit ist die CO2-Emission pro Energieeinheit auch gleich.

Der zweite Grund stimmt  im Prinzip (noch, mehr dazu unten). Er wird aber durch die lieben Autofahrer konterkariert, die diese niedrigeren Emissionen als Erlaubnisschein nutzen, um sich schwerere, höher motorisierte Autos zu kaufen und mehr mit diesen zu fahren.

Mit der in Entwicklung befindlichen GCI (Gasoline Combustion Ignition) – Technik wird allerdings der Wirkungsgrad des Benziners sich an den des Dieslers annähern. Durch ausgefeilte Einspritzung von Kraftstoff in die komprimierte, erhitzte Luft wird eine gute Verbrennung in einem Teilvolumen des Brennraums erzielt; bei gleichmäßiger Verteilung des Benzindampfs wäre das Gemisch viel zu mager für eine Zündung.

Im Übrigen kann man immer wieder feststellen, dass den meisten Leuten das Klima am Arsch vorbeigeht. Sie wollen ihr Leben genießen.

Quellen:

https://www.energie-lexikon.info/rp-energie-blog_2017_09_15.html

https://www.umweltbundesamt.de/themen/klimaschutz-geht-auch-benzinern-diesel

http://achatespower.com/opgci-an-evolution-that-revolutionizes-the-internal-combustion-engine/

 

Wider das rein individuelle Gutsein

Ich stolpere über diesen Guardian-Artikel: „Würdest du jemandem raten, in brennendem Haus mit dem Handtuch zu schlagen oder mit der Fliegenklatsche im Feuergefecht?“

Er macht sich – zu Recht – über die Winzigkeit der Effekte unseres individuellen Verhaltens lustig und spürt dahinter ein tieferes Problem auf: die Reduktion des gesellschaftlichen Seins auf die individuelle Verantwortung. Und das ist Neoliberalismus: alles, alles, ist deine Verantwortung, und nur deine. Was für eine Dummheit!

„Steeped in a culture telling us to think of ourselves as consumers instead of citizens, as self-reliant instead of interdependent, is it any wonder we deal with a systemic issue by turning in droves to ineffectual, individual efforts?“

Das ist für mich der Kernsatz, „interdependent“, ein nicht treffend übersetzbares Wort, der Kernbegriff. Sich als Teil des Netzes sehen anstatt als Teil einer Herde von Einzelkämpfern, oder Einzelschafen.

Aber das spricht natürlich gar nicht gegen individuelle Anstrengungen! Nur dass es da noch mehr gibt.