Vom Leben der Tiere und Menschen

Tiere laufen durch die Welt und reagieren von Situation zu Situation, angetrieben von Gestimmtheiten, wie Müdigkeit, Aufgekratztheit, Unternehmungslust, Hunger, Gelegenheit. Sie streben Gelegenheiten an oder nutzen sie, wenn sie sich ihnen zufällig bietet. Sie erkennen die auslösenden Faktoren für Gefahrreaktion, Kampf, Liebe, Sex, Rache und so weiter. Sie können, ohne davon erfahren zu haben, grundlegende Entscheidungen treffen, wie eine Gruppe zu verlassen, eine zu gründen oder sich einer anzuschließen, den Kampf um Vorherrschaft zu suchen – oder zu vermeiden. All das, ohne dass es ihnen bewusst ist.

Bei den Menschen ist es (im Prinzip) genauso. Auch wir handeln in Bezug auf das, was unmittelbar vor uns liegt und auf Gestimmtheiten, die aus uns herausfließen. Auch wir suchen Gelegenheiten = Reize zu Verhalten. Dazu kommen kollektive Bindungsaktivitäten wie Singen, Tanzen, Erzählen.

Der Film entstammt einer Traditionslinie, die mit bildreichem, darstellendem Erzählen begann, über den Moritatengesang mit Bildtafeln weiterführte, einer Nebenlinie in der illustrierten Geschichte folgte und vorläufig im bewegten, farbigen, vertonten Bild endete.

Grundlegende Entscheidungen sind Bahnen, auf die wir uns setzen, in deren Verlauf wir viele weniger grundlegende Handlungen ausführen, einfachen Reiz – Reaktions – Situationen begegnen.

All das ist umspielt von Gespräch, von Wertsystemen, die das spontane Verhalten modifizieren, meist in Richtung auf stärkere Berücksichtigung von Gruppeninteressen.

Über die Worte und das Fühlen

Dies ist kein technischer Blogeintrag wie die vorigen.

Er handelt von Sprache und Fühlen/Handeln, einem Thema, das mich schon lange interessiert, und er ist verursacht durch eine Schau, die ich währende der Kundalini – Meditation hatte. Man verzeihe mir die etwas unscharfen, schwelgerischen Worte.

Fühlen/Handeln ist stetig, anschwellend oder abschwellend, richtet sich, strömt, ist wie ein Feld.

Sprache ist unstetig, digital, körnig, ähnelt Fraktalen mehr als Feldern, sprunghaft, quantenhaft 1.

Ich konnte ein Bild sehen, von der menschlichen Welt, wie die Ströme der Emotionen golden den Raum durchmessen, dazwischen die Worte wie schwarze Kaffeekörner, die Botschaften, von jedem vor der Äußerung aus dem Fühlen/Wahrnehmen/Wollen zusammengefaltet, um durch den engen Kanal der seriellen Übertragungsstrecke zu passen, dann wieder vom Hörenden entfaltet zu neuen Fühl/Wahrnehmungs/Willens-Strömen, und das ständig, wenn Menschen zusammen sind, und auch wenn wir allein sind: die Worte in uns entstehen aus unsern Gefühlsströmen, blitzen kurz auf und verändern wieder die Gefühlsströme, und auch geschriebenes, wie dieses hier: kondensierte, geronnene Sprachblitze, im Vorgang des Lesens zu neuem Leben erweckt, die Körner der Worte – geh nur ein wenig weg vom Bildschirm und du siehst sie, die Körner, die uns umschwirren und solche Wirkung auf uns haben.

Und dieses Bild, diese Schau, wie Goethe vielleicht gesagt hätte, löste ein Gefühl des tiefen Verstehens aus, ein Heraustreten aus dem Tanz und gleichzeitig ein mich-ihm-Zuwenden ohne Angst, ein Gefühl des Vergnügens, ein Ende des mich-dem-Unverstandenen-ausgeliefert-Fühlens.


1) Man könnte sogar sagen, dass Quanten die Worte der physikalischen Felder sind, mit denen sie sich Mitteilungen machen. Das Mitteilen verändert den empfangenden Bereich, aber auch den Mitteilenden. Diese Mitteilung ist nicht einfach eine Kopie von etwas, das sich im Innern des Bereichs abspielt, sondern  ein Teil von ihm – hier wird tatsächlich etwas geteilt. Der absendende Bereich wird immer in einem gewissen Sinne „weniger“.