Eine Geschichte der Zivilisation und der Temperatur dabei

earth_temperature_timelinexkcd.com veröffentlicht intelligente Comics , auf englisch, weil sie kommen aus USA.

Sie haben für die letzten 22.000 Jahre die (größtenteils erschlossene natürlich) mittlere Lufttemperatur in Bodennähe der Erde auf eine ewig lange Zeitstrecke gepackt und mit geschichtlichen Eckdaten versehen.

Am Ende der Eiszeit stieg diese Temperatur um 1 K in 1000 Jahren. Das war die größte Steigerungsrate im gesamten betrachteten Zeitraum vor der Industrialisierung.

Sie stieg nie höher als 0,7 K über das 1960 – 1990 – Mittel.

Das ist der Punkt,  an dem wir gerade sind, aber mit einer Steigerungsrate von 1 K in 40 Jahren.

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Regenerative Energie: unbekannte Champions

In 2015 investierten die weniger entwickelten Länder (unter Einschluss von China, Indien und Brasilien) mehr in regenerative Energiegewinnung als die entwickelten. Das steht in einer Studie von REN21.net, die ich von hier zitiere.

Sie investieren nicht nur mehr als wir, sondern viele Länder, an die ich in der Beziehung nicht dachte, sind bereits ziemlich weit fortgeschritten.

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Ausbaurate der Photovoltaik in Deutschland (Quelle)

In Deutschland ist man es gewohnt, sich wegen der regenerativen Energien auf die Schulter zu klopfen, aber das entbehrt weitgehend der Grundlage. Nicht nur, dass etwa der jährliche Ausbau der Photovoltaik auf dem Stand von 2006 ist:

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Fossile Kraftwerkskapazität (ohne Kernenergie) (Quelle)

Dazu kommt, dass die fossile Kraftwerkskapazität aller Energiewende zum Trotze einen stetigen Zuwachs erfuhr und sogar die Kohlekraft nach einem Abbau in 2011 wieder zunahm:

anteil_reg_en_europa_2014Auch im europäischen Vergleich stehen wir ziemlich mickrich da – 16 Länder liegen da noch vor uns: (Quelle)

 

Noch interessanter wird es, wenn man sich die Liste der Länder mit den höchsten Anteilen an regenerativer Energie auf der Welt anschaut.
In dieser Liste befindet sich Deutschland an 115ter Stelle. Ich nenne nur die ersten 10: Demokratische Republik Kongo, Äthiopien, Mozambique, Tansania, Sambia, Nigeria, Nepal, Haiti, Eritrea, Myanmar. Das erste „reiche“ Land ist Island an Stelle 12 und Norwegen an Stelle 23.

Auffallend ist dabei, dass viele „arme“ Länder sehr hohe regenerative Anteile haben, während die „reichen“ generell im 10 – 15 % – Bereich herumtümpeln.Natürlich ist dort oft ein hoher Anteil an Wasserkraft enthalten. Dabei kommt zum Tragen, dass die absolute Leistung, die über Wasserkraft gewonnen werden kann, von den geographischen Gegebenheiten abhängt und in erster Näherung proportional zur Fläche ist. (Dies trifft auch für Sonnenstrom, Wind und Biomasse zu.) Bei niedrigem absoluten Leistungsbedarf einer Region ist dann der relative Anteil der Wasserkraft sehr hoch. Man kann direkt eine Gleichung

arm  =   niedriger Energieumsatz = hoher Anteil an regenerativer Energie

aufstellen. Das zeigt in welche Richtung wir uns in den reichen Ländern bewegen müssen. Der Ausbau der regenerativen Energiegewinnung wird nicht reichen – der Gesamt-Energieumsatz muss auch sinken.

Und dazu brauchen wir ein funktionierendes Emissionszertifikatesystem.

Leben in einer egalitären, klimaneutralen Gesellschaft

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Cuba aus dem All (Quelle)

Dass die Treibhausgas-(THG-)Emissionen durch das Aufholen der ärmeren Länder in Bezug auf Konsum ansteigen, ist eine Binsenweisheit. (Über das Wachsen der Weltbevölkerung wollen wir hier nicht reden.)

Würde aber eine Gleichverteilung des Einkommens in der Welt ohne Anhebung der Summe einen Anstieg der Treibhausgasemissionen bewirken? Die hier verlinkte Studie sagt: Nein, da die Emissionen pro Kopf nahezu proportional zum Einkommen seien, würden wir in einer gleichreichen, vollkommen egalitären Welt gerade ebensoviel pro Kopf emittieren.

Wenn das Einkommen der reichsten 1 % gleichmäßig auf den Rest verteilt würde, hätte jeder 100 € mehr im Monat. Interessant. Für einen gutverdienenden Mitteleuropäer nicht so viel, aber für die meisten Anderen ein echter Sprung…

Ist eine Gesellschaft mit hoher Lebenserwartung, hohem Bildungsgrad und geringer Einkommensspreizung, bei gleichzeitig niedriger THG-Emission und Rohstoffverbrauch, möglich? Hier gibt die Studie eine interessante Antwort: Eine solche Gesellschaft gibt es bereits, nämlich die von Kuba. Die Lebenserwartung und Anzahl von Schuljahren sind auf dem Niveau der reichen Gesellschaften. Allerdings um den Preis einer stark beschnittenen Meinungs- Bewegungs- und Gewerbefreiheit und materieller Armut.

Noch ist der Anteil regenerativer Exergiegewinnung in Kuba trotz großen Potentials gering, aber er ist im Wachsen begriffen. Wenn er einmal hoch ist, kann dort auch der materielle Reichtum wachsen, ohne dass die Emissionen explodieren.

Rückzugsgefechte

In den Vereingten Staaten zeichnet sich jetzt eine Reaktionsweise der Klimawandeltheoriegegner ab, die schon in Australien zu beobachten war, nämlich einfach den Forschern den Etat zu kürzen. Siehe hier.

Dazu passen die Untersuchungen darüber wie Menschen ihre einmal vorgefasste Meinung über den Klimawandel angesichts von Argumenten nicht nur beibehalten, sondern sogar weiter verfestigen (siehe hier).

Klimawissenschaftsupdate: die vertrackten Wolkenrückkopplungen

Mit den Wolken ist das so eine Sache.Cirrus in Kreuzberg

Einerseits reflektieren sie Sonnenlicht. Das ist gut.

Andererseits behindern sie die Wärmeabstrahlung ins Weltall. Das ist schlecht.

Sind sie niedrig, sind sie warm und strahlen ihrerseits eine Menge Wärme nach oben ab. Das ist gut.

Sind sie hoch, sind sie kalt und absorbieren zwar die Strahlung von unten, strahlen aber selbst wenig Wärme ins Weltall ab, sondern erwärmen stattdessen die Luft um sich herum. Das ist schlecht.

Eine wichtige Kennzahl ist die Temperaturerhöhung nach einer Verdopplung des CO2-Gehalts der Atmosphäre relativ zur vorindustriellen Zeit, wenn das System zu einem neuen Gleichgewicht gefunden haben wird. Das ist die Gleichgewichts-Klimasensitivität der Erde. Sie wurde bisher mit 3 ± 1,5 K angegeben.

(Wir haben gerade die 1,4 – fache CO2-Konzentration überschritten. )

Die große Streuung spiegelt die Streuung zwischen den mehr als drei Dutzend verschiedenen Klimamodellen wieder.

Seit zwei Jahren allerdings gibt es starke Hinweise, dass die Modelle der unteren Hälfte einen Fehler enthalten: sie unterschätzen die Durchmischung in der unteren Luftschicht in den Tropen. Diese entzieht dieser Schicht Wasserdampf und führt zu geringerer niedriger Bewölkung – – – siehe oben. Eine positive, also schlechte, Rückkopplung.

Darüberhinaus gibt es eine ähnliche Situation die hohen Wolken betreffend. Diese bestehen zum Teil aus Eiskristallen und zum Teil aus Wassertröpfchen. Wassertröpfchen sind gut. Weil sie besser reflektieren. Durch die Klimaerwärmung steigt ihr Anteil.

Dieser Effekt ist also eine negative, d.h. eine gute, Rückkopplung.

Nun gibt es Hinweise, dass die meisten Modelle den momentanen Eiskristallanteil überschätzen. Also können in Wirklichkeit weniger Eiskristalle zu Wassertröpfchen werden, also überschätzen sie auch die negative Rückkopplung. Auch schlecht.

Damit erhöht sich die Klimasensitivität, d.h. die Erwärmung, möglicherweise um 30 %. (2)

Anders ausgedrückt: darauf zu spekulieren, dass es schon nicht so wild werden wird, heißt, sich auf sehr sehr dünnes Eis zu begeben.

Das heißt nicht, dass jede*r jetzt mit einem langen Gesicht rumlaufen soll. Die Welt wird (wahrscheinlich) nicht untergehen und der Himmel wird uns nicht auf den Kopf fallen. Aber es gibt Probleme.

Und mensch kan wat tun.

 

(1)  Steven C. Sherwood 1 , Sandrine Bony 2 & Jean-Louis Dufresne,
Spread in model climate sensitivity traced to atmospheric convective mixing
 2 JANUARY 2014 | VOL 505 | NATURE | 37,doi:10.1038/nature12829

(2)  https://www.sciencedaily.com/releases/2016/04/160407221445.htm

 

 

Klimawandel, Überbevölkerung und Kondome

weltbevoelkerungswachstum
Wachstumsrate in Prozent pro Jahr
weltbevoelkerung
Entwicklung der Weltbevölkerung

Es ist eine Banalität, dass das Klimaproblem nicht nur ein Reichtumsproblem ist, sondern auch ein Übervölkerungsproblem:

  • Es wird durch unsere phantastische Anzahl erst hervorgerufen. Wären wir weniger, würden wir nicht nur deswegen weniger emittieren, wir könnten auch unsere Energiebedürfnisse einfacher regenerativ befriedigen. So ist zum Beispiel die Energie aus Wasserkraft durch die landschaftlichen Gegebenheiten begrenzt. Hätten wir nur die halbe Bevölkerung, hätten wir einen doppelt so hohen Anteil an Strom aus Wasserkraft in Deutschland. Ähnliches gilt für Bioenergie, und auch für Wind.
  • Die Klimaerwärmung wird erst richtig riskant durch die große Anzahl an Menschen, die sich ernähren müssen. Zwar wächst die Welt-Nahrungsmittelproduktion seit längerer Zeit schneller als die Bevölkerung, aber es ist nicht ausgeschlossen, dass sich dieser Prozess durch Trockenperioden, das Ausbleiben von Schmelzwasser, zusammen mit dem  Leerpumpen unterirdischer Wasservorräte und der Degradation von Ackerböden umkehrt.

Es ist bekannt, dass die Fertilitätsrate abhängig ist vom Bildungsgrad der Menschen, insbesondere der Frauen (siehe etwa hier). Deshalb unterstütze ich UNICEF finanziell, weil die nicht nur Kindern helfen, sondern auch Schulen bauen und ausstatten.

Aber es gibt noch einen anderen, viel direkteren Zugang zum Übervölkerungsproblem – Verhütungsmittel, im puritanischen Entwicklungshilfesprech als „Familienplanung“ umschrieben. Und dort gibt es ein Problem: (ich gebe hier einfach wieder, was Bill und Melinda Gates hier schreiben): 220 Millionen Frauen in Entwicklungsländern haben keinen ausreichenden Zugang zu Verhütungsmitteln und -Informationen und 80 Millionen pro Jahr werden ungewollt schwanger, was sich in 20 Millionen Abtreibungsoperationen niederschlägt 1,2.

Der Geburtenüberschuss auf der Welt liegt bei 76 Millionen pro Jahr (Quelle).

Erhebt sich die Frage, was wir als Normalmenschen da tun können. Schwierig.

 

1   Dass hier die Verhütung komplett als Frauenaufgabe behandelt und das mögliche Bedürfnis von 220 Millionen Männern nach Verhütung  unterschlagen wird, ist für mich nicht nachvollziehbar, ist aber eine andere Baustelle.

2   Enthält nicht die ungewollten Schwangerschaften in den entwickelten Ländern.