28 % weniger Strom verbraten

(Habe nach der letzten Lichtblick-Rechnung heute ein Jubelmail an meine Mitbewohner versandt. Unsere WG verbrät zu viert weniger Strom als ein mittlerer deutscher Einpersonenhaushalt (laut Lichtblick – Statistik).

strom-17Gründe:

  • Kein Durchlauferhitzer, sondern Warmwasser von der Zentralheizung
  • Nur LED – Leuchten
  • Neuer Kühlschrank der Klasse AAA+
  • Gasherd

Das sagt natürlich noch nicht viel über die Treibhausgasemissionen aus, denn da wäre noch der Wärmeverbrauch in der Rechnung.

Während wir bei der Heizwärme sparsam waren, sah es beim Warmwasserverbrauch nicht so toll aus. Da sind noch Entwicklungsmöglichkeiten. Allerdings erzeugt Warmwasser aus der Erdgas-Zentralheizung unter günstigsten Umständen nur ein Fünftel der Treibhausgasmenge der gleichen Menge Warmwasser aus elektrischen Erhitzern 1! In der Praxis ist es nicht ganz so günstig, weil die Zirkulationspumpe elektrische Energie aufnimmt und die Wärmeverluste der Rohrleitungen nicht zu 100 % Heizwärme ersetzt, sondern ein Teil verloren geht. (Noch besser wäre natürlich Kraft-Wärme-Kopplung, idealerweise ein Gasmotor mit Wärmepumpe …)

Kochen mit Gas ist ebenfalls klimafreundlicher als mit Strom (Quelle).

Noch ein Wort zum neuen Kühlschrank: wir ersparen der Welt ca. 500 kWh Strom pro Jahr, das sind ca. 140 €. Und 250 kg CO2. Damit hat sich das Ding nach 4 – 5 Jahren finanziell amortisiert. Energetisch wesentlich früher!

Was den Lichtblickstrom angeht bin ich eher illusionslos. Wir unterstützen zwar damit die erneuerbaren Energien etwas stärker als mit einem Standardvertrag, aber leider gilt auch für „Ökostrom“ , wie ich hier dargelegt habe, dass jede Kilowattstunde mehr Stromverbrauch eine Kilowattstunde mehr Emissionen aus fossilen Kraftwerken bedeutet.

Anmerkung:

1 Fossile Kraftwerke haben in D. einen Wirkungsgrad von ca 0,43 (Quelle). Gasbrennwertheizungen von 0,99 (Quelle). Erdgas erzeugt an CO2 0,24 kg/kWh, während Strom bei 0,52 kg/kWh liegt (Quelle). Hieraus ergibt sich ein Verhältnis von

(0,99*0,52)/(0,43*0,24) = 4,98

Wärme aus Strom erzeugt also 5 mal mehr Treibhausgasemissionen als Wärme aus Gas! (Deshalb bin ich dafür, Wärme aus Strom glattweg zu verbieten… Seufz!)

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Der neue Kühlschrank: Zwei Welten treffen aufeinander

Ich: „Wir müssen einen neuen Kühlschrank kaufen. Der Alte verbraucht dreimal soviel Strom wie ein Neuer.“

Mitbewohnerin: „Aber wieso denn, er läuft doch noch prima!“

Der Einwand ist allerdings nicht völlig ungerechtfertigt. Denn man muss ja den Energieaufwand für die Herstellung mit in Betracht ziehen (geteilt durch die Lebensdauer).

Nun zu den Zahlen:

alter Kühlschrank neuer Kühlschrank A+++
Stromverbrauch pro Jahr 360 kWh 130 kWh
Stromverbrauch in 5 Jahren 1800 kWh 650 kWh
Energieverbrauch Herstellung 0 kWh 70 kwh
dito, anteilig für 5 Jahre 0 kWh 35 kwh
Stromkosten für 5 Jahre 504 € 182 €
Abschreibungskosten 0 € 150 €

Als Quelle wurde benutzt:

Infoblatt der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz und des Ökoinstituts (2012)

Ökoeffizienzanalyse, BASF Sustainability Center, 2002

Treibhausgase: Europa und die USA

“Die Amerikaner sind die Übeltäter, China ist ganz schlimm, die Europäer verhalten sich vorbildlich.” So könnte man vielleicht den Eindruck des normalinformierten Medienkonsumenten zusammenfassen, der sich für diese Fragen interessiert – was auf kaum einen zutrifft, aber na gut, das ist eine andere Sache.

In Kürze:

In Europa sinken die Gesamtemissionen tatsächlich seit etwa 2007 verstärkt ab, was ja gut zu sein scheint (leider für die letzten 2 jahre keine Daten auf Server):

eu emissions from eea.europa.eu

URL: http://www.eea.europa.eu/data-and-maps/data/data-viewers/greenhouse-gases-viewer

Mit den Pro-Kopf-Emissionen der Europäer verhält es sich ähnlich. Ein langsamer Abfall bis ca. 2007, dann eine deutliche “Verbesserungs”-Tendenz :

eu per capita emissions from eea.europa.eu

Aber nicht zu früh freuen. Leider hat das vor allen Dingen den Grund, dass es in dieser Zeit eine Konjunktudelle gab. D.h. die Leute sind sparsamer geworden, weil sie ärmer wurden…:

eu gdp 2002-2013 cropped from epp.eurostat.ec.europa.eu

URL: http://epp.eurostat.ec.europa.eu/tgm/graph.do?tab=graph&plugin=1&language=en&pcode=tec00001&toolbox=type

Diese Vermutung bestätigt sich, wenn wir die Emissionen auf das EU-Bruttonationalprodukt beziehen:

eu emissions per gdp

Dieses weist ein langsames Absinken auf, was gut ist. Die Produktion von Werten erzeugt immer weniger THG je Euro. Aber im im fraglichen Zeitraum ist der Wert nicht besser geworden – es war wirklich nur die Krise.

In den Vereinigten Staaten beobachten wir den Krisendipp  ebenfalls, haben aber davor einen deutlich erkennbaren Anstieg:

us emissions by gas from navigatin the numbers

URL: http://epa.gov/climatechange/emissions/downloads11/US-GHG-Inventory-2011-Chapter-2-Trends.pdf

Für die V.S. verbessert sich der Pro-Kopf-Verbrauch – wenn auch auf einem höheren Niveau – ähnlich wie bei uns (dritte Kurve von oben), aber dieses ist bis 2007 mehr als ausgeglichen worden durch ein kräftiges Bevölkerungswachstum (zweite Kurve von oben), hauptsächlich durch Immigration (Quelle):

us per capita emissions from us ghg inventory 2011

Bekanntermaßen ist das Emissionsniveau dort drüben erheblich höher: In der EU schießen wir um die 9 t CO2-Äquivalent pro Jahr in die Atmosphäre (Deutschland 11-12), in den USA sind es um die 22 t, Indien: 2 t, China: 4 t. (Quelle)

Das zeigt, dass nicht nur in den wenig-entwickelten, sondern auch in der industrialisierten Welt die schiere Zunahme der Zahl der Menschen ein Hauptfaktor für die Treibhausgasemission ist. Es zeigt aber auch, dass Krisen gut für das Klima sind!