Privater Stromverbrauch könnte halbiert werden

Der durchschnittliche deutsche Vierpersonenhaushalt verbrät am Tag 13,5 kWh Strom, und zwar (Quelle):

Fernsehen, Audio, Büro3,5
Kühlen2,3
Warmwasser2,0
Klima, Wellness, Garten, &c.1,7
Waschen, Trocknen, Spülen1,7
Kochen1,3
Licht1,1

Der durchschnittliche deutsche Haushalt hat weniger als vier Personen und ist pro Person noch energiehungriger.

Meine WG verbrät am Tag 2,8 kWh mit vier Personen, und wir schränken uns nicht bewusst ein. Gut, wir kochen mit Gas und haben Warmwasser von der Zentralheizung. Wenn ich das beim Durchschnittsdeutschen rausnehme bleiben immer noch 10 kWh pro Tag, also das 3,6-fache von uns. Der Durchschnittsdeutsche verbrät mehr für’s Fernsehen als wir für alles zusammen.

Anders ausgedrückt: die elektrische Anspruchshaltung der Deutschen ist wahrscheinlich ein Bischen überzogen, milde ausgedrückt.

Ich denke, der Deutsche käme auch mit der Hälfte des Stroms gut aus – wenn er wollte. Das würde eine Menge Druck aus der CO2-Bilanz und der Ausbaunotwendigkeit für Wind und Solarstrom rausnehmen.

Einschätzung der „Energiewende“

Ich bin ja oft auf dem Newsagglomerator piqd.de und setze dort viele Posts ab.

Nun hat jemand auf dort eine kurze Analyse Heidelberger Wissenschaftler verwiesen, die die mediale Fokussierung auf den Stromsektor als große Schlamperei entlarvt, hier nur eine Grafik, die für sich selbst spricht:

Dazu folgende Bemerkungen:

Eine ernüchternde, wertvolle Analyse. Es ist allerdings notwendig, das Ausblenden von Verkehr, Heizung, Prozesswärme in der Berichterstattung zu beenden.

Eine Anmerkung: Der Export billigen Braunkohlestroms hat bisher die deutsche Klimabilanz zusätzlich verhagelt. Der hört ja nun auf. Ich bin gespannt, wie sich das emissionsmäßig auswirkt.

Des Weiteren zeigt sich, dass Solar- und Windstrom wohl sehr lange ein knappes Gut bleiben werden und man damit haushalten muss. Es zeigt sowohl die Notwendigkeit von Offshore-Wind und in der logischen Folge des Netzausbaus – hier herrscht oft noch eine Mimosenhaftigkeit – als auch einer etwas robusteren Haltung in Bezug auf die Abstandsregelungen.

Erneuerbare so weit ausbauen, dass im Sommer Energie gespeichert werden kann – in Form von Wärme, die sich fast ohne Verluste saisonal speichern lässt (http://www.saisonalspe…) oder – unter Inkaufnahme von Verlusten – in Form von Wasserstoff oder auch von Methan.

Damit kann das Problem der Dunkelflaute zumindest, was die Heizung angeht, gelöst werden. Allerdings braucht man dafür auch Flächen. Von nichts kommt nichts.

Die vernichtende Einschätzung der E-Autos teile ich, solange Strom noch weitgehend fossil erzeugt wird.

All dies wird schwierig auf dem momentanen Verbrauchsniveau. Der Energiebedarf insgesamt muss deutlich gesenkt werden. Wir stoßen mit dem Wind an einen Flächenmangel. Das heißt: weniger und langsamerer Individualverkehr und viel mehr Wärmedämmung. Wandel der Industrie: weniger und dafür langlebigere und reparier- und recycelbare Dinge herstellen. Auch die privaten Haushalte aasen noch ziemlich rum mit dem Strom. Meine WG verbraucht weniger als ein Viertel des Stroms eines gleich großen durchschnittlichen deutschen Haushalts!! Da ist noch sehr viel Luft. Aber Das muss alles angestoßen werden, das passiert nicht von selbst!

In Summa zeigt der Text, wieviel Weg noch vor uns liegt und wie schwierig es ist, sich aus den atomisierten, ereignisgetriggerten Meldungen der Mediosphäre ein zutreffendes Gesamtbild zu schaffen.

Es zeigt auch, dass weiterhin eine ungeheure Motivations- und Aufklärungsarbeit zu leisten ist. Die meisten Menschen haben gar keine Vorstellung davon, wie die Lage aussieht, und wie tief die Veränderungen sind, die vor uns liegen – und viele wollen es auch nicht wissen.

Und es gibt sie doch – Klassen

Der Konservativismus erkennt die Existenz von Klassen und Klasseninteressen an und möchte sie erhalten.

Der Sozialismus erkennt die Existenz von Klassen und Klasseninteressen an, möchte sie aber verändern, im Idealfall die Klassenstruktur generell beseitigen.

Der Wirtschaftsliberalismus erklärt die Existenz von Klassen und deren Interessen für irrelevant und kennt nur noch einzelne Marktteilnehmer. Damit zementiert er die Klassenstruktur viel wirksamer als  der Konservativismus. Er ist eine Krankheit des Geistes.

(mit etwas Salz zu genießen)

Wirtschaftswachstum und Ressourcenverbrauch

Hier ein Zusammenfassung verschiedener Studien über den Ressourcenverbrauch der Menschen im Jahr 2050 unter der Bedingung maximaler Anstrengung zu dessen Verminderung.

Ergebnis: Wir würden statt das 3,5-fache des nachhaltig Möglichen nur noch das 2- bis 2,5-fache verbrauchen.

Was bedeutet, dass eine Ressourcenerschöpfungskatastrophe ein paar Jahre später einträte.

Endlich, endlich, endlich – CO2-Emissionspreise ziehen an

18 08 24 carbon priceFür die Menschen, die das EU-Emissionspreissystem beobachten, war die Lage jahrelang zum Verzweifeln, Resignieren, Wahnsinnigwerden und Haareausraufen: Eine Tonne CO2 zu emittieren kostete nicht mehr als 5 € und es war kein Fortschritt abzusehen. Damit war das System wirkungslos. Es gab viel zu viele Emissionsrechte. Und es gibt immer noch viel zu viele überschüssige, d.h. wirksame, aber nicht gebrauchte Zertifikate, ungefähr 1,5 Mrd.

Aber der Preis pro Tonne begann Ende 2017 zu steigen, und hat kürzlich die 20-€-Marke passiert (Quelle, Grafiken, Direktlink zum Zertifikatpreis).

Wie das?, fragt sich der verwunderte Beobachter. Die Antwort ist: die Marktteilnehmer wollen sich mit Emissionsrechten eindecken, weil sie befürchten, dass diese bald ein knappes (und damit teures) Gut werden. Auf Finanzen.net dazu eine interessante Einschätzung. Warum sollte dies passieren? Die EU hat drei Maßnahmen beschlossen (Quelle):

  1. 2019 die Einführung der „Marktstabilitätsreserve“ (MSR). Dadurch werden in jedem Jahr  24 % der Zertifikate dem Markt entzogen, bis nur noch 833 Mrd. Überschüsse übrig sind; das ist etwa die Hälfte.
  2. 2021 sinkt das Cap um 2,2 % per annum statt 1,74.
  3. 2023 wird die Größe der MSR begrenzt auf die Zahl der im Vorjahr versteigerten Zertifikate. Damit werden erstmals Zertifikate vernichtet werden.

Auf absehbare Zeit wird es immer noch reichlich überschüssige Zertifikate geben, und ich gebe zu, dass ich so den Preisanstieg nicht ganz verstehe. Wenn die Firmen sich genügend mit Zertifikaten versehen haben werden, könnte der Preis wieder sinken.

Auf Finanzen.net dazu eine interessante Einschätzung.

Jedenfalls aber sind die Stromgestehungskosten damit etwa so hoch geworden wie die von Solar und Wind. Und das ist doch mal eine gute Nachricht:

180824_power_generation_costs
Es gibt bereits Solar- und Windprojekte (Dreiecke), die Strom billiger als Kohle- und Gaskraftwerke liefern werden.

 

#emissionswerteinautowerbung – update 2

emissionen-transport-d
Jährliche Emissionen im deutschen Transportsektor. (180 Mio. t sind etwa 2,2 t pro Kopf oder 1/5 der Gesamtemissionen.) (Quelle)

Ich habe ja im November diese Petition an den Bundestag gestellt, in jeder Autowerbung die CO2-Emissionen für 10.000 km Fahrt und die Herstellung des Wagens unübersehbar unterzubringen. Kürzlich war sie auf die Forenwebsite gestellt worden (siehe dieser Post). Die Möglichkeit, dort zu kommentieren oder mitzuzeichnen ist jetzt vorüber. Es haben 52 Menschen mitgezeichnet.

Ich habe dann noch als Promotion an die TAZ und meine Kreuzberg-Friedrichshainer Grünen-Abgeordnete gemäilt, ansonsten hatte ich in der Zwischenzeit nicht die mindeste Lust, mich damit zu beschäftigen wegen einer eigentümlichen unangenehmen Aufgeregtheit im Bauch.

Im Brief von heute steht nun: „Die Ermittlungen konnten inzwischen abgeschlossen werden. “

Ich vermute, dass dies ein Textbaustein ist und solche Petitionen sich meist auf irgendwelche Verwaltungsvorgänge beziehen, die falsch gelaufen sind und wo der Sachverhalt ermittelt werden muss.

Die Sache geht nunmehr in den Petitionsausschuss. Ich bin wirklich gespannt. Die Stagnation auf hohem Niveau der Emissionen im Transportsektor ist seit Jahren politikbekannt. Desgleichen ist bekannt, dass Deutschland sein selbstgesetzes Klimaschutzziel unter Anderem deswegen verfehlen wird. Die generelle Haltung der CDU/CSU scheint zu sein: „Wir wollen das Klima schützen, aber es darf sich nichts ändern“ („paradoxer Konservativismus“). Die der SPD und leider auch teilweise der Linken ist: „Wir wollen das Klima schützen, aber es darf keine Arbeitsplätze kosten.“ („dekorierter Klientelismus“).

Na ja, mal sehen, ob Kant oder Altmaier die Palme davontragen werden …

Eine originelle Petition zum Klimaschutz

bundesadlerJeder Bürger kann Petitionen per WWW an den Bundestag schicken, und ich bin verschroben genug, um genau dieses gerade getan zu haben.

Mit so einer Petition passieren dann zwei Dinge:

  1. Sie wird, wenn wie hier gewünscht, auf einem Diskussionsforum erscheinen, und
  2. sie wird im Petitionsausschuss behandelt, bewertet, sachlich geprüft und gegebenenfalls dem Bundestag mit einer Empfehlung zur Beschlussfassung vorgelegt.

Welchen Inhalt hat nun mein Meisterwerk?

Hier ist es:


Petition an den Deutschen Bundestag

Petition 74954 – 18. November 2017

Der Deutsche Bundestag möge beschließen,

dass in jeder Werbung für Automobile der CO2-Emissionswert in g / 100 km prominent auftauchen muss.

zum Beispiel: auf Plakaten und Print- oder WWW-Anzeigen mindestens in 3/4 der maximalen Schriftgröße mit optimalem Kontrast und mit einem Mindestabstand vom Rand, in Werbefilmen als deutliche Einblendung und akustisch am Anfang für eine Mindestdauer, mit normaler Sprechgeschwindigkeit.

Begründung

Angesichts der dringenden Notwendigkeit, die Erwärmung der Erdatmosphäre zu begrenzen, ist eine Änderung des Kaufverhaltens in Richtung auf sparsamere Autos unabdingbar.

Die CO2 – Emission eines Wagens ist immer noch für die meisten Autokäufer*innen ein Nebenthema. Sie taucht in der Werbung gar nicht oder so marginalisiert auf, dass allein schon dadurch dem Käufer ihre Unwichtigkeit suggeriert wird. Dieses wird in der Autoberichterstattung in der Presse noch verstärkt, in der Emissionen allenfalls in einem Nebensatz abgehandelt werden. Der finanzielle Anreiz zur Entscheidung für sparsamere Autos ist aufgrund des fehlenden wirksamen Preises auf Emissionen auf absehbare Zeit zu schwach. Entsprechend hat sich die Verbesserung der Motoren nicht in einer Verringerung der Emissionen niedergeschlagen, da ihre Wirkung durch den Bau und Verkauf größerer und schwerer Autos aufgehoben wurde. Diese Entwicklung ist nicht zuletzt durch massiven Werbeeinsatz für diese schwereren Wagen verstärkt worden.

Mit der Vorschrift soll erreicht werden, dass die Verbraucher*innen sich angewöhnen, die Emissionswerte der Autos stärker in ihrer Kaufentscheidung zu gewichten. Als Nebeneffekt wird der Wertevergleich für die Autokäufer*innen, die bereits jetzt darauf achten, deutlich erleichtert. Möglicherweise wird auch eine Konkurrenz zwischen den Autofahrer*inne*n um den Wagen mit den niedrigsten Werten angeregt.

Es muss vermieden werden, das Autotypen nur innerhalb ihrer Klasse um Bestwerte konkurrieren, da gerade der Kauf sparsamerer Klassen angeregt werden soll.

Im Gefolge ist auch eine Änderung des Verhaltens der Produzenten zu erwarten, wenn sie so gezwungen werden, die absoluten CO2-Emissionen in den Mittelpunkt des Marketings zu stellen. Sowohl deren Modellpolitik als auch ihre Innovationsanstrengungen zur Emissionssenkung werden sich wahrscheinlich in Richtung auf größeren Klimaschutz entwickeln.


Tja, sowas kann man machen! Wer hätte das gedacht! Ob dabei etwas herauskommt, kann niemand sagen.

Wenn das Ding im Diskussionsforum auftaucht, werde ich mich nochmals melden…