Der Wahlbetrug unter der Karzai-Regierung erweckt für den, der den Vietnamkrieg noch mitbekommen – oder sich etwas mit ihm beschäftigt hat – sehr unangenehme Erinnerungen: ein Dritte-Welt-Land, in dem eine totalitäre, hochmotivierte Guerillabewegung um die Macht und gegen die USA kämpft, ein anscheinend unaufhaltsames Ausbreiten dieser Bewegung, die nicht völlig unberechtigte Selbststilisierung der Bewegung als Verteidiger der Heimat, da sie ja (auch) gegen ausländische Kräfte kämpft – und nun auch noch dieser Offenbarungseid der lokalen Eliten, korrupt und manipulativ zu sein. Wenn etwas, war es damals die Verdorbenheit, Unfähigkeit und der Machthunger der südvietnamesichen Elite, die ihren Untergang und damit den der südvietnamesischen „Demokratie“ besiegelt haben. Das ist es, was diesen Krieg damals schmutzig gemacht hat und den heute schmutzig macht – die Frage, ob die gute Sache, für die „wir Europäer“ uns haben hineinziehen lassen, wirklich so gut ist – ob sie wirklich mehr ist, als das kleinere Übel.
Vietnam am Hindukusch
4. November 2009 um 2:04 (Außenpolitik)
Tags: Afghanistan, Karzai, Südvietnam, Vietnam
Antiklimageräte
27. Mai 2009 um 13:12 (Klima und Energie)
Tags: Elektroheizung, Klimaanlage, Klimawandel, Strompreis
Strom ist eindeutig zu billig.
„Bauhaus“-Katalog: Auf der Titelseite Klimaanlagen mit mehreren Kilowatt Leistungsaufnahme, innen dann Elektro-Fußbodenheizungen.
Solange man mit sowas Geld verdienen kann, ist Strom zu billig.
Kapitalrentensystem und Krise
14. Mai 2009 um 1:04 (Wirtschaft)
Tags: Der Spiegel, Kapitalrentensystem, Krise, Subprime-Kredite, Zinssatz
In einem Beitrag meines alten Blogs bei Blogigo, der leider durch deren verdammte fehlerhafte Software nicht mehr sichtbar ist und den ich gelegentlich hier importieren möchte, schrieb ich, dass der Übergang zum Kapitalrentensystem ein Betrug ist, weil die dabei verfügbar werdenden Kapitalmassen nicht mehr zu dem Prozentsatz angelegt werden können, der versprochen wird. Ich hab’s damals etwas vorsichtiger formuliert, aber zugespitzt ist das der Inhalt.
Der Grund ist, dass eine Marktwirtschaft nicht beliebig viel Kapital pro Jahr aufnehmen kann, da es immer ein gewisses angenähertes Gleichgewicht von Konsum und Investition geben muss – jede Investition muss sich innerhalb einer begrenzten Zeitspanne und in einem begrenzten Marktsegment rentieren, d.h. in letzter Konsequenz zu Produkten für den Endverbraucher führen.1
Nun las ich den Gier-Leitartikel im neuen Spiegel (20/2009) und dabei tauchte ein neuer schädlicher Aspekt dieses Rentensystems auf, dieses Allheilmittels für Dummköpfe. Es könnte durchaus an der jetzigen großen Krise mitschuldig sein, und das geht so:
Wie man überall lesen kann, besteht das strukturelle Grundübel der modernen Weltwirtschaft in der übermäßig gewachsenen Geldmenge, und wie in besagtem Spiegelartikel ausgeführt ist, ist deren Ursache – neben der unkontrollierten Schöpfung von Buchgeld in der Finanzsphäre und einem Anwachsen der Menge der Kleinaktionäre – eben die Ausbreitung privater Pensionsfonds, also des Kapitalrentensystems. Das globale Geldvermögen ist in den letzten drei Jahrzehnten dreimal schneller als die Produktion gewachsen. Das Resultat ist, dass alle gesunden und gut rentierlichen Anlagemöglichkeiten mit Kapital abgesättigt sind und das übrige Kapital die Wahl zwischen der Scylla hochriskanter und der Charybdis niedrigverzinster Anlagen zu wählen hat. Wie die menschliche Natur so ist, wird ein Teil des Geldes also in erstere fließen, nach dem Motto: „Ich will nicht als Versager dastehen und es ist ja nicht mein Geld und es wird schon gut gehen.“ Das ist, kurz gesagt, was bei den „Subprime“-Krediten passiert ist.
Wenn man in die Details geht, taucht natürlich sofort das Rating-Desaster als Mitursache auf, d.h. die Tatsache, dass gebündelte Kredite krass überbewertet wurden und so Anleger zu Käufen bewegten, die sie normal nie getätigt hätten.
Also waren die Rating-Agenturen schuld? Die Rating-Agenturen wurden von den Verkäufern bezahlt, waren also in einem klassischen Interessenkonflikt. Also war die Art des Rating-Systems schuld? Das kommt sicher dazu. Aber: wenn nicht so viel Geld im Markt wäre, hätten sich die Anleger gar nicht auf ein Gebiet vorwagen müssen, auf dem sie sich nicht auskannten und wären vielleicht niemals so abhängig von den Rating-Agenturen geworden!
Und als dann die Kredite einmal massenhaft zu platzen begonnen hatten, breitete sich die Krise in Wellen der Zerstörung über den Globus aus und verursachte Schäden, die ein vielfaches der ursprünglichen, auslösenden Verluste im US – Einfamilienhausgeschäft betragen – letztlich nur eines Teils einer Branche in einem Land. Diese inhärente Instabilität des kapitalistischen Systems, d.h. seine Unfähigkeit, Störungen abzufangen, die eine gewisse Größe überschreiten, ist eine andere Geschichte und soll ein andermal erzählt werden.
1 In einer Planwirtschaft ist das anders, wie Stalins Industrialisierungprogramm gezeigt hat – aber unter welchen menschlichen Kosten!
Vom Leben der Tiere und Menschen
8. April 2009 um 0:11 (Philosophie)
Tags: Menschen, Schau, Tiere, Verhalten, Werte
Tiere laufen durch die Welt und reagieren von Situation zu Situation, angetrieben von Gestimmtheiten, wie Müdigkeit, Aufgekratztheit, Unternehmungslust, Hunger, Gelegenheit. Sie streben Gelegenheiten an oder nutzen sie, wenn sie sich ihnen zufällig bietet. Sie erkennen die auslösenden Faktoren für Gefahrreaktion, Kampf, Liebe, Sex, Rache und so weiter. Sie können, ohne davon erfahren zu haben, grundlegende Entscheidungen treffen, wie eine Gruppe zu verlassen, eine zu gründen oder sich einer anzuschließen, den Kampf um Vorherrschaft zu suchen – oder zu vermeiden. All das, ohne dass es ihnen bewusst ist.
Bei den Menschen ist es (im Prinzip) genauso. Auch wir handeln in Bezug auf das, was unmittelbar vor uns liegt und auf Gestimmtheiten, die aus uns herausfließen. Auch wir suchen Gelegenheiten = Reize zu Verhalten. Dazu kommen kollektive Bindungsaktivitäten wie Singen, Tanzen, Erzählen.
Der Film entstammt einer Traditionslinie, die mit bildreichem, darstellendem Erzählen begann, über den Moritatengesang mit Bildtafeln weiterführte, einer Nebenlinie in der illustrierten Geschichte folgte und vorläufig im bewegten, farbigen, vertonten Bild endete.
Grundlegende Entscheidungen sind Bahnen, auf die wir uns setzen, in deren Verlauf wir viele weniger grundlegende Handlungen ausführen, einfachen Reiz – Reaktions – Situationen begegnen.
All das ist umspielt von Gespräch, von Wertsystemen, die das spontane Verhalten modifizieren, meist in Richtung auf stärkere Berücksichtigung von Gruppeninteressen.
Verbrennungsmotor der Zukunft 2
28. März 2009 um 19:22 (Nicht kategorisiert)
Tags: auto, Benzinverbrauch, CO2, Hubraum, Motor, Teillastbetrieb, Verluste, Wirkungsgrad
Es ist immer seltsam, wenn man daher kommt und schreit: hier, das ist das Ei des Kolumbus, also eine bestimmte technische Lösung missionarisch in den Himmel hebt.
Nichtsdestotrotz will ich hier auf eine solche Lösung aufmerksam machen: den Gegenkolbenmotor.
Er besteht aus einem Brennraum für zwei Kolben, die darin gegeneinander laufen. Er könnte ein Viertakter, wenn man in der Mitte Ventile unterbringen würde, aber als Zweitakter ist er viel eleganter. Dann nämlich öffnen die Kolben am äußeren Totpunkt den Zuluft und den Abgaskanal. Durch eine leichte Phasenversetzung kann man erreichen, dass sich erst der Abgas- und dann der Zuluftkanal öffnet. So wird ein Gasaustausch erzielt, der ebensogut wie beim Viertakter ist. Der Zweitakter braucht einen Lader, der während des offenen Zylinders die frische Luft hineindrückt.
Der Hauptvorteil ist folgender:
Die Oberfläche des Brennraums ist eine der Hauptverlustquellen beim Verbrennungsmotors. In erster Näherung sind die Wärmeverluste nicht von der Motorleistung, sondern nur von dieser Oberflächengröße und der Ladung abhängig. Man möchte also zwei Ziele erreichen: ein großes Hub-zu-Bohrungsverhältnis (langen Hub), um die Oberfläche des Brennraums gering zu halten, und eine hohe Drehzahl, um bei gegebener Oberfläche, also gegebenen Verlusten, möglichst viel Nutzleistung zu erzielen. Großer Hub bedeutet aber große Beschleunigung von Bauteilen – wegen der begrenzten Materialfestigkeit sind Hub und Drehzahl ungefähr umgekehrt proportional. Wenn der Hub auf zwei Kolben aufgeteilt wird, lässt sich also im Prinzip die doppelte Drehzahl erreichen, d.h. doppelte Leistung bei gleichen Verlusten. Der Wirkungsgrad steigt.
Dieser Effekt trifft besonders auf den Teillastbereich zu, weil hier die Oberflächenverluste relativ größer sind als bei Volllast. Dies ist von Bedeutung, da unsere Autos vielleicht 80 % ihrer Zeit im unteren Teillastbereich gefahren werden.
Die Komplexität das Motors ist etwas geringer als die des Standard-Viertakters. Keine Zylinderköpfe, keine Ventile und Ventiltriebe und Nockenwellen, weniger Masse, da weniger Hubraum umbaut werden muss – dafür zwei Kurbelwellen, die über Zahnräder synchronisiert werden müssen und der Lader.
Nachteile gibt es leider auch. Dadurch dass die Lauffläche für den Ein- und Auslass unterbrochen ist, gerät Öl in den Gasstrom, insbesondere ins Abgas. Ob sich das wegentwickeln lässt ist die Frage. Es erfordert eben Risiko einzugehen.
Die Waschmaschine der Zukunft
13. Januar 2009 um 2:10 (Klima und Energie, Technik)
Tags: regenerative Energie, waschmaschine
gibt es schon, sie muss sich nur noch durchsetzen. Es ist die Maschine mit Warm- und Kaltwasseranschluss, die das vorhandene warme Wasser nutzt. Gemäß dena spart man damit pro Wäsche im Mittel 0,4 kWh, macht in 10 Jahren rund 1400 kWh oder rund 280 €.
Leider muss man aber Energie und Geld aufwenden, um das warme Wasser zu erzeugen, macht ca. 70 €. Die Primärenergieeinsparung beträgt allerdings ca. das Doppelte der Elektroenergieeinsparung.
Analoges gilt für Geschirrspülmaschinen.
Ich finde, dass nur noch Geräte mit Warmwasseranschluss verkauft werden sollten.
Der Kühlschrank der Zukunft
12. Januar 2009 um 22:04 (Klima und Energie, Technik)
Tags: Kühlschrank, Klimawandel, Wirkungsgrad
Immer im Winter bin ich erstaunt, dass wir noch Strom für die Kühlung unserer Vorräte aufwenden. Deshalb glaube ich, dass der Kühlschrank der Zukunft vor allem eine Eigenschaft haben wird: er wird seinen Wärmetauscher in die Außenluft hängen, oder sogar Außenkälte direkt verwenden.
Dafür gibt es mehrere Varianten:
- Eine spezielle Kammer ist für die Aufnahme des Kühlschranks vorgesehen, die an der Außenwand liegt und durch große Belüftungslöcher nahezu Außentemperatur aufweist. Das ist eine moderne Variante der guten alten Speisekammer.
- Ein Wärmetauscher ist von vornherein an der Außenwand angebracht, der mittels einer Kühlmittelleitung mit standardisierter, selbstverschließender Kupplung an den Kühlschrank innen angeschl0ssen wird. Vorteil: etwas mehr Freiheit bei der Positionierung des Geräts.
Noch mehr Kühlenergie lässt sich einsparen, wenn das System über ein Kältedepot verfügt, das nur in der Nacht, wenn die Außentemperatur 5 – 10 °C unter der Tagestemperatur liegt, gekühlt wird und genügend Kapazität besitzt, den Kühlschrank tagsüber kühl zu halten. Dieses kann sowohl im Kühlschrank eingebaut sein als auch, bei Variante 2, fest in der Wohnung installiert.
Eine moderne Kühl-/Gefrierkombination verbraucht ca. 300 kWh pro Jahr. Durch solche Maßnahmen würde der Verbrauch abgeschätzterweise auf die Hälfte sinken . Bei einem Strompreis von 0,2 €/kWh wären das ca. 300 € in 10 Jahren. Das scheint mir noch nicht rentabel zu sein, aber wer weiß, wie die Rechnung in zehn, zwanzig Jahren ausschaut?

Variante 1 als einfache Kammer mit Außenluft

Variante 1 mit Kältespeicher
Man muss sich aber vergegenwärtigen, dass der Strom für den Kühlschrank nur einen geringen Anteil des Stromverbrauchs ausmacht – in meiner WG sind es ca. 10 %. Und es ist unbequem – man hat nicht mehr die Freiheit der Wahl, wo man den Kühlschrank hinstellt. Aber wenn wir auf die geringen Verbrauchswerte kommen wollen, die wir mittelfristig erreichen müssen, müssen wir auch diese Möglichkeit ausschöpfen.
3382 km pro Liter
17. Dezember 2008 um 4:46 (Klima und Energie, Technik)
Tags: auto, Benzinverbrauch, Luftwiderstand
kann man mit dem Experimentalauto des Lycée la Joliverie in Nantes zurücklegen. Deswegen war es der Sieger des diesjährigen Shell Eco-Marathons Europe. Das entspricht einem Benzinverbrauch von 0,03 l auf 100 km. Damit ist es 34 mal besser als das 1 – l – Auto von VW und 100 mal besser als ein 3-Liter-Auto. Das ist also erreichbar.
Natürlich sind das Extreme: man fährt nicht viel schneller als 30, liegt nahezu in einer 30 kg leichten Zigarre – Knautschzone, was ist das? Die Beschleunigung ist nahezu vernachlässigbar.
Aber in besagtem Wettbewerb gibt es auch die Kategorie „Urban Concept Cars“, was kleine Zweisitzer mit Gepäckraum sind, und diese müssen gelegentlich anhalten und wieder losfahren. Und auch hier werden exorbitante Werte erreicht: 848 km pro Liter, also ein Verbrauch von 0,12 l pro 100 km, was immer noch 8,5 mal besser scheint als das 1-l-Auto von VW. Allerdings fährt dieses 3 mal schneller. Wenn ich das Wettbewerbsauto 3 mal schneller fahren lasse, erhöht sich sein Luftwiderstand und damit sein Verbrauch um den Faktor 9. Das bedeutet, dass das VW- 1 – Liter – Auto ziemlich genau gleich gut ist.
nochmal Auto der Zukunft
17. Dezember 2008 um 2:43 (Klima und Energie, Nicht kategorisiert, Technik)
Tags: auto, Automatik, Hybridautolt, Verluste, Wärmeleitung
Also hauen wir weiter in die Autotechnik-Kerbe und spielen den Spinner:
Wenn es kein Hybridauto ist, hat der Motor zwei oder drei Zylinder unterschiedlichen Hubraums, die alternativ laufen. Grund: die Verluste durch Wärmeleitung sind hoch und hängen in erster Näherung nur von der Verbrennungsraumoberfläche ab. So wird Leistung immer mit dem kleinstmöglichen Zylinder erbracht.
Innerhalb eines Motorbereichs regelt der Fahrer mit dem Gaspedal über eine kontinuierliche Automatik nur noch die Drehzahl anstatt die Zylinderladung.
Wenn es ein Hybridauto ist, kennt der Verbrennungsmotor nur noch zwei Betriebszustände: „optimale Zylinderladung und Drehzahl“ und „aus“.
Dies ist kein Auto-Blog, aber . . . (1-Liter-Auto)
16. Dezember 2008 um 22:13 (Klima und Energie, Technik)
Tags: auto, Bremsenergierückgewinnung, Lupo, Motor
wenn man einmal ein Thema beim Wickel hat, fällte einem immer mehr dazu ein.
Mit meiner Zeichnung zum Torsionsfederelement zur Stoßdämpfung beim Einzylinder habe ich mich definitiv als versponnener Techno-Tüftler disqualifiziert. Dennoch will ich hier das momentan aktuelle Feld weiter beackern.
Es wird bald das 1 – Liter – Auto geben, habe ich kürzlich gelesen und zwar hier. Ein löbliches Vorhaben, ein Schritt in die richtige Richtung, aber: nicht das was wir brauchen. Denn es ist ein Rekordauto, ein Konzeptauto, ein Demonstrationsauto, kein Massenauto! Anscheinend ist der VW – Vorstand von seinem Lupo-Versuch, der (so meine ich kühnerweise) vor allem wegen des bescheuerten Designs so gescheitert ist, so frustriert, dass er, nachdem er zuerst zu kurz geschossen und dann kein „Standing“ bewiesen hat, nun über das Ziel hinausschießt und des Guten zuviel tut. Ich möchte mal wissen, wie weit die Umweltbewegung wäre, wenn sie bessere Designer und Werbeleute hätte.
Immerhin für mich befriedigend: der Wagen wird einen Einzylindermotor haben, abgedeckte Hinterräder, Freilauf. Weitere energierelevante Elemente: Start-Stopp-Automatik, Bremsenergierückgewinnung.

