Ein Webinar über den Umgang mit Stress

Der Trainer Lutz Urban hat den Ratschlag der Internetbusinessgurus befolgt und kostenlosen Wert im Netz zur Verfügung gestellt, um gute Kundenkontakte anzubahnen. Das war mein erstes Webinar: Eine Mischung aus Videos, in denen man ihn vortragen sieht und hört, und dynamischen Folien, in denen Zusammenhänge visualisiert werden, sowie Beantwortung von Hörermails im Anschluss.

Für mich  – und vielleicht für Andere zum Nutzen – hier eine Zusammenfassung:

Das Ziel ist es nicht, durch spezielle Aktivitäten wie Meditation, Yoga, Zerstreuung zeitweilig in einen entspannten Zustand zu gelangen, sondern im Tun, idealerweise im Arbeiten, in den realen Interaktionen, aus diesem Zustand heraus wahrzunehmen und zu handeln. (Im Folgenden wird das Wort „Stress“ in der Bedeutung „schädlicher Stress“ verwendet. Man behalte im Hinterkopf, dass es auch nützlichen, ja geradezu schönen Stress gibt, nämlich Aktionsanreiz im dem Gefühl, die Situation trotz Risiken im Griff zu haben und zum Erfolg zu führen.)

Ein einfaches Systemmodell sieht so aus:

simple_stress_system

Die Muster bilden sich ohne Zutun des Bewusstseins einfach durch Wiederholung.

Urbans Methode beruht darauf, Stressreaktionen durch den Fleischwolf zu drehen, indem man sie einen bestimmten Prozess durchlaufen lässt. Dazu muss man eine Reihe typischer Stresssituationen bei sich identifizieren, mit denen man arbeiten kann.

Die Arbeit erfolgt an einem stillen Ort, in Sicherheit und ohne andere Reize.

  1. Erkennen
    Die Neugier nach innen lenken. Die Fragen beantworten: Was genau passiert innen und in welcher Reihenfolge? Was sind die Ähnlichkeiten, die in verschiedenen Stresssituationen auftreten?
  2. Erforschen
    Schreibe ein Drehbuch der Stress-Szene:
    – Beginn
    – Einstieg
    – Hauptteil
    – Finale
    Lasse dieses Drehbuch in Zeitlupe immer wieder in der Vorstellung ablaufen und erforsche mit deiner Aufmerksamkeit das Muster darin.
  3. Neutralisieren
    Die emotionale Aufladung reduzieren. Dies hat Urban nicht sehr detailliert erläutert. Es geht jedoch um das Klopfen von bestimmten Punkten am Körper während des Ablaufens des Stressmovies, was die emotionale Reaktion beeinflusst.
    Er führte einen „Beruhigungspunkt“ innen unterhalb der Schlüsselbeine ein.
  4. Flow aktivieren
    Wenn nun die Emotionsexlosion reduziert ist, ist man frei, neue Reaktionsweisen zu etablieren. Entweder denkt man sie sich vorher aus und baut sie in sein Movie ein, um sie dann in der Situation leichter abrufen zu können, oder, wenn man bereits fortgeschritten ist, steigt man direkt in der Lebenssituation aus dem emotional-bewertungsmäßigen Zug aus und wählt intuitiv-kreativ einen neuen Zug, eine andere, bessere Variante.

Zum Beispiel ist es möglich, einem unfreundlichen Menschen gegenüber freundlich, verbindlich zu reagieren, weil einen die Unfreundlichkeit nicht stark trifft und man Zugang zu Zuneigung zu diesem Menschen bekommt. Habe ich selbst erlebt, als ein damaliger Kollege so auf meine eigene, aus meinem inneren Stress entstandene Schroffheit reagierte und mir so etwas beibrachte.

 

Einige Absätze zu Arbeitslosigkeit

Es ist ein Irrtum, zu glauben, dass man als Arbeitsloser alles das tun kann, was man will, selbst wenn man die Dinge, die einfach zu viel Geld kosten nicht in Betracht zieht. Dies liegt daran, dass die Anzahl der Vorhaben inflationär zunimmt, während die Geschwindigkeit, in der man etwas tut, in erstaunlichem Maße abnimmt. Zumindest für einige trifft das zu.

Mit dem Arbeitslossein ist es wie mit dem Dickwerden: es ist einfach, es zu werden und sehr schwierig, wieder davon runter zu kommen.

Ein Freund von mir leitete lange Jahre Jugendtheater. Eines Tages wurde es ihm zu viel, zu viel Wiederholung desselben, zu viel Scherereien mit der prekären Geldbeschaffung, und er ging in Hartz-4. Er wunderte sich, mit welcher Plötzlichkeit seine menschlichen Kontakte abnahmen. Nun schreibt er an einem Buch, aber mit größter Skepsis, was die Nachfrage angeht.

Zwischen Arbeitslosengeld und Hartz-4 eine andere Unterscheidung zu treffen als das Geld ist lächerlich; ob das Geld aus dieser oder jener Kasse kommt ist doch völlig unwesentlich.

Es heißt, Arbeit gebe Kraft zu mehr Arbeit. (Sagte u.A. der indische Guru Rajneesh alias Osho). Da ist wohl was dran.

Ich rede jetzt von den sogenannten freiwilligen Arbeitslosen, was sozusagen der “Abschaum” in der öffentlichen Diskussion ist. Für einige von diesen ist das Schwierige nicht so sehr, etwas zu tun, als etwas nicht zu tun, d.h. viele Möglichkeiten (und seien sie auch illusionär) gegen eine Wirklichkeit einzutauschen.

Die meisten Vermittler in den Jobcentern sind positiv eingestellt, freundlich, fair und nicht agressiv. Dennoch stellen die Gespräche mit ihnen für viele Arbeitslose einen massiven Stressfaktor dar. Es gibt welche, die, wenn sie es sich irgend leisten können, auf das Geld verzichten, nur um diesen Stress nicht mehr aushalten zu müssen.