Ernährungskrise und Gentechnik

Eine Rekapitulation von Allgemeinwissen:

1,2 Milliarden sind unterernährt, das ist ein Sechstel. Die Gesamtnahrungsmittelproduktion der Welt wäre groß genug, wenn da nicht dieses verflixte Verteilungsproblem wäre, dieses vertrackte Armutsproblem: die Leute hungern, weil sie keine ausreichende Produktionsfaktoren haben, um ihre Nahrung entweder selbst anzubauen oder zu kaufen.

Die Lage wird sich wahrscheinlich verschlimmern, weil

  • die Zahl der Menschen zunimmt,
  • die verfügbare Anbaufläche dadurch abnimmt,
  • die wohlhabenderen Menschen durch ihren zunehmenden Fleisch- und Milchkonsum, der je produziertes Kilojoule erheblich mehr Anbaufläche benötigt, einen größeren Anteil der Produktion verbrauchen und so den Preis für die Armen in die Höhe treiben und
  • durch den Klimawandel die Niederschläge in veränderten zeitlichen und örtlichen Mustern fallen, auf die die Landwirtschaft noch nicht eingestellt ist und durch das Abschmelzen der Gletscher die Bewässerung weiter Gegenden schwieriger wird.

Andererseits gibt es auch positive Tendenzen:

  • Der Entwicklungsstand auch der ärmsten Länder nimmt langsam aber sicher zu. Der Organisationsgrad der Staaten wird besser.
  • Der Bildungsstand erhöht sich.
  • Der globale und regionale Informationsfluss wird intensiver (Händinetze, WWW)
  • Die allgemeine Produktivität steigt.

In dieses Szenario kommt die Gentechnik und verspricht folgendes: „Ich erhöhe die Erträge und helfe dadurch, die Menschheit zu ernähren.“  Kann sie ihr Versprechen halten? Antwort von Radio Eriwan: Im Prinzip ja, aber die Ertragssteigerung und Spritzmitteleinsparung ist unter Umständen nicht so groß wie versprochen und gleicht die höheren Kosten für das Saatgut nicht aus, besonders für Kleinbauern. Die erhöhte Resistenz gegen einen Schädling kann verminderte gegen andere zur Folge haben. Die erhöhte Abhängigkeit von Saatgutmultis kann Kleinbauern in den Ruin treiben. Die verminderte Variabilität des Saatguts könnte bei schwierigen Verhältnissen wie Dürren zu lokal sehr unangenehmen Ernteeinbußen führen. Resistenzentwicklung der Schädlinge selbst kann die Vorteile zunichte machen, ohne die Nachteile zu beseitigen. Die technisch manipulierten Gene verbreiten sich unkontrollierbar und rufen nicht reversible, unvorhergesehene Wirkungen hervor.

Facit: Hier keines, außer: auch wenn sie unter dem Strich nützlich sein sollte, ist sie kein Allheilmittel.

Ernährungskrise und Gentechnik

Eine Rekapitulation von Allgemeinwissen:

1,2 Milliarden sind unterernährt, das ist ein Sechstel. Die Gesamtnahrungsmittelproduktion der Welt wäre groß genug, wenn da nicht dieses verflixte Verteilungsproblem wäre, dieses vertrackte Armutsproblem: die Leute hungern, weil sie keine ausreichende Produktionsfaktoren haben, um ihre Nahrung entweder selbst anzubauen oder zu kaufen.

Die Lage wird sich wahrscheinlich verschlimmern, weil

  • die Zahl der Menschen zunimmt,
  • die verfügbare Anbaufläche dadurch abnimmt,
  • die wohlhabenderen Menschen durch ihren zunehmenden Fleisch- und Milchkonsum, der je produziertes Kilojoule erheblich mehr Anbaufläche benötigt, einen größeren Anteil der Produktion verbrauchen und so den Preis für die Armen in die Höhe treiben und
  • durch den Klimawandel die Niederschläge in veränderten zeitlichen und örtlichen Mustern fallen, auf die die Landwirtschaft noch nicht eingestellt ist.

Auftritt Gentechnik. Versprechen: Ich erhöhe die Erträge und helfe dadurch, die Menschheit zu ernähren. Wird es gehalten? Antwort von Radio Eriwan: Im Prinzip ja, aber die Ertragssteigerung und Spritzmitteleinsparung ist unter Umständen nicht so groß wie versprochen und gleicht die höheren Kosten für das Saatgut nicht aus, besonders für Kleinbauern. Die erhöhte Resistenz gegen einen Schädling kann verminderte gegen andere zur Folge haben. 1

Die neuen Gene breiten sich in den alten Arten anscheinend unaufhaltsam aus, d.h. ihre Einführung ist irreversibel.

Die Entwicklung von Pflanzensorten mit größerer Trockenheits-, Nässe-, Hitze- oder Kälteresistenz ist noch in den Kinderschuhen.

Die Strukturprobleme: Unsicherheit bei der Verteilung von Land und Wasser, primitive Anbaumethoden und zu geringes Wissen, hohe Verluste nach der Ernte, zu geringe soziale Absicherung vor allem gegen Missernten werden durch Gentechnik nicht erleichtert. Das heißt, sie kann höchstens eines von mehreren Mitteln sein, wenn man nicht überhaupt die Finger davon lässt.

1 “Solidarische Welt” 208, Dez. 2009 Zeitschrift der ASW.