Eine Tonne CO2 weniger durch mich.

carbon destruction certificateIch verursache sowieso eine verhältnismäßig niedrige jährliche Emission, da kein Auto, wenig Fernreisen, kein Elektrodurchlauferhitzer oder Wäschetrockner, großes Mietshaus, Gasherd, Fahrrad als Hauptverkehrsmittel und so weiter und so fort. Ich schätze ich dürfte damit bei um die 7 t CO2-Äquivalent pro Jahr liegen.

Nun habe ich diesen Wert für 2016 durch die Investition von 8,25 britischen Pfund um eine Tonne gesenkt. Wie habe ich das gemacht?

Ganz einfach: ich habe über sandbag.org.uk ein Zertifikat für die Emission einer Tonne CO2-Äquivalent gekauft. Die genaue Webseite ist hier. Dieses Zertifikat fehlt nun im Pool und das entsprechende CO2 kann nicht mehr emittiert werden!

Nachmachen erwünscht.

Quo vadis Polonia?

Aus:

Oliver Geden/ Severin Fischer, “Moving Targets, Die Verhandlungen über die Energie- und Klimapolitik-Ziele der EU nach 2020”, Studie der Stiftung Wissenschaft und Politik, Deutsches Institut für Internationale Politik und Sicherheit

p7:

Ausgehend von einem übergreifenden Fahrplan für eine kohlenstoffarme Wirtschaft (Low-Carbon Economy Road- map) untersuchte die Kommission sowohl  für den Energie- als auch  speziell  für den Transportbereich, wie sich ehrgeizige Emissionsminderungsziele bis zum  Jahr 2050 umsetzen ließen und  welche  Zwischenziele für 2030 und  2040 jeweils angemessen wären. Dass sich die Fachministerräte in der Folgezeit nicht einmal auf rechtlich unverbindliche Schlussfolgerungen zu den einzelnen Roadmaps einigen konnten, wurde in erster Linie der skeptischen Haltung der polnischen Regierung zugeschrieben, die Ratsschluss- folgerungen mit ihrem Veto verhinderte.

p12:

Weil die europäische Wirtschaftsleistung infolge  der Krise abgenommen hat,  ist das Ziel, die Treibhausgasemissionen bis 2020 (im Vergleich zu 1990) um 20 Prozent  zu mindern, sehr viel schneller in erreichbare Nähe gerückt, als 2007 noch  vermutet. Ende 2012 war bereits eine Reduktion von 18 Prozent erreicht. Es besteht schon  deshalb kaum ein Zweifel daran, dass die EU nach  2020 ein Emissionsminderungsziel beibehalten wird. Stark umstritten dürfte allerdings dessen  Höhe sein. Negative Erfahrungen sind beim Klimaschutz vor allem  mit dem letztlich gescheiterten Versuch verbunden, eine Verschärfung des Ziels für 2020 auf 30 Prozent in Aussicht zu stellen, falls andere Industrie- und  Schwellenländer ähnliche Verpflichtungen eingehen. Der Vorstoß einiger nord- und  westeuropäischer Mitgliedstaaten unter Führung Großbritanniens, trotz des enttäuschenden VN-Klimagipfels von Kopenhagen 2009 eine ebensolche Anhebung der Marke auf 30 Prozent durchzusetzen, scheiterte am offenen Veto Polens, das in seiner  Haltung von vielen ostmitteleuropäischen Mitgliedstaaten unterstützt wird.

Ich kenne Polen als überaus sympathische und selbstsichere Zeitgenossen. Hier allerdings scheint mir der rebellische Geist in eine bedenkliche Richtung zu weisen.

Wenn die Europäer nicht voran gehen wollen – wer dann?

 

Nachtrag

weitere Quellen dazu:
http://www.dw.de/opinion-eu-abandons-stance-as-climate-leader/a-18019656

And the country’s insistence on limiting energy efficiency goals is completely illogical. Better insulation and other energy-saving measures are good for the climate – and the economy, no matter what source of energy is used.

Emissionshandel: Was schreiben die verschiedenen Parteien dazu?

Bei dem vermaledeiten Klimawandel geht es vor allem um eines: Senkung der Treibhausgasemissionen. Das gesetzliche Mittel, das dieses Ziel direkt anstrebt ist das Cap-and-Trade-System der EU und einer Reihe von anderen Staaten, bzw. Bundesstaaten von USA und Kanada interessanterweise.

Dieses System könnte phantastisch wirksam sein! Es ist nicht – wie viele sagen – per se schlecht! Es setzt ein Ziel und überlässt es den Leuten, wie sie es erreichen wollen.

Nun  hat sich dieses System bisher als komplett unwirksam erwiesen. Die Ursachen sind :

  • zu viele verschenkte, nicht ersteigerte Zertifikate
  • Überschwemmung des Marktes mit CDM-Zertifikaten, von denen die Hälfte faul ist, d.h. keinen wirksamen Klimaschutzmaßnahmen entsprechen
  • kein sinnvoller Mechanismus um den Außenhandel zu berücksichtigen, d.h. die Nachteile der eigenen Betriebe bei der Konkurrenz mit Gebieten ohne Klimagasabgaben auszugleichen – daher viele unsinnige Ausnahmen.

Der Effekt der Krise, die ein "natürliches" Absinken der Emissionen unter die Deckelmenge bewirkte, zähle ich hier nicht auf, denn dies kann man als beabsichtigte Eigenschaft des Systems auffassen. Es wirkt konjukturell ausgleichend und das ist nichts Schlechtes.

Der Hauptnachteil des Systems ist aber, dass es von vornherein nur 50 % der Klimagasemissionen erfasst.

Da nun Wahl ist, habe ich einmal eine Recherche auf den Webseiten der Parteien gemacht, welche Berücksichtigung dieses beste aller Instumente findet:

CDU: Hat auf der Website nichts. Im ziemlich angejahrten Parteitagsbeschluss von 2008 wird allgemein eine geringfügige Erweiterung und eine Verknüpfung mit außereuropäischen Systemen diskutiert. Im Ganzen Fehlanzeige.

SPD: Will die Ziele ehrgeiziger machen, nämlich 30% Senkung zum Jahr 2020 statt 20%. Ansonsten nichts konkretes, nur eine vage “Reaktivierung” und ein Ausgleich sozialer Härten. (Quelle)

Die Linke hat als einzige Partei eine eigene Unterseite zum Emissionshandel.  Die Positionen, wie ich sie extrahieren konnte: Auch hier das 30%-zu-2020–Ziel, ansonsten erklärt sie den Emissionshandel für gescheitert und will Kohleverstromung gesetzlich verbieten. Sie ist besorgt um die sozialen Folgen der Verminderung der Braunkohleverstromung im Osten, was berechtigt ist.

Grüne: Auch hier ziemlich allgemein die “Reaktivierung” des Emissionshandels. Auch sie stehen für ein einmaliges Vermindern der Zertifikatemenge, das ehrgeizigere 30%-bis-2020-ZieI und 0%-bis-2050.  Im Wahlprogramm Fehlanzeige. Im Bundestag immerhin haben sie als Einzige die geringe Marktabdeckung benannt und kritisiert (hier), und die Verknappung der Emissionen gefordert (hier)! Auf eine Anfrage über ihre Website beschrieben sie ihre weitere Linie so: Mindestpreis von 15 €/tCO2,(de facto eine Steuer), keine Einbeziehung der gesamten Wirtschaft in das Zertifikatesystem, da es "nichts bewirkt" habe, stattdessen eine Form von CO2-Steuer, die aber nicht so heißt.

FDP: Sie will das EEG reformieren in Richtung auf mehr Markt – einerseits, andererseits aber staatlich prozentuale Anteile bestimmter Energieformen vorgeben(, was nicht sehr marktwirtschaftlich ist). Im Wahlprogramm ist zum Emissionshandel nada, niente. Hier (eine Antwort auf eine Befragungsaktion der “Mission eine Welt”) benennt einer ihrer Verteter immerhin die Ausweitung auf andere Wirtschaftsbereiche (Verkehr, Wärme) als Ziel und, was sinnvoll erscheint, den Abbau anderer Maßnahmen wenn denn das Zertifikatesystem einmal richtig greift. Inwieweit das Parteilinie ist, erschließt sich mir nicht. Bekämpft aber Emissionsrechteverknappung.

Piraten: Sachliche Stellungnahmen Fehlanzeige.

Zusammenfassend kann man sagen: Es wird in den Wahlprogrammen und darum herum kaum ein Gedanke an die Möglichkeiten verschwendet, das Potential eines konsquenten Cap-And-Trade-Systems in Realität zu bringen. Jeder will Verbesserungen anbringen, die Regierungsparteien immerhin eine gewisse Bereichsausweitung und internationale Verknüpfung, die Oppositionsparteien insbesondere das 30%-bis-2020-Ziel, Linke und Grüne würden es am liebsten ganz abschaffen und wenn das nicht geht, es wenigstens nicht ausweiten, sondern durch Steuern (Grüne) oder Verbote (Linke) ergänzen. Die FDP scheint die einzige Partei zu sein, die vom Umfang her konsequentes Cap-And-Trade anstrebt – aber sie ist nicht sehr ergeizig, was die Reduktionsraten angeht.

Die CDU will gar vermeiden, dass der normale Bürger überhaupt etwas von der Emissionskosten mitbekommt, und auch die FDP will die Strompreise niedrig halten – den Pelz waschen wollen, ohne ihn nass zu machen, nennt man das.

Politik durch Elektronik – eine Avaaz-Petition gegen den Klimawandel (für ein besseres Emissions-Zertifikatesystem)

Die Änderung der politischen Landschaft durch das Internet ist im Gange. Es sind nicht nur Blogger und Facebook die Informationen, Willensbildung und Aktion bewirken, sondern auch seit neuerem Kampagnenträger wie Avaaz und Campact. Einerseits ist das natürlich Salonpolitik, weil man wirklich nicht mehr zu tun braucht, als irgendwo draufzuklicken, andererseits ist es halt ein kleines Mosaiksteinchen, ein kleiner Teilstrom im großen Strom der Informationen, der den Pfad der Weltentwicklung (um nicht zu sagen des Weltgeistes) um ein winziges in eine bessere Richtung lenkt.

In einem Anfall von Idealismus und Größenwahn habe ich bei Avaaz.org eine Petition gestartet, weil es etwas gibt das mich stört.

Ich habe hier über das Zertifikatesystem zur Senkung der Klimagasemissionen geschrieben. Dieses an sich sehr gute System hat einige Schönheitsfehler, die wahrscheinlich durch unverschämte Lobbyarbeit hineinkamen, und die stören mich, und wie ich hoffe viele andere. Also der Versuchsballon einer Avaaz-Petition, die ja nichts anderes als Gegen-Lobbyarbeit ist.

Für Klickfaule hier noch einmal die Texte:

Wie wir alle wissen, sind die Menschen gerade dabei, das Klima der Erde in einen neuen Zustand zu versetzen. Verteuerung von Klimagas-Emissionen durch die Verpflichtung, Emissionszertifikate zu kaufen, sind ein guter Weg, diesen Prozess unabhängig vom schwankenden Idealismus des Einzelnen zu verlangsamen. Leider ist es so, dass in der vorgesehenen Form nur etwa die Hälfte der Emissionen Zertifikate benötigen, und darüberhinaus eine Fülle von Ausnahmen bestehen. Damit wird die Wirksamkeit der Maßnahme in Frage gestellt – was wir uns nicht leisten können.

Die Bundesregierung, das europäische Parlament und der Ministerrat mögen innerhalb der nächsten drei Jahre das Emissionszertifikatesystem dergestalt ändern, dass

  • alle Emissionen von ihm erfasst werden
  • für importierte Waren entsprechende Zertifikate gekauft werden müssen, wenn sie nicht im Ursprungsland entsprechenden Abgaben unterliegen (und vice versa für exportierte Waren)
  • Ausnahmen von Umfang und Zeitdauer deutlich verringert werden

Also: wer es wertvoll findet – go ahead.